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Das Finale der beliebten Pianale fand im Schloss Fasanerie in Eichenzell statt. - Foto: Mia Schmitt

EICHENZELL Strahlendes Finale kennt nur Sieger

Wang und Maholetti gewinnen den Jury- und den Publikumspreis bei Pianale

13.08.25 - Zwei Wochen intensivsten Musizierens liegen hinter den Finalisten und Juroren der Pianale. 11 Konzerte an unterschiedlichsten Orten und auf verschiedenen Flügeln wurden gespielt. Jetzt im Finale ging es um den Jury- und den Publikumspreis im großen Saal von Schloss Fasanerie.

Die Gewinner der beiden Hauptpreise – Sofia Maholetti (13) und Yuqian Wang (25) ...Foto: Jutta Hamberger

Uta Weyand-Schäfer, Gründerin und Leiterin der Pianale, sieht in allen Finalisten ...Fotos: Mia Schmitt

Die vier Finalisten und Uta Weyand-Schäfer.

Aufs Ganze gehen

In diesen gut zwei Wochen begegneten wir 31 junge Menschen aus 19 Ländern, die einen Großteil ihres Lebens der Musik widmen. Jungen Menschen, die hingebungsvoll und diszipliniert üben. Die sich mit Musik aus verschiedenen Jahrhunderten auseinandersetzen und sich ein Repertoire erarbeiten. Die sich dem Urteil von Fachleuten stellen und in Wettbewerben antreten. Und vielleicht das Wichtigste: Sie alle tragen eine der schönsten und kostbarsten Errungenschaften europäischer Kultur weiter: klassische Musik. Musik, die so weltumspannend berührt, dass auch Länder, die ganz andere Musiktraditionen haben, daran teilhaben wollen.

Frederik Schmitt (Erster Kreisbeigeordneter Landkreis Fulda) besuchte das Finale ...

Edith Schäfer, Schwiegermutter von Uta Weyand-Schäfer.

Torsten Kramm (Sparkasse Fulda) Frederik Schmitt (1. Kreisbeigeordneter Landkreis ...

Der Jury kann die Auswahl der Finalisten nicht leichtgefallen sein, vom Ende des Konzerts her kann man nur sagen: Gut gemacht. Das war einfach großartig. Alle vier Finalisten hatten sich für anspruchsvolle, eines Finales würdige Programme entschieden. Für alle ging es um 20 Minuten, in denen sie letztmalig in diesem Wettbewerb alles geben mussten. Das Lesen des Programmzettels ließ mir jedenfalls das Wasser im Mund zusammenlaufen!

Dr. Markus Miller, der Direktor des Museums in Schloss Fasanerie, begrüßte die Gäste im ausverkauften Großen Saal des Schlosses, und Pianale-Gründerin Uta Weyand-Schäfer dankte all den Menschen, Unternehmen und Organisationen, die teils schon über Jahre die Pianale unterstützen. Ihr Dank galt aber auch dem Publikum: "Es hat sich herumgesprochen, dass die Pianale ein Ort der Begegnung, Inspiration und Entdeckung ist, auch, weil Sie hier sind und das weitertragen." Mit sichtlichem Stolz blickte sie auf ‚ihre‘ Pianale-Familie, und tatsächlich war an diesem Abend trotz des finalen Wettbewerbs erwartungsvolle Gelöstheit und Freude im Saal zu spüren.

Dr Markus Miller, Museumsdirektor von Schloß Fasanerie, begrüßt die Gäste im ...

Prof. Dr. Cornelius Roth von der Theologischen Fakultät Fulda mit Museumsdirektor ...

Generalvikar a.D. Dr. Gerhard Stanke, Fulda.

Kotaro Watanabe

Die Reihenfolge der Auftritte war ausgelost worden. Den Auftakt machte der Japaner Kotaro Watanabe (21) mit Beethovens zweisätziger Sonate in F-Dur op. 53 Nr. 21. Ein Stück, das Brillanz, Poesie und Virtuosität fordert, Watanabe fast schwerelosem Spiel zu lauschen, war ein Vergnügen. Diese 1803 entstandene Sonate gehört zu Beethovens bedeutendsten Klaviersonaten. Sie fordert Brillanz, Poesie, Virtuosität. Watanabes fast schwerelosen Spiel zu lauschen war ein Vergnügen.

