17.09.25 - Leider werden viel zu oft die Nachrichten von irgendwelchen Geschäftsschließungen bestimmt. Immer mehr Läden machen gerade in den Innenstädten dicht. Das ist in gefühlt allen Städten und Dörfern so. Es gibt aber auch die Storys, die Mut machen.
Zum Beispiel über Weronika und Wiktoria Wilk aus Bad Hersfeld. Die beiden 24-jährigen Geschwister haben ihre sicheren Jobs bei einer Logistikfirma aufgegeben und wagen den Schritt in die berufliche Freiheit: In wenigen Tagen werden sie in der Fußgängerzone der Festspielstadt ihr eigenes Café eröffnen. Genauer gesagt, an der Ecke Breitenstraße und Klausstraße.

Die Kaffeemaschine aus Italien ist bereits angeliefert und bereit für die Gäste ...
Das Ambiente ist bewusst in Weiß gehalten, alles ist hier sehr freundlich, modern und einladend. Auf Reisen etwa in Großstädten oder im Ausland wie Bali und Sri Lanka haben sie sich inspirieren lassen. Ihre Gäste sollen sich wohlfühlen, ihren Kaffee oder Matcha sowie selbstgebackenen Kuchen genießen. Die Kaffeebohnen liefert übrigens die regionale Rösterei Reinholz aus Fulda. "Ihr Konzept passt sehr gut zu uns", sagt Wiktoria. Das Bewusstsein für die Herkunft der Produkte, die Ernährung und das Wohlfühlen im Café sind Bausteine ihres Konzeptes. Sich eine Auszeit zu nehmen, sich mit Freunden, Familie oder Geschäftspartner zu treffen, dafür soll das Café tWins eine künftige Location bieten.

Hier an der Ecke wird das Café eröffnet.
"Genau hier wollten wir hin. Wir sind froh, dass wir den Vermieter mit unserem Businessplan überzeugen konnten, und er uns die Flächen vermietet hat", sagen sie im Gespräch mit OSTHESSEN|NEWS. Ihre Begeisterung, ihre Motivation, ihre Energie sind sofort spürbar. Sie lassen sich auch nicht vom Bürokratieirrsinn und der ablehnenden Haltung von möglichen Fördergebern abschrecken.
Ihre Familie steht hinter ihrem Plan
Viel wichtiger ist: Ihre Familie steht dahinter. "Unsere Mutter hat früher in Polen in der Gastronomie gearbeitet. Sie unterstützt uns künftig in der Küche, so gut es ihre Gesundheit zulässt. Unser Vater macht alles, Tag und Nacht hilft er uns bei der Einrichtung unseres Café", erzählen sie voller Dankbarkeit. Bei den Wilks spielt der Zusammenhalt eine große Rolle. Ihre Oma stammt aus Bad Hersfeld, hierher kehrten Weronika und Wiktoria sowie ihre Eltern vor elf Jahren zurück. Bis dahin lebten sie in der Region der Masuren im Norden Polens.
In Polen sei die Wirtschaft aktuell besser entwickelt, auch für Gründer seien die Voraussetzungen wesentlich einfacher, erzählen sie von Gesprächen mit ihren Geschwistern. Natürlich beschäftigen sie sich auch mit den jüngsten Entwicklungen in Osteuropa, sie wissen um die Unsicherheiten der Menschen in Polen wegen des Krieges in der Ukraine.
"Wir lieben es zu arbeiten"
Sie möchten sich in Bad Hersfeld etwas Eigenes aufbauen. "Wir lieben es zu arbeiten", sagen sie. Neben ihren Vollzeitstellen haben sie regelmäßig Minijobs in einem Hotel und an einer Tankstelle am Wochenende übernommen. Für sie war das nie eine Belastung, sondern Ausdruck ihres Ehrgeizes und ihrer Freude an der Arbeit. Auch ihre Eltern, beide bereits fast 66 Jahre alt, sind ihnen dabei ein Vorbild: "Sie haben ihr Leben lang hart gearbeitet. Das motiviert uns bis heute." Jetzt sei für sie der richtige Zeitpunkt gekommen, um neue Wege zu gehen und ihre eigenen Ideen zu verwirklichen. Ihre Verlobten stehen hinter ihren Frauen und unterstützen ebenfalls.
Noch ein paar Restarbeiten sind noch zu machen. Auch den Verwaltungsaufwand müssen sie stemmen. Ende September wollen sie endlich eröffnen: Dienstag bis Freitag von neun bis 18 Uhr, Samstag und Sonntag von neun bis 16 Uhr. Auf Instagram sind sie natürlich auch unterwegs: Café tWins. (Hans-Hubertus Braune) +++ 