05.08.25 - Was tun, wenn die Autoindustrie wankt? Die EDAG Fulda setzt auf neue Märkte - und sorgt mit ihrem Auftritt auf einer Rüstungsmesse für Diskussionen. OSTHESSEN|NEWS hat für Sie nachgefragt, was die kriselnde Wirtschaftslage für den Standort des Entwicklungsdienstleisters bedeutet.
Die anhaltende Krise in der Automobilindustrie hat inzwischen auch spürbare Auswirkungen auf den Fuldaer Standort des Entwicklungsdienstleisters EDAG. Während der Standort bislang relativ glimpflich davongekommen ist, hat sich die Lage in den vergangenen Wochen verschärft. "Erstmals sind jetzt die Fuldaer Kollegen betroffen", erklärt Herbert Riem von der IG Metall Vorstandsverwaltung. Bisher habe man dort im Vergleich zu anderen Niederlassungen noch Glück gehabt, doch angesichts sinkender Auftragszahlen werde die Lage auch hier angespannter.

Das Unternehmen möchte den Problemen mit Diversifizierung entgegenwirken. ...
Angespannte Marktentwicklung wird an allen Standorten beobachtet
"Die aktuelle Wirtschaftslage ist weiterhin sehr angespannt und die Entwicklungen insbesondere in der Automobilindustrie sind für uns spürbar", erklärt Sarah Dörge, Projektleiterin Media Relations bei der EDAG. Die zurückhaltenden Abrufe aus bestehenden Rahmenverträgen sowie rückläufige Neuaufträge - ausgelöst durch die Krise bei einigen Automotive-Kunden - machten sich auch bei ihnen bemerkbar. "Dies betrifft uns gleichermaßen wie unsere Marktbegleiter."
Das Unternehmen beobachte die Marktentwicklung an allen weltweiten Standorten kontinuierlich und prüfe dort, wo keine dauerhaft positive Auslastung prognostiziert werden kann, mögliche Gegenmaßnahmen, auch betriebsbedingte Kündigungen. Diese würden "in enger Abstimmung mit den Betriebsräten und auf Basis verhandelter Interessenausgleiche mit zu Grunde liegendem Sozialplan" erfolgen, so Sarah Dörge.

Auch am Fuldaer Standort wird es voraussichtlich Veränderungen geben. ...Archivfoto: O|N
Strategische Neuausrichtung
Um der Abhängigkeit vom Automobilsektor entgegenzuwirken, setzt die EDAG seit Längerem auf eine strategische Diversifizierung. "So haben wir frühzeitig mit der Erschließung neuer Branchen begonnen", sagt die Projektleiterin. Bereits im Januar hatte das Unternehmen über diese Pläne informiert - etwa über Schritte in Richtung neuer Geschäftsfelder außerhalb der klassischen Automobilindustrie (wir berichteten bereits). Gleichzeitig betont das Unternehmen: "An Spekulationen oder Gerüchten beteiligen wir uns nicht." Diese kamen auf, da das Unternehmen kürzlich auf einer Rüstungsmesse aufgetreten ist. Spekuliert wird aktuell über eine Zusammenarbeit mit dem Düsseldorfer Konzern Rheinmetall.

Die IG Metall hält die Neuausrichtung für schwierig. Foto: O|N Archiv / Henrik Schmitt
Sorge bei Gewerkschaft
Bei der IG Metall beobachtet man die Entwicklung aktuell mit Sorge. Herbert Riem, zuständig für die Entwicklungsdienstleisterbranche in der Vorstandsverwaltung, erklärt: "Erstmals sind jetzt die Fuldaer Kollegen betroffen." Bisher sei der Standort im Vergleich zu anderen Niederlassungen eher glimpflich davongekommen, doch auch hier schlage die schwächelnde Auftragslage nun durch.
Riem bewertet die strategische Neuausrichtung grundsätzlich positiv, sieht jedoch auch klare Grenzen. "Diversifizierung ist schwierig, weil ich mir nicht vorstellen kann, dass andere Sektoren im gleichen Maße besetzt werden können." Besonders Branchen wie Medizintechnik oder Rüstung erforderten spezielle Lizenzen und komplexe regulatorische Vorgaben. "Die Barrieren sind hoch - Umschulungen der Mitarbeiter sind komplex", gibt Herbert Riem zu bedenken. Für ihn steht zudem fest: Der Konzern könne als Zulieferer nicht aus eigener Kraft alle wirtschaftlichen Risiken abfedern.
Wie stark die Auswirkungen auf den Standort Fulda künftig sein werden, bleibt offen. Beide Seiten setzen auf konstruktive Lösungen. Doch klar ist: Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen setzen der gesamten Branche zu und damit auch einem bislang stabilen Standort wie Fulda. (ems) +++