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Die Abenteurer hatten eine kleine Digitalkamera dabei und haben ihre schönsten Momente festgehalten. Ansonsten genossen Alexander (im Bild), Felix, Matze und Pascal aber eine Woche ohne technische Geräte. - Fotos: Privat

REGION "Der Bär war genau hinter mir"

Abenteuer Kanada: Hunger, Angst, Isolation - Der Kampf ums Überleben

22.09.25 - Es klingt wie aus einem Film: Vier Männer brechen auf in die weiten Wälder Kanadas, ohne Zelt, ohne Essen, ohne technische Geräte – nur mit einem Rucksack, ein paar Werkzeugen und dem unerschütterlichen Willen, sieben Tage zu überleben. Zwei Teams, getrennt voneinander, ganz auf sich gestellt. Das Ziel: herauszufinden, wie es ist, fernab jeglicher Zivilisation den Elementen zu trotzen. Die Region Saskatchewan, eine der dünn besiedeltsten Provinzen des Landes, wurde zum Schauplatz dieses außergewöhnlichen "Urlaubs". Und die Abenteurer erlebten dort Momente, die sie sicherlich nie vergessen werden.

Sonnenuntergang über dem See: Ein Moment der Ruhe und Schönheit inmitten des harten ...

Endlose Wälder und prägen die wilde Landschaft Saskatchewan – ein Paradies für ...

Die Wahl der Region war kein Zufall. Saskatchewan liegt im Herzen Kanadas, eingerahmt von Alberta, Manitoba und den US-Bundesstaaten Montana sowie North Dakota. Mit 650.000 Quadratkilometern Fläche, aber nur rund 1,1 Millionen Einwohnern, gehört die Provinz zu den menschenleersten Gebieten des Landes. Während im Süden Prärien dominieren, sind der Norden und die Übergangsregionen geprägt von endlosen Wäldern, Seen und einer beeindruckenden Artenvielfalt.

Hier leben Elche, Bisons und Wapitis, aber auch Raubtiere wie Schwarzbären, Wölfe und Pumas. "Es gab immer Zweifel und Ängste, vor allem weil das Ganze in Kanada stattgefunden hat. Es gibt extrem viele Prädatoren, die gefährlich für den Menschen werden können", erinnert sich Alexander von Butler. Besonders nachts, wenn jedes Knacken im Wald den Puls beschleunigte, wurde klar, dass der Mensch in dieser Natur keineswegs die Spitze der Nahrungskette ist.

Saskatchewan – Weite, Wildnis und wilde Tiere

Die vier Männer – Alexander von Butler, Matthias Jakob, Felix Siptroth und Pascal Hinz – teilten sich in zwei Zweierteams auf. Sie beschlossen, die sieben Tage ohne Kontakt zueinander zu verbringen, um die Erfahrung so authentisch wie möglich zu machen. Kennengelernt haben sie sich alle durch die Jagd – eine Leidenschaft, die sie verbindet. Der 23-Jährige von Butler stammt aus der Gemeinde Schenklengsfeld im osthessischen Landkreis Hersfeld-Rotenburg, die anderen drei aus Thüringen, direkt an der Grenze zu Hessen. "Wir wollten erleben, wie es ist, auf sich selbst zu sein – ohne die normalen Dinge, die man im Supermarkt findet", erklärt Alexander von Butler.

Geangelt wurde unter anderem auf einem eigens gebauten Floß.

Lagerfeuer dienten zur Nahrungszubereitung.

Der Unterschlupf von Matze und Pascal.

Die Motivation sei eindeutig gewesen: "Was uns bewegt hat, war der Reiz am Abenteuer." Die Gruppe plante das Projekt über viele Monate hinweg, schaute sich Survival-Videos an, traf sich regelmäßig zur Vorbereitung und übt den Umgang mit der Flinte auf dem Schießstand. Denn neben Feuerstahl, Messer und Säge gehörte auch eine Waffe zur minimalen Ausrüstung – notwendig, um Nahrung zu beschaffen oder sich im Ernstfall verteidigen zu können.

Pilze durften auf der provisorischen Speisekarte nicht fehlen.

Entspannen nach getaner Arbeit.

Für den Geschmack gab es Tee aus Baumzweigen.

Der Reiz des Abenteuers

Doch alle Vorbereitung konnte nicht verhindern, dass die Realität schnell zuschlug. Schon der erste Tag stellte die Männer vor enorme Herausforderungen. Ohne Zelte mussten sie sich Unterschlüpfe aus Planen bauen – ein mühsames Unterfangen. "Gerade der Anfang war sehr schwer", beschreibt es von Butler: "Noch sehr viel schwerer, als wir es uns vorgestellt haben."

Die größte Belastung aber war der Hunger. "Schon am zweiten Tag hatten wir einen totalen Mangel an Energie", erzählt der 23-Jährige. Nahrung gab es nur dann, wenn die Jagd oder das Angeln erfolgreich waren. "Wir haben nur jeden zweiten Tag etwas gegessen - beispielsweise Fisch oder Ente."

Jakob ergänzt: "In einer Welt voller Supermärkte vergisst man leicht, dass man früher jagen musste, um zu essen." Er erinnert sich an das ständige Gefühl der Leere im Magen. "Manchmal haben wir stundenlang geangelt – und am Ende war nichts da. Da lernt man Demut."

