21.08.25 - Es sind die Momente, die man nie vergisst. Wenn die letzten Gläser gespült, die Lichter im Zelt gedimmt und die Stimmen ein letztes Mal die "Fischerin vom Rotensee" anstimmen, dann bleibt mehr zurück als nur die Erinnerung an ein rauschendes Fest. Es bleibt das Gefühl von Zusammenhalt, von Heimat und von etwas, das größer ist als der Alltag. Und genau dieses Gefühl war in Rotensee (Hauneck im Landkreis Hersfeld-Rotenburg) in diesen Tagen überall spürbar. Vier Tage lang pulsierte das Dorf, denn die Froschkirmes feierte ihr 40-jähriges Jubiläum - ein Fest, das schon Wochen zuvor voller Vorfreude erwartet wurde.
Rund 20 Kirmesburschen sorgten dafür, dass das kleine Rotensee für ein paar Tage die Welt um sich herum vergessen konnte. Abseits von Schlagzeilen, Krisen und Alltagssorgen durfte hier einfach nur gefeiert, gelacht und gelebt werden. Unbestrittener Höhepunkt war der große Festumzug, der nach 14 Jahren sein Comeback feierte und das ganze Dorf auf die Straßen zog.

Heiko Kroker, Ortsvorsteher Rotensee.

Die Kirmesburschen aus Wüstfeld und Schenklengsfeld.
Das große Highlight feiert sein Comeback
17 Gruppen zogen mit aufwendig geschmückten Wagen, Musik und einer ansteckenden Portion Lebensfreude durch die Straßen von Rotensee. Jede Fußgruppe, jeder Verein, jede befreundete Burschenschaft hatte sich etwas einfallen lassen - vom detailverliebten Erntewagen bis hin zu Musikantentruppen. Schon beim Start war klar: "Ein echtes Bekenntnis zur Dorfgemeinschaft", sagte der scheidende Vorstand Niklas Eydt sichtlich bewegt. Die Straßenränder waren dicht gesäumt, gefühlt stand das ganze Dorf Spalier. Menschen ließen sich von der einzigartigen Stimmung mitreißen. "Dieser Moment hat uns alle tief berührt - Rotensee hat gezeigt, was Gemeinschaft bedeutet", so Eydt.
Als der Zug schließlich auf der Festwiese ankam, verwandelte sich der Platz endgültig in einen Hexenkessel voller guter Laune. An allen Ecken wurde getanzt, geschunkelt und miteinander angestoßen. Alte Freunde trafen sich wieder - es war ein Bild, das zeigte, wie lebendig Tradition sein kann. Und da lachten sicherlich selbst all jene Kirmesburschen im Himmel, die nicht mehr unter den Feiernden sein konnten - und dennoch Sonnenschein gen Festplatz schickten.

Die Kirmesburschen aus Eiterfeld-Arzell.

Die Kirmesburschen aus Fischbach.

Die Kirmesburschen aus Wippershain (im Foto) und die Kirmesburschen aus Rotensee ...
Ein Highlight jagt das Nächste
Doch nicht nur der Festzug machte die Jubiläumskirmes besonders. Vier Tage lang reihte sich ein Höhepunkt an den nächsten. Der Donnerstag startete mit einem bunten Dorfabend: Tanzgruppen sorgten für Applaus, Alleinunterhalter Bernd Jörges brachte die Menge mit Musik in Stimmung und schon da merkte man: "Das wird ein Fest für die Geschichtsbücher", betonte Eydt. Auch die Kirmesburschen selbst ließen sich eine Choreo einfallen und sorgten für beste Unterhaltung. Emotional wurde es ebenfalls, denn auch der langjährige 2. Vorstand Leon Burkhard wird nach über zehn Jahren die Thekenseiten tauschen: Sein Abschied am Donnerstag wurde durch lang anhaltenden Applaus gewürdigt.
Am Freitag kam DJ Chris Turn und verwandelte das ganze Zelt in eine Tanzfläche - eine wilde Discoparty, die Jung und Alt auf die Beine zog. "Wir sind alle abgegangen - das war wirklich einmalig. Plötzlich hatte jeder nur noch Lust auf diese große Party", schmunzelte Eydt.

Und plötzlich stand das kleine Rotensee im Nebel der Feierlaunigen.

Die Kirmesburschen aus Ransbach.
"Es macht uns stolz"
Ein ganz besonderes Highlight folgte am Samstag: der große Revivalabend. Rund 50 ehemalige Kirmesburschen kehrten zurück nach Rotensee und feierten zu "Das Beste aus 40 Jahren" mit DJ Eckhard Zoll. Viele alte Geschichten wurden wieder lebendig, Freundschaften aufgefrischt und die Gäste spürten, dass die Froschkirmes ein Teil der Identität des Dorfes ist. "Die Kirmes hat Generationen geprägt. Es macht uns stolz, dass so viele Ehemalige zurückgekommen sind", so Eydt. Am Sonntag rundeten UWE DJ und Blasmusik die Feierlichkeiten ab und sorgten für einen stimmungsvollen Ausklang.

Das ganze Dorf feiert mit. Dieser Zusammenhalt war grenzenlos.
Die Fischerin kommt aus Rotensee
Eine Besonderheit durfte natürlich auch nicht fehlen: Immer wieder schallte die "Fischerin vom Rotensee" durch das Festzelt - die lokale Version des bekannten Klassikers "Fischerin vom Bodensee". Kein Lied spiegelt die Tradition und den Humor der Rotenseer besser wider. Jeder im Zelt sang mit, egal ob jung oder alt. Für viele war das Gänsehaut pur.

Die legendären "Wels-Angels".

Niklas Eydt.

"40 Jahre Kirmes" - und sogar für den Nachwuchs ist gesorgt.
Ein Abschied, der unter die Haut geht
Die Jubiläumskirmes war aber auch ein Abschied: Nach über zehn Jahren im Vorstand war es für Niklas Eydt das letzte Jahr an der Spitze. "Es war eine unvergessliche Zeit. Ohne den Einsatz unserer Kirmesburschen und die Unterstützung des ganzen Dorfes wäre all das nicht möglich gewesen", sagte er mit sichtlicher Rührung. Dass die Kirmes in besten Händen bleibt, daran zweifelte an diesem Wochenende niemand.
"Denn eines hat das 40-jährige Jubiläum gezeigt: Die Froschkirmes ist nicht nur Tradition - sie ist Lebensfreude, Gemeinschaft und Heimatgefühl in seiner schönsten Form", so Niklas Eydt abschließend, der sicherlich nicht unverdient mir Sprechchören am Sonntag gefeiert wurde. (Constantin von Butler) +++