Als zweites Stück spielte er Franz Liszts "Die Wilde Jagd" aus den Études d’execution transcendante S. 139, zweifellos ein Höhepunkt virtuoser Klaviermusik. Die "Wilde Jagd" stellt große Anforderungen an den Pianisten. Aber – und nur deshalb ist sie so hörenswert – sie ist auch so etwas wie die Verdichtung romantischer Musik mit ihrer Sehnsucht nach Transzendenz, Jenseits und Göttlichkeit. Wunderbar, wie Watanabe auch diese spirituelle Seite ausleuchtete und es nicht "nur" beim virtuosen Spiel beließ.

Phoebe Papandrea, die letztjährige Gewinnerin des Pianale Publikumspreises. ...

Alle Preise vergeben – vier glückliche Finalisten und eine stolze Pianale-Jury. ...Fotos: Jutta Hamberger

Der Wettbewerb ist geschafft – jetzt kommt die Preisverleihung.

Sofia Maholetti

Die einzige Juniorin des Finales, die Grazerin Sofia Maholetti (13), zeigte in drei Stücken ihre Vielseitigkeit. Sie begann mit Johann Sebastian Bachs Präludium und Fuge in d-Moll WTK II BWV 875 – ein Stück aus einem der Meilensteine europäischer Musikgeschichte, dem Wohltemperierten Klavier. Beide Teile bestehen jeweils aus 24 Satzpaaren in allen 12 Dur- und Moll-Tonarten, die chromatisch aufsteigen (also von C-Dur bis h-Moll). Bach hatte das Wohltemperierte Klavier der "lehrbegierigen Musicalischen Jugend" gewidmet. Maholetti spielte mit hoher Präzision und Konzentration. Was für ein Einstieg in ihren Vortrag!

Auf Bach folgte Franz Liszsts Konzertetüde in f-Moll "La Leggierezza" in f-moll op. 144 Nr. 2, die Maholetti bereits im (wettbewerbsfreien) Studentenkonzert gespielt hatte Schon da war das herausragend, an diesem Abend aber legte sie mindestens noch drei Schippen drauf. "La Leggierezza" ist die mittlere von drei Konzertetüden. Der Titel stammt nicht vom Komponisten selbst, wohl aber die Tempo-Angabe ‚Quasi allegretto‘. Oft wird das zugunsten eines rasenden Tempos ignoriert, was schade ist, denn die chromatischen Läufe entfalten im Originaltempo viel mehr Wirkung. Und genau das zeigte uns Maholetti.

Kotaro Watanabe trug Stücke von Beethoven und Liszt vor.

Die jüngste Finalteilnehmerin war Sofia Maholetti.

Yoshitaka Shigematsu kämpft mit dem Klavierschemel – wenn es die noch nur in automatisch ...

Der effektvolle Abschluss ihres Vortrags war Chopins Revolutions-Etüde op. 10 Nr. 12 in c-Moll. Die Legende, dass Chopin sie 1831 anlässlich der Einnahme Warschaus durch die russischen Truppen geschrieben hat, ist durch nichts belegt. Dass ihn diese Niederlage tief getroffen hat, ist aber sicher – wen schon lässt es kalt, wenn Russland das eigene Land angreift! Die Etüde mit ihren fast wie Wasserfälle herabstürzenden Läufen ist eine der bewegendsten Kompositionen Chopins. Die für ihr Alter fast unbegreifliche Reife der jungen Österreicherin sorgte für frenetischen Beifall – und man ahnte schon, dass der Publikumspreis hierhin gehen würde.

Yoshitaka Shigematsu trug Brahms Variationen und Fuge über ein Thema von Händel ...