An den Grenzen der Kräfte

Neben dem Hunger prägten vor allem die Begegnungen mit der Natur die Erfahrung. "Das eindrucksvollste Erlebnis war, dass ich mit meinem Partner einen Bären live gesehen habe", erinnert sich Alexander von Butler. Besonders eine Situation bleibt ihm in Erinnerung: Nachdem sie am Vortag Essensreste im Wald zurückgelassen hatten, lief er am nächsten Mittag daran vorbei, ging noch rund 100 Meter weiter, kehrte um – und plötzlich waren die Reste verschwunden. "Da wusste ich genau: Der Bär oder Wolf war genau hinter mir. Das war ein Moment, der mich zum Zittern gebracht hat."

Felix Siptroth beschreibt die Eindrücke der Natur auf seine ganz eigene Art und Weise: "Ich habe mich gefühlt wie ein kleines Licht in einem riesengroßen Land, mit unglaublichen Weiten und Wäldern." Eine Nacht sei ihm besonders in Erinnerung geblieben: "Wenn man abends um das Lager Äste knacken hört und weiß, dass wir als Menschen nicht das größte Raubtier sind, sondern selbst auch zur Beute werden können – das ist ein Gefühl, das man nie vergisst."

Über 350 Vogelarten, Elche, Bisons und Schwarzbären: Die Tierwelt der Region ist ...

"Am Ende geht es nur im Team"

Die psychische Belastung war mindestens genauso hoch wie die körperliche. "Es gab viele Situationen, in denen wir wirklich Angst hatten", betont Alexander von Butler. Ständig mitschwingend war auch die Sorge der Angehörigen. "Matze und Pascal haben beide ein Kind – für sie war das eine ganz harte Situation. Die Familie hat mitgefiebert."

Pascal Hinz beschreibt den inneren Kampf so: "Wenn man nicht weiß, wohin man kommt und was als Nächstes passiert, hilft nur ein positives Mindset und Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten." Für ihn sei es auch eine Lektion in Sachen Zusammenhalt gewesen: "Man kann noch so stark sein – am Ende geht es nur im Team. Alleine hätten wir es niemals geschafft."

Familie im Kopf, Angst im Nacken

Die Tage in der Wildnis folgten einem immer gleichen Rhythmus, der von harter Arbeit geprägt war. Ständig galt es, Holz zu sammeln, Fallen zu kontrollieren, zu angeln oder den provisorischen Unterschlupf zu sichern. Ruhe gab es kaum, denn jede Stunde ohne Beschäftigung bedeutete auch weniger Chancen auf Nahrung. "Es gab einige Momente, wo wir ans Aufgeben gedacht haben", erinnert sich Alexander von Butler. Immer wieder flackerte Hoffnung auf, wenn sich die Angelschnur bewegte – und ebenso oft wurde diese Hoffnung zerstört, wenn sich herausstellte, dass die Mühe vergeblich war. Die Isolation von den anderen und das Bewusstsein, völlig abgeschnitten von der Zivilisation zu sein, verstärkten das Gefühl der Ausgesetztheit noch.

"Wir hatten keine Hilfe im Hintergrund", sagt von Butler: "Wir waren ausgestattet mit GPS-Geräten – darüber hätten wir auch Sicherheitskräfte rufen können – aber alleine ein Helikopter hätte mehrere Stunden Anflug benötigt." Auch seine Teamkameraden beschreiben das Gefühl ähnlich. Siptroth erinnert sich: "Man wusste, dass da draußen niemand ist, der dir schnell helfen kann. Die Stille dort war überwältigend – aber gleichzeitig auch bedrückend. Manchmal fühlte es sich an, als wäre man die letzten Menschen auf der Erde."

Kanada: Eine Lektion fürs Leben

Am Ende haben es beide Teams geschafft, die sieben Tage durchzuhalten – trotz Hunger, Angst und Schlafmangel. "Wir haben gelernt, dass wir in Deutschland extrem verwöhnt sind", sagt von Butler: "Hier herrscht die Selbstverständlichkeit, dass wir rund um die Uhr Essen oder Beschäftigung finden – dort war das überhaupt nicht der Fall."

Der Gedanke, auf sich alleine gestellt zu sein, habe alles verändert. Dass jede Entscheidung Folgen haben konnte, sei immer spürbar gewesen. "Es kann dort immer etwas passieren. Spätestens am zweiten Tag wurde ich auf den Boden der Tatsachen gerufen."

Gleichzeitig war es für ihn und seine Mitstreiter eine wertvolle Erfahrung. "Was mich am meisten beeindruckt hat, war die Artenvielfalt. Auf einmal haben wir gemerkt, dass wir dort nicht ganz oben in der Nahrungskette stehen. Wir hatten durchgehend Bammel, dass wir auf Wölfe oder Bären treffen." Trotz dieser ständigen Anspannung habe die Gruppe auch gelernt, das Abenteuer zu schätzen. "Den Begriff Freiheit konnten wir dort ganz neu für uns entdecken."

Auch die Schönheit der Wildnis bleibt von Butler unvergesslich: "Die Sonnenuntergänge abends am See waren unglaublich – vorausgesetzt, man hatte etwas zu essen." Und selbst nach all den Strapazen steht für ihn fest: "So ein Abenteuer können wir uns wieder vorstellen – auch an anderen Stellen der Welt." (cb) +++


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