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Offizielles Gruppenbild mit Hessens Finanzminister Lorz und den Spitzenvertretern aus der Bankenwelt im osthessischen Großenlüder. - Fotos: Carina Jirsch

GROßENLÜDER Dorfbank statt Wolkenkratzer

Weltweite Banken-Prominenz: EBA-Chef Campa und BaFin-Chef Speer zu Gast

18.09.25 - "Wirklich beeindruckend!" In der Zentrale der Raiffeisenbank Fuldaer Land in Großenlüder (Kreis Fulda) gaben sich am Mittwochvormittag beim Workshop "Proportionalität in der Bankenregulierung" Spitzenvertreter der europäischen und deutschen Finanz- und Bankenbranche die Klinke in die Hand. Neben Hessens Finanzminister Prof. Dr. Ralph-Alexander Lorz (CDU) folgte auch der Spanier José Manuel Campa, Chef der Europäischen Bankenaufsichtsbehörde EBA, der gemeinsamen Einladung von Raiffeisenbank und Kreissparkasse Schlüchtern nach Osthessen. Ein Termin mit Strahlkraft in die gesamte Kreditwirtschaft.

EBA-Chef José Manuel Campa.

Raiffeisen-Vorstand Torsten Leinweber war sehr erfreut und sagte vor Ort zu OSTHESSEN|NEWS: "Das ist ein bundesweites Highlight, hier direkt in unserer Region. So ein Treffen gab es in Deutschland noch nie!" Neben Campa und Lorz waren aber auch weitere hochkarätige Bank-Persönlichkeiten in die rund 8.700 Einwohner-Gemeinde angereist. Darunter Nikolas Speer, seit April 2025 neuer Chef der deutschen Bankenaufsicht der BaFin, Stefan Pfau, der Leiter des Referats laufende Aufsicht bei der Deutschen Bundesbank, sowie der neue Vorstandsvorsitzende des Genossenschaftsverbands, Michael Hoeck - seit September 2025 im Amt.

Das "Fuldaer Land" im Fokus der Finanzwelt: Raiffeisenbank-Vorstandsmitglied Torsten ...

Hoher Besuch in der Raiffeisenbank am Mittwoch.

Torsten Leinweber war bereits vor dem Treffen begeistert: "Das ist ein bundesweites ...

Rundgang durch Bankfiliale - "Wollen zeigen, wie es sich anfühlt, hier zu arbeiten"

Doch bevor es mit dem eigentlichen Workshop zur Bankenregulierung hinter verschlossenen Türen losging, ließen sich Campa und Speer durch die Bankfiliale führen - und O|N war exklusiv dabei. "Hier ist nicht die Deutsche Bank, sondern eine kleine, lokale Bank aus der Region. Wir wollen Ihnen zeigen, wie es sich anfühlt hier zu arbeiten - auch unter den Bestimmungen und Regelungen, die wir von Europa bekommen. Wir wollen ein Eindruck davon vermitteln, wie wir mit unseren ganzen Mitarbeitern unser oberstes Ziel verfolgen: Für die Menschen und die Kunden der Region da zu sein", erklärte Torsten Priemer, Vorstandsvorsitzender der Kreissparkasse Schlüchtern.

Exekutivdirektor der BaFin Nikolas Speer.

Hessens Finanzminister Prof. Dr. Ralph-Alexander Lorz (CDU).

Torsten Priemer, Vorstandsvorsitzender der Kreissparkasse Schlüchtern: "Unser ...

Bürokratie bremst Regionalbanken aus

Kurz darauf begann der hochkarätige Workshop. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie kleine und mittlere Banken von bürokratischen Vorgaben entlastet werden können. Einer aktuellen Umfrage des Genoverbands e.V. zufolge sehen 94 Prozent der Volks- und Raiffeisenbanken die stetig wachsende Regulatorik als größte Herausforderung - noch vor dem Fachkräftemangel. Die Kritik: Das europäische Single Rulebook behandelt große und kleine Institute nach dem Prinzip "One-Size-fits-All". Was ursprünglich Wettbewerbsgleichheit schaffen sollte, entwickelt sich zunehmend zum Nachteil regionaler Banken. "Wir wollen für die Menschen vor Ort da sein - nicht in erster Linie Aufsichtsrecht interpretieren und dokumentieren", betonte Torsten Leinweber.

Raiffeisen-Vorstand Jürgen Bien aus Großenlüder.

"Auftrag vor Ort: Mittelstand fördern statt Regeln wälzen"

Die Aufseher stellten im Workshop ihre Ansätze für mehr Verhältnismäßigkeit vor. Aus Sicht der Gastgeber ist das jedoch nicht ausreichend. "Bankenaufsicht ist wichtig, um Fehlsteuerungen zu vermeiden. Was wir aber brauchen, ist eine sinnvolle Regulierung, die sowohl der Aufsicht als auch uns einen Mehrwert bringt. Das ist aktuell nicht der Fall", forderte Torsten Priemer. Für die regionalen Banken bleibt das Ziel eindeutig: "Unser Auftrag als Bank vor Ort ist es, den Mittelstand und unsere Kunden in der Region zu fördern. Das tun wir erfolgreich und wollen dies weiter intensivieren. Dafür braucht es ein EU-Small Banking Regime bzw. weniger Bürokratie und eine verhältnismäßige Regulierung, insbesondere seitens der EU - ganz im Sinne des Mottos: Weniger ist mehr!", erklärten Priemer und Leinweber unisono.

