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Marktinhaber Jens Fürstenberg mit den vier jungen Auszubildenden aus Vietnam im Edeka-Markt in Neukirchen - Fotos: Hans-Hubertus Braune

HAUNETAL Innovativer Markt-Inhaber

Vier junge Leute aus Vietnam: Jens Fürstenberg zeigt, wie es geht

01.10.25 - "Es ist ganz schön kalt hier in Deutschland", sagt Mạnh Quân Mai und lacht. Der junge Mann aus Vietnam ist seit wenigen Tagen in Neukirchen (Haunetal, Landkreis Hersfeld-Rotenburg) angekommen und absolviert im Edeka-Markt von Jens Fürstenberg seine Ausbildung zum Verkäufer.

Jens Fürstenberg ist Inhaber der Edeka-Märkte in Neukirchen (Haunetal) und Oberaula ...

Er gehört zu einer Gruppe von vier jungen Leuten im Alter zwischen 20 und 24 Jahren, die ihre Heimat am Südchinesischen Meer verlassen haben, um sich in einem fernen Land weiterzuentwickeln. Sie arbeiten in den beiden Märkten in Neukirchen und Oberaula (Schwalm-Eder-Kreis) und verstärken so die Teams vor Ort.

Der Inhaber ist froh, sie gefunden zu haben. Wie so viele Betriebe in der Branche und darüber hinaus findet auch Fürstenberg kaum mehr Personal. Er hat sich schon länger Gedanken gemacht, welche Alternativen möglich sind. "Grundsätzlich beschäftige ich mich mit dem Thema schon seit drei Jahren. Aber die letzten drei Jahre hat es nie irgendwo gepasst und ich hatte immer ein schlechtes Bauchgefühl dabei", sagt Fürstenberg.

Ein Berg voller Bürokratie

Durch die Kontakte zur Familie Langlotz aus dem thüringischen Straußfurth (Sömmerda) hat Fürstenberg nun einen Partner gefunden, welchem er vertraut. VNEU heißt das entsprechende Unternehmen, welches sowohl in Vietnam (Visumsprozess, Sprache) als auch in Deutschland (Akquise) unterstützt. Fürstenberg hat zunächst in Online-Videokonferenzen die Bewerber kennenlernen können, und sich dann für die jungen Leute entschieden. In wenigen Wochen kommt eine weitere Frau dazu. Sie muss noch auf ihr Visum warten.

Doch bevor die vier ihre Arbeit aufnehmen konnten, kümmerten sich Fürstenberg und sein Team um die vielen bürokratischen Dinge. Neben den notwendigen Visa sind viele Behördengänge notwendig. Vieles hängt voneinander ab. Allein das Einrichten von Bankkonten ist ein Akt für sich. Davon wiederum ist der Abschluss von Verträgen etwa für Mobilfunkgeräte abhängig. Das Anmelden in den Wohnorten, zur Schule, Krankenkasse und so weiter. Selbst der Erwerb eines Monatstickets am Schalter ist mit zusätzlichem Aufwand verbunden. Diese gibt es nur im Lastschriftverfahren. "Wir haben deshalb jedes Mal Tagestickets gekauft. Das ging in bar. Sie müssen nach Bad Hersfeld in die Berufsschule kommen. Wir haben ja in Neukirchen das Glück, einen Bahnhof zu haben und damit eine super Verkehrsanbindung", sagt Fürstenberg. In einer Whatsapp-Gruppe tauschen sie aus und unterstützen sich.

Nachwuchs selbst ausbilden

Das Thema Ausbildung ist für den Inhaber wichtig. Er setzt auf junge Leute, um ihnen in den eigenen Märkten Entwicklungspotenziale bieten und damit den Fortbestand der Märkte sichern zu können. Fürstenberg ist zudem seit rund 15 Jahren unter anderem als Prüfer bei der Industrie- und Handelskammer Kassel (IHK) aktiv. Eine weitere Herausforderung war im Vorfeld die Suche nach Unterkünften für die Frauen und dem Mann aus Vietnam.

"Jeder hat zwei Koffer dabei gehabt. Wir haben uns im Vorfeld um Wohnungen gekümmert. Die Wohnungssuche in Deutschland ist eine Katastrophe. Wir haben tatsächlich gerade eine Woche, bevor sie gekommen sind, eine Wohnung in Kirchheim gefunden. Hier in Neukirchen ging es noch über Vitamin B, wir konnten eine Dreier-WG gründen. Dann ging es los. Ausstattung für die Wohnung - wo kriegen wir Betten her? Wo kriegen wir Schränke her? Teilweise habe ich die Sachen gekauft extra, damit auch jeder neue Matratzen, neue Betten hat", sagt Fürstenberg. Unfassbar ist zu hören, dass ein Vermieter die Miete und die Kaution erhöhen wollte, als sich herausstellte, dass Vietnamesen einziehen sollten. "Das ist unglaublich, das haben wir nicht mitgemacht", sagt der Inhaber.

"Herr Jens hilft uns so viel"

Das persönliche Engagement des Geschäftsmannes aus Oberaula und seinen Mitarbeitern schätzen auch die Vietnamesen. Sie fühlen sich wohl, erzählen die jungen Leute aus Vietnam während unseres Gesprächs. "Für mich ist es in Deutschland gut. Es ist so schön hier und sie haben viele Kulturen, die wir erleben können. Und ich muss sagen, dass es ein großartiger Start war, von Anfang an. Die Leute sind so nett und freundlich. Herr Jens (Fürstenberg) unterstützt uns so viel", sagt Mạnh Quân Mai. Le, Thuy Duong, Ngo, Thu Hang und ⁠⁠Truong, Hong Khanh nicken. Ihr Deutsch ist schon richtig gut. Sie lernen im täglichen Arbeiten, in der Schule und einem weiteren Kurs, welchen ihnen Fürstenberg anbietet, dazu. Und sie sind praktisch dauernd am Lächeln. Ihre Freundlichkeit und Aufgeschlossenheit tut im ansonsten oftmals eher tristen Deutschland gut.

Der Edeka-Inhaber geht mit der Akquise von neuen Mitarbeitern aus dem Ausland neue Wege und ist gespannt, wie sich die jungen Leute einleben. Ihre Heimat ist über 13 Flugstunden von Frankfurt am Main entfