08.11.25 - Wie schwarz ist der Landkreis Fulda wirklich? Immer weniger Rathäuser werden von CDU-Bürgermeistern regiert. Die einstige Union-Hochburg verliert immer mehr Spitzenämter - wackelt die sonst so stabile schwarze Mehrheit in der Alfred Dregger-Hochburg? OSTHESSEN|NEWS hat mit Frederik Schmitt (45), dem Kreischef der CDU und Vize-Landrat im Kreis Fulda, gesprochen. Er erklärt, was die Partei tut, um wieder mehr Rathäuser zu gewinnen und welche Strategie die Partei für die Zukunft verfolgt.
Im Landkreis Fulda gibt es 23 Städte und Gemeinden. Davon gehören zum 1. November 2025 zehn Bürgermeister der CDU an. In Bad Salzschlirf regiert Peter Klug von der FWL und Großenlüders Bürgermeister Florian Fritzsch ist kürzlich aus der SPD ausgetreten. Die restlichen Bürgermeister sind alle parteilos oder parteiunabhängig. Und genau dahin geht der Trend. Immer mehr Bürgermeister bekennen sich nicht mehr zu einer Partei und treten parteilos an.

Der CDU-Kreischef Frederik Schmitt erklärt, was seine Partei tun will, um wieder ...Fotos: Maurice Schumacher

Schmitt stellte sich den Fragen von O|N-Reporter Moritz Pappert.

Frederik Schmitt war zum Gespräch bei OSTHESSEN|NEWS.
"Bürgermeisterwahlen sind Persönlichkeitswahlen"
Der CDU-Kreisvorsitzende Frederik Schmitt macht zu den Bürgermeisterwahlen klar: "Jeder Fall ist anders." Das betreffe besonders auch die Gründe der für die CDU verlorenen Wahlen. "Bürgermeisterwahlen sind einfach zuallererst Persönlichkeitswahlen", betont Schmitt.
Zuletzt - und das ist besonders bitter - hat die Union die Wahl in der Rhön-Gemeinde Poppenhausen (Wasserkuppe) deutlich verloren, nachdem Amtsinhaber Manfred Helfrich ("Rhön-Kanzler") erklärt hatte, nach 24 Jahren nicht erneut anzutreten. Wieder eine Stimme, die den Christdemokraten fehlt.

"Ich nehme alle Bürgermeister als unabhängig wahr, eben weil sie direkt gewählt ...
Auch gebe es einige Bürgermeister, die zwar einer Partei angehören, oder angehört haben, aber als vermeintlich unabhängig antreten. Schmitt erklärt dazu: "Ich nehme alle Bürgermeister als unabhängig wahr, eben weil sie direkt gewählt wurden. Die Direktwahl gibt ihnen diese Unabhängigkeit." Gleichzeitig seien sie jedoch auch von den Mehrheiten in der Gemeindevertretung und dem Gemeindevorstand abhängig. "In einer Gemeinde, in der der Bürgermeister eine konstruktive Mehrheit hat, passiert mehr, als dort, wo es das nicht gibt", erklärt der CDU-Kreisvorsitzende.
Frederik Schmitt steht mit seinen rund 2.600 Parteimitgliedern aktuell an der Spitze des stärksten Kreisverbands in der Hessen-Union, allerdings dicht gefolgt von Frankfurt am Main.
Die Rathäuser im Landkreis Fulda, in denen kein CDU-Bürgermeister regiert, werden zum Großteil von parteilosen Amtsinhabern geführt. "Viele von ihnen waren zuvor in einer Partei oder Fraktion engagiert und haben selbstverständlich eine politische Grundorientierung, die sie mit ihrer Wahl auch nicht ablegen. Der eine tickt eher konservativer, oder sozialdemokratischer, oder liberaler oder auch grüner. Es wäre viel ehrlicher, wenn man sich auch zu dieser Partei bekennt. So kann sich der Wähler einen klaren Eindruck machen, für was derjenige steht", so der 45-jährige Christdemokrat.
Wird jeder CDU-Mann automatisch gewählt? - "Eine Daueraufgabe"

Schmitt will versuchen, in jeder Gemeinde CDU-Politik mit guten Kandidaten zu vertreten. ...
Dass in der CDU-Hochburg Fulda ein CDU-Kandidat automatisch gewählt wird, so wie es - laut Schmitt - doch der ein oder andere behaupte, sei nicht so. Natürlich brauche es mehr, als die Parteizugehörigkeit. "Das war auch früher nicht anders. Klar ist, man braucht eine gute Kandidatin oder einen guten Kandidaten, der muss sympathisch auftreten, auf Leute zugehen können, er muss sich im Ort auskennen und wahrgenommen werden als jemand, der dieses Amt gut ausfüllen kann", macht der Kreisvorsitzende deutlich. Am Ende sei es eben eine Persönlichkeitswahl.
In den letzten Jahrzehnten habe es immer wieder zwischen 12 und 15 CDU-Wahlbeamten im Landkreis geschwankt. "Derzeit sind es 13. Es geht mal in die eine und mal in die andere Richtung. Das betrifft aber noch mehr die anderen Parteien. Wir - bei der CDU - sind zwar nicht mehr geworden, aber auch nicht fundamental weniger. Unser Ziel ist es, dass wir dabei bleiben. Wir wollen weiterhin versuchen, in jeder Gemeinde unsere Politik mit guten Kandidaten zu vertreten. Das ist eine Daueraufgabe", sagt Schmitt.
Das ist die Strategie der CDU
Die Strategie der CDU, um mehr Rathäuser zu besetzen? "Gute Arbeit und gute Kandidaten", fasst es Schmitt kurz und knapp zusammen. Man müsse Menschen finden, die das Bürgermeister-Sein verkörpern und bereit für eine Kandidatur sind. Man müsse die Bürger überzeugen, dass die richtigen Entscheidungen getroffen werden. "Ein Bürgermeister muss das Wohl der Gesamtgemeinde im Blick haben. Das Allgemeinwohl ist mehr als die Summe der Einzelinteressen. Das ist immer wieder eine Herausforderung."
Mit der Bürgermeisterwahl in Hünfeld hat die CDU zuletzt mit Benjamin Tschesnok wieder eine Wahl gewonnen. Die nächste Bürgermeisterwahl im Landkreis Fulda ist in Eichenzell (7. Dezember). Auch hier stellt die CDU mit Amtsinhaber Johannes Rothmund wieder einen Kandidaten. (Moritz Pappert) +++ 