Nadine Rüffer, Anja Weiss und Jacqueline Mayer von der Raiffeisenbank. ...

Campa: "Ich bekomme solche Einladungen eher selten"

Nach dem erfolgreichen Workshop wurde ein Pressegespräch abgehalten, bei dem auch erklärt wurde, wie es zum hohen Besuch seitens Campa kam. Priemer verriet: "Wir haben für unsere beiden Banken einen zweiseitigen Brief an Herr Campa geschickt. Zu unserer großen Überraschung und Freude kam dann eine Antwort. Das bringt uns eine gewisse Europanähe, was ein ganz wichtiges Signal für kleinere Banken ist. Das wissen wir zu wertschätzen."

Campa, der kürzlich seinen Rücktritt von der EBA verkündete, erklärte dazu: "In so eine kleinere Region zu fahren, ist etwas, was ich nicht oft mache. Das ist zum einen eine Art Wertschätzung unserer Seite, zum anderen aber auch einfach einem simplen Umstand geschuldet: Ich bekomme solche Einladungen nicht oft", so der Spanier schmunzelnd. Er betonte zudem die Bedeutung kleiner Banken: "Es ist wichtig, solche Zeichen zu setzen, denn mir wird immer klarer, welch eine große und besondere Bedeutung die kleinen Banken für das System in Deutschland haben - so nehme auch ich einiges an Hausaufgaben mit nach Hause."

Mathias Schmidt, stellvertretender Redaktionsleiter von OSTHESSEN|NEWS. ...

Für Finanzminister Lorz steht fest: Mehr Pragmatismus würde helfen

Finanzminister Lorz nahm aus dem Workshop vor allem Hoffnung und Zuversicht mit. Er betonte, dass in den vergangenen Jahren viel über die Regulierung großer Institute und die Verschärfung der Anforderungen nach der Finanzkrise diskutiert worden sei, wobei "Besonderheiten des deutschen Finanzsystems teilweise aus dem Blick geraten" seien. Umso positiver wertete er, dass dies nun wieder auf die Agenda komme. Auch die Europäische Kommission habe signalisiert, dass Vereinfachung, Entbürokratisierung und De-Regulierung Leitlinien der neuen Kommission seien.

Besonders wichtig sei die Berücksichtigung der deutschen Wirtschaftsstruktur. Hessen und Deutschland verfügten über ein "sehr kleinteiliges Banken- und Finanzsystem", das eng mit der Stärke kleiner und mittlerer Unternehmen verbunden sei: "Es gibt in keinem anderen Mitgliedstaat der EU so viele Unternehmen mit zwischen 250 und 500 Mitarbeitern wie in Deutschland. Da gibt es viele 'Hidden Champions', auch hier in der Region. Das ist das Rückgrat unserer Wirtschaft." Viele dieser Firmen benötigten eine lokale Finanzierungsstruktur. Lorz unterstrich: "Deswegen dürfen wir die nicht überregulieren, sondern müssen mit Augenmaß und Beachtung dessen, was man Verhältnismäßigkeit nennt, auch die Aufsichtsanforderungen formulieren. Da kann man auch die Aufsichts- oder die Regierungsdichte ein Stück zurücknehmen und ein bisschen mehr Pragmatismus walten lassen."

Vertrauen statt Misstrauen zwischen Banken und Bankenaufsicht

Abschließend stellten sich die beiden Bankvorstände der Frage, welche Regelungen für sie die größte Belastung darstellen. Leinweber erklärte, dass insbesondere "die im Detail tiefen Einzelregulierungen, die wenig prognostisch orientiert und wenig verhältnismäßig sind, die eigentliche Belastung" darstellen. Auch die Masse und der Umfang an Regelungen hinderten die Banken daran, "unserem Geschäftszweck nachhaltig und zukünftig nachkommen zu können". Er betonte, dass "viele Dinge, die entwickelt werden, nicht zur gewünschten Lösung führen" und schilderte, dass man Herrn Campa ein Bild davon geben wollte, welche Auswirkungen EBA-Regelungen auf ihre Institute haben.

Michael Ruppel (li.), Aufsichtsratschef der Raiffeisenbank im Fuldaer Land eG ...

Michael Ruppel, Aufsichtsratsvorsitzender der Raiffeisenbank

Priemer ergänzte, dass besonders Regulierungen belasten, "die im Ursprung sinnvoll sind, aber operativ keinen Mehrwert erzeugen". Dadurch wüssten Mitarbeiter oft nur, dass sie Aufgaben erfüllen, "weil er einer aufsichtsrechtlichen Anforderung gerecht wird, sein Arbeitsergebnis aber keine weitere Wirkung erzielt". Er hob hervor, dass die jeweils etwa 100 Mitarbeiter der beiden Banken noch das Ziel hätten, "gute Arbeit zu leisten" und dass dies die hohe Moral im Team ausmache.

Abschließend appellierte Leinweber: "Statt Misstrauen sollte lieber Vertrauen als Basis für eine gute Zusammenarbeit zwischen Bankaufsicht und Banken fungieren." (Mathias Schmidt) +++

Ein Selfie mit EBA-Chef Campa

Manuel Herb von der Raiffeisenbank


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