Yuqian Wang begeisterte mit seinem Vortrag der zweiten Kriegssonate Prokofiews. ...

Die vier Finalisten präsentieren sich nach getaner Arbeit dem Publikum. ...

Yoshitaka Shigematsu

Der junge Japaner Yoshitaka Shigematsu (23) hatte sich für Johannes Brahms‘ Variationen und Fuge über ein Thema von Händel op. 24 entschieden. Brahms schrieb diesen Klavierzyklus 1861 und trug ihn selbst in Konzerten vor. Die Faszination des Werks liegt in der Verbindung von Musik des Barock mit Musik der Hochromantik. Mit 25 Minuten lag Shigematsu etwas über der vorgegebenen Zeit, aber wer hätte wegen 5 Minuten Streit vom Zaun brechen wollen?! Es war ein runder, überzeugender Vortrag.

Geschafft! Jetzt ein paar Minuten entspannen, bevor es zur Preisvergabe geht. ...

Die Jury berät.

Vertraute Gespräche in der Wartezeit, hier Christoph Picard und Martin Schäfer. ...

Yuqian Wang

Der aus China stammende und in Moskau studierende Yuqian Wang (25) spielte dann zum Abschluss Prokofievs Kriegs-Sonate in B-Dur Nr. 7 op. 83. Dies kürzeste der drei Kriegssonaten gehört zu Prokofievs bekanntesten und beliebtesten Werken. Alle drei Sonaten entstanden während des Zweiten Weltkriegs, einer Zeit großer Bedrängnis v.a. für das russische Volk. Es gibt Werke, die hört man und vergisst sie nie wieder – das gilt ganz gewiss für diese Sonate. Kantable Linienführung, das Donnern der Kanonen, die Einschläge der Bomben, die Schreie, der Schrecken, das Entsetzen des Krieges – Prokofiev hat es hier in Musik gebannt. Und gebannt waren auch wir Zuhörer ob des expressiven und doch empfindsamen Spiels von Wang. Als der letzte Ton verklungen war, waren sich sicherlich viele sicher, dass er den Jury-Preis erringen würde.

Die Preise der Pianale 2025

Yuqian Wang errang den Jurypreis der Pianale. Außerdem wurde er mit dem Sonderpreis der Sparkassesowie dem Sonderpreis der Stadt Fulda ausgezeichnet, der in der nächsten Saison ein Konzert im Fürstensaal beinhaltet.

Sofia Maholetti gewann den Publikumspreis der Pianale und wird am 9. November in einem Orchesterkonzert im Fürstensaal zu hören sein. Eine Terminansetzung, die mir unbegreiflich ist – der 9. November sollte für das Gedenken an die Novemberpogrome des Jahres 1938 freigehalten werden. Maholetti erhielt ebenfalls den Rotary Preis, den Preis der Soroptimisten sowie den Emcy Preis für den besten Teilnehmer unter 20 Jahren.

Kotaro Watanabe, der bereits 2024 auf der Pianale dabei war und den "Rückkehrer-Preis" erhalten hatte, wurde ausgezeichnet mit dem Steingräber Sonderpreis für ein Konzert in Bayreuth.

Yoshitaka Shigematsu erhielt den Preis der Pianale Foundation, den Sonderpreis der Gemeinde Eichenzell und den Rückkehrer-Preis der Pianale, er wird also 2026 wieder dabei sein.

Gianluca Bergamasco erhielt den Sonderpreis für den besten Lernfortschritt während der Pianale.

Giovanni Bergamasco stellt seinen Eltern Pianale-Teilnehmer vor, die zu Freunden ...

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Alles entschieden – die Jury mit den Urkunden für die Preise.

Was für ein fabulöses Konzert! Dann hieß es zunächst einmal warten, denn die Jury musste den Jurypreisträger bestimmen, und das Publikum den Publikumspreisträger. Als dann alles klar war, gab es für alle nochmals donnernden Applaus – was für ein wunderbarer Abschluss der Pianale! (Jutta Hamberger) +++

Fotos: Mia Schmitt


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