26.07.25 - Der immer recht streitbare Winfried Abel, der bis 2014 Pfarrer von St. Andreas in Fulda-Neuenberg war, hat sich mit einer massiven Kritik zu einem Grußwort von Generalvikar Dr. Martin Stanke zum Christopher Street Day in Fulda an die Öffentlichkeit gewandt, die mit dem Fazit schließt: "In diesem Bistum möchte ich nicht mehr Priester sein."

Pfarrer Abel war viele Jahre Priester in der Pfarrei St. Andreas in Fulda-Neuenberg ...O|N-Archivbild

Der Fuldaer Generalvikar Dr. Martin Stanke
Seinen offenen Brief hat das Online-Magazin kath.net im Wortlaut veröffentlicht. Pfarrer Abel schreibt, er werde sich in Zukunft nicht mehr ‚Priester des Bistums Fulda‘, sondern ‚Priester der Römisch-Katholischen Kirche‘ nennen, "weil ich im Petrusamt, das in Rom seinen Sitz hat, den Garant für eine Kirche sehe, der immer noch die Zusage Jesu gilt: Die Pforten der Hölle werden sie nicht überwältigen. Letzteres ist der Kirche in Fulda nicht mehr garantiert."
Der Fuldaer Generalvikar Martin Stanke hatte in seinem Grußwort an die Teilnehmer des Christopher-Street-Day in Fulda erklärt: "Als Kirche sind wir dazu berufen, jedem Menschen in seiner Würde und Einzigartigkeit mit Achtung und Respekt begegnen. Deshalb begrüßen wir es, wenn Menschen sich für Vielfalt und ein friedliches Miteinander einsetzen." Die Katholische Kirche verstehe sich als Teil einer offenen und solidarischen Gesellschaft. "Wir stehen an der Seite aller, die sich gegen Ausgrenzung und Diskriminierung stellen und für ein Leben in Freiheit und gegenseitiger Verantwortung eintreten. Wir wissen, dass die Geschichte unseres Umgangs mit queeren Menschen auch von Verletzungen geprägt ist. Umso mehr wollen wir heute Zeichen setzen für Wertschätzung, Dialog und Versöhnung. Allen, die am CSD teilnehmen, wünschen wir einen kraftvollen und friedlichen Tag – getragen von dem gemeinsamen Wunsch nach einer Welt, in der alle Menschen ihren Platz finden dürfen", so Dr. Stanke.

Fotos: Martin Engel
"CSD ist die Verherrlichung geschmackloser Obszönitäten"
Dieses Statement verurteilt Pfarrer Abel aufs Schärfste. "Sogenannte ‚Pride-Paraden‘ sind Symptome einer sittlich entfesselten Gesellschaft, die die Grenzen des Anstands und der Moral überschritten hat, – sie sind eine bunte Darbietung von Perversionen, die Verherrlichung geschmackloser Obszönitäten und ein Spektakel des verloren gegangenen Schamgefühls", so Abel. "Das alles unter dem Motto: ‚freie Liebe für alle‘!"
Außerdem nimmt Abel Bezug auf die Möglichkeit, homosexuelle Verbindungen zu segnen. "Wenn ein Alkoholiker um einen Segen bittet, dann möchte er von seiner Sucht befreit werden, aber nicht seinen Alkoholismus gesegnet wissen!", schreibt er. "Wenn aber ein homosexuelles Paar von der Kirche den Segen erbittet, um in seiner Lebensführung bestätigt zu werden, dann muss die Kirche diesen Segen verweigern! Eine Kirche, die sich dem Zeitgeist anbiedert, nimmt am Ende niemand mehr ernst."
Bistum: "Können wir nicht nachvollziehen"
Die Redaktion von O|N hat das Bistum um ein Statement zu dieser Fundamentalkritik von Pfarrer Abel gebeten. Die Pressestelle schreibt: "Der Generalvikar des Bistums Fulda hat anlässlich des Fuldaer CSD am 12. Juli ein Statement gegeben – dem ist nichts hinzuzufügen. Die Interpretationen, auf die Sie in Ihrer Anfrage hinweisen, können wir so nicht nachvollziehen, wenngleich selbstverständlich unterschiedliche Sichtweisen in unserer Gesellschaft zulässig sind."

Enthüllung des Schildes der Johannes-Dyba-Allee durch Weihbischof Johannes Kapp ...

Bischof Dr. Michael Gerber bei der Vorstellung der Missbrauchsstudie
Abel auch strikt gegen Straßenumbenennungen
Pfarrer Abel wendet sich auch strikt gegen die Überlegungen, die Straßen in Fulda, die nach "Missbrauchs-Bischöfen" benannt seien, umzubenennen. In einem Leserbrief an die Fuldaer Zeitung vom 24. Juli schreibt er dazu: "Ich möchte davor warnen, dieser Torheit zum Opfer zu fallen! Diese Bischöfe waren ebenso Kinder ihrer Zeit, wie wir es heute sind!" Die Kirche habe Pädophilie immer verurteilt, so Abel. "Allerdings wusste man damals noch nicht so viel über die Folgen. Also hat man nach bestem Gewissen gehandelt, die pädophilen Priester bestraft, ermahnt und – in der Hoffnung auf einen Gesinnungswandel – an eine andere Stelle versetzt." Zum Fall eines pädophilen und straffällig gewordenen Priesters behauptet Abel, die kirchliche Obrigkeit habe damals die Dinge strenger beurteilt als die staatlichen Behörden oder die bürgerliche Gesellschaft. "Sollten unsere Stadtväter den Beschluss fassen, die bischöflichen Straßennamen umzubenennen, dann sollten die Historiker unbedingt das sittliche Leben von Amand von Buseck und Heinrich von Bibra genauer unter die Lupe nehmen", empfiehlt Abel. Mit einem massiven Seitenhieb auf Bischof Dr. Michael Gerber endet der Leserbrief: "Dem Oberbürgermeister gebe ich außerdem den Rat, prophylaktisch bereits die Gerbergasse umzubenennen!", schreibt Winfried Abel. Die Gerbergasse hat mit dem seit 2019 amtierenden Fuldaer Bischof natürlich nichts zu tun, sondern ist nach dem Gewerbe der Ledergerber benannt, das dort beheimatet war. (Carla Ihle-Becker)+++ 