15.08.25 - "Alles schaut nach Hünfeld": Auf seiner Rechtsstaats-Tour besuchte der Hessische Justizminister Christian Heinz (CDU) am Donnerstagvormittag das Amtsgericht Hünfeld, welches er als "ein besonders Gericht" beschrieb. "Mit einem sehr kleinen richterlichen Personalkörper bearbeitet es seit Jahrzehnten erfolgreich alle Mahnverfahren aus den hessischen Amtsgerichtsbezirken - und ist damit das zentrale Mahngericht für ganz Hessen."
Im Jahr 1998 wurde dem Amtsgericht Hünfeld als zentralem Mahngericht die Bearbeitung aller Mahnverfahren in Hessen übertragen. Seit 2013 ist im Amtsgericht Hünfeld auch das Vollstreckungsgericht untergebracht, welches das Schuldnerverzeichnis für ganz Hessen verwaltet. Hauptaufgabe des zentralen Vollstreckungsgerichts ist es, die Datensätze der einzelnen Vollstreckungsorgane automatisiert zu übernehmen, zu prüfen und in ein landesweites Schuldnerverzeichnis zu überführen. Die beim Amtsgericht Hünfeld eingehenden Daten werden mit den Daten der anderen zentralen Vollstreckungsgerichte in Deutschland in einem zentralen Bundesportal zusammengeführt. Somit steht ein bundesweites Schuldnerverzeichnis für Auskunftszwecke zur Verfügung.

Justizminister Christian Heinz (CDU).

Das Amtsgericht Hünfeld.

Erfahrungsaustausch zu Nachwuchs und Personalplanung.
Das Amtsgericht Hünfeld verfügt über drei Richterinnen und Richter, rund 80 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiten im nicht richterlichen Bereich. "Mahnverfahren entlasten die Justiz, weil ohne eine intensivere Beschäftigung der Gerichte Forderungen durchgesetzt werden können. Das Amtsgericht Hünfeld nimmt in diesem Bereich eine bedeutende Rolle für das gesamte Land ein. Dafür bin ich sehr dankbar", sagte der Justizminister

Dominik Dute, Direktor des Amtsgerichts Hünfeld.

Oliver Weithaas, Ausbildungsleiter.

(r.) Lutz Lorenz, stellvertretender Bereichsleiter in Mahnsachen.

Anwärterin Emma Bauer.

Geschäftsleiter Daniel Auth.
"Hier in Hünfeld zeigt sich, wie erfolgreich Zentralisierung funktionieren kann", erklärte Heinz. "Wir haben den Entschluss gefasst, dass es auf Dauer nicht sinnvoll ist, mehr Menschen als nötig an die Amtsgerichte im Rhein-Main-Gebiet zu schicken. Durch die Digitalisierung ist die örtliche Bindung nicht mehr so groß - viele Tätigkeiten kann man von überall aus erledigen, von zu Hause oder eben aus Hünfeld." Der Minister betonte, dass dies nicht nur der Effizienz diene, sondern auch den Beschäftigten zugutekomme: "Home-Office und dennoch Ortsnähe zur eigenen Dienststelle - das wünschen sich viele. So spart man Wegzeiten, muss nicht fünfmal in der Woche pendeln und hat mehr Zeit für die eigenen Kinder oder andere Betreuungspflichten."
Ein weiterer Vorteil sei die hohe Zufriedenheit vor Ort: "Hier herrscht eine gute Atmosphäre", lobte Heinz. "Sehr wenige, die hier Teil des Amtsgerichtes werden, wollen die Region oder das Gericht wieder verlassen. Das ist ein sehr gutes Ergebnis, das ich mir an anderen Dienststellen häufiger wünschen würde." Das Ziel des Justizministeriums dabei: "Wir wollen, dass die Arbeit im Land möglichst immer dort anfällt, wo die Menschen, die sie leisten, auch leben."

Christiane Vukota, Vorsitzende des Personalrates am Amtsgericht.
Erfahrungsaustausch zu Nachwuchs und Personalplanung
Daher tauschte sich Heinz mit Beschäftigten und Auszubildenden anschließend über die Personalplanung aus - mit besonderem Blick auf Nachwuchsgewinnung in Osthessen. "Ihre Erfahrungen können uns mit Sicherheit helfen", betonte der Justizminister. Lutz Lorenz, stellvertretender Bereichsleiter in Mahnsachen, erklärte: "Teamfähigkeit und -arbeit ist wichtig - hier geht alles sehr schnell. Heimatnähe ist essenziell, weil man so Beruf, Familie und Freunde kombinieren kann. Das bringt Engagement, das motiviert. In Osthessen kann man viel erleben und auch viel im Gericht erreichen, selbst wenn es länger dauern mag als in Südhessen."
Heimatnähe bringt Engagement
Oliver Weithaas, Ausbildungsleiter, sieht vor allem in der Ausbildung ungenutztes Potenzial: "Sobald die Ausbildung fertig ist, heißt es oft: 'Ihr kommt sowieso nach Südhessen.' Das schreckt ab. Wenn man die Aussicht hat, hier zu bleiben und sein soziales Umfeld nicht komplett umkrempeln zu müssen, kann man wertvolles Personal gewinnen." So sieht es auch Anwärterin Emma Bauer. "Die Dozenten in den Schulen sagen ohnehin: Ihr kommt nach Südhessen. Und Hünfeld? Hier gebe es nur Mahnsachen, heißt es oft. Wertschätzung für das, was wir hier machen, ist nötig - das sollte sich ändern." (ms) +++ 