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Kardinal Jean-Claude Hollerich (Dritter von links) erhielt am Sonntag in Fulda den Winfried-Preis, links neben Hollerich Fuldas Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld und die Stadtverordnetervorsteherin Margarete Hartmann - Fotos: Moritz Rös

FULDA "Ohne Dialog sind wir verloren"

Winfried-Preis geht an Kardinal Jean-Claude Hollerich

15.09.25 - Der Luxemburger Kardinal Jean-Claude Hollerich wurde am Sonntag im Fürstensaal in Fulda mit dem Winfriedpreis ausgezeichnet.

Die Jury hatte ihre Wahl so begründet: "In seinem langjährigen Wirken setzte sich Erzbischof Jean-Claude Hollerich stets für den europäischen Dialog ein. Mit seinem Wirken als europäischer Brückenbauer steht er in der Nachfolge des heiligen Bonifatius".

Die Botschaft des Winfriedpreises

Zum 25. Mal wurde an diesem Sonntag der Winfriedpreis vergeben. Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld hatte viele Ehrengäste im Fürstensaal zu begrüßen, an erster Stelle natürlich den Preisträger Kardinal Jean-Claude Hollerich, Laudator Volker Kauder (langjähriger CDU-Fraktionschef im Bundestag) und seine Ehefrau Elisabeth, die beiden Töchter des Stifters Heinz Waider. Anwesend waren viele hochrangige Persönlichkeiten aus Kirche und Politik – darunter Bischof em. Heinz Josef Algermissen, Weihbischof Karlheinz Diez und Roman Melamed von der Jüdischen Gemeinde Fuldas. Der OB begrüßte auch Fuldas Ehrenbürger und Ehrenring-Träger, die Mitglieder aus Magistrat, Stadtverordnetenversammlung, Stadtverwaltung, Industrie und Landkreis.

Der ehemalige Bischof Heinz Josef Algermissen

Der Winfriedpreis sei nie wichtiger als heute gewesen, so der Oberbürgermeister. Sein in Fulda geborener Stifter hatte das Entsetzen des Kriegs am eigenen Leib erlebt und danach beschlossen, es müsse Wege geben, wie man Menschen daran hindern könne, Krieg gegeneinander zu führen. Deshalb ehrt der Winfriedpreis Menschen, die sich für Völkerverständigung und Frieden einsetzen.

Ein gefragtes Gut in diesen Tagen, in denen für allzu viele Menschen Feindbilder, Rassismus, Ausgrenzung, Hass und Vorurteile zum schlechten Umgangston zu gehören scheinen. Der Oberbürgermeister wies daraufhin, dass es keineswegs selbstverständlich sei, die freiheitlich-demokratischen Grundsätze in die Zukunft zu führen. Umso wichtiger seien Menschen, die als Brückenbauer zugleich Vorbild und Ermutiger seien – wie der luxemburgische Kardinal Hollerich. Wie schade, dass in diesem Jahr nur so wenige Fuldaer den Weg in den Fürstensaal gefunden hatten, denn Hollerich ist ein in jeder Hinsicht würdiger Preisträger.

Auf dem Weg sein zueinander

Den evangelischen Christen Kauder beeindruckte die katholische Stadt Fulda und insbesondere die Anwesenheit so vieler katholischer Würdenträger durchaus, wie er zu Beginn seiner Laudatio konstatierte. Hollerich hatte sich Kauder als Laudator gewünscht. Der zeichnete den ungewöhnlichen Lebensweg des Kardinals nach und fand so etwas wie ein Motto für sein Wirken: Auf dem Weg zueinander sein, Dialog, sich austauschen, miteinander sprechen. Das gelte für die Arbeit der Kirchen genauso wie für demokratische Institutionen.

Es gelte, sich mit Veränderungen auseinanderzusetzen und Reformen zu ermöglichen, dies im Sinne eines Urteils des Bundesverfassungsgerichts, dass Deutschland zwar weltanschaulich neutral, aber eben nicht werteneutral sei. Deutschland als säkulare Gesellschaft befinde sich in einem Wettbewerb der Werte, die aber könne man weder den sozialen Medien noch den Genossen überlassen. Erstaunlich, dass Kauder auf den viel extremistischeren rechten Rand mit keinem Wort einging, und schade, dass seine Laudatio in weiten Teilen stark parteipolitisch gefärbt war. Stark war die Laudatio immer dann, wenn Kauder über den Menschen Hollerich sprach, von seinem Glaubens- und Verkündigungsverständnis, von seiner Nähe zu den Menschen, von seiner zugewandten Art und Sprache oder davon, wie sehr ihn seine 25 Jahre in Japan geformt und geprägt hätten.

Wir müssen zusammenstehen

Hollerichs Dankeswort war das Highlight dieser Winfriedpreis-Verleihung – während seiner Rede war es mucksmäuschenstill, gebannt lauschten alle seiner frei vorgetragenen Rede. Die begann er mit seiner Freude darüber, dass auch ein Vertreter der Jüdischen Gemeinde anwesend war. Denn Europas Wurzeln seien christlich-jüdisch, "ohne Juden gäbe es viele schwarze Flecken auf der Karte Europas". Und doch geschehe derzeit Schreckliches in Europa, wieder würden Menschen ausgeschlossen, Menschen, die dieses Europa mit aufgebaut hätten. Es sei unsere gemeinsame Aufgabe, zusammenzuhalten und unsere Identität nicht in den Unterschieden und der Distanz, sondern im Dialog zu suchen: "Der Dialog macht uns zu dem, was wir sind", so Hollerich.

Noch einen großen Grund zur Freude hatte der Geehrte, der sich vom Klavierspiel Elisha Ortliebs und Svea Guttmanns begeistert zeigte. Die beiden jungen Künstler aus der Klavierklasse Maja Zirkunovs an der Musikschule Fulda spielten das "Presto alla tedesca" aus Beethovens Sonate No. 25 in G-Dur op. 79, Edvard Griegs "An den Frühling" und das "Allegro con brio" aus Haydns Sonata in D-Dur – das war dreimal ein Hochgenuss für uns Zuhörer. Hollerich freute aber nicht nur das künstlerische Vermögen der beiden, sondern auch die Musik als "europäische Kunst" deren Kraft von Deutschland ausgegangen sei. Etwas, worauf die Deutschen wahrhaft stolz sein könnten.

Unsere an Spannungen reiche Zeit führe dazu, dass viele sich unwohl fühlten und falsche Sicherheiten suchten, weil die Welt sich so rasend schnell verändere. Umso wichtiger sei es, mit Spannungen positiv umzugehen – etwa so, wie Musik, Literatur und Film es aus innerster Notwendigkeit heraus täten. "Wir müssen wieder lernen, Spannung positiv aufzunehmen. Denn Spannung ist nötig für unser Zusammenleben, aber ohne Vertrauen kann man sie nicht aushalten", schloss Kardinal Hollerich seine Dankrede ab. Und gab uns als Aufgabe und Botschaft mit: "Ohne Dialog sind wir verloren!"

Die Feststunde klang mit dem Eintrag ins Ehrenbuch der Stadt und der Gelegenheit zu Gespräch und Austausch bei einem Umtrunk aus. (Jutta Hamberger) +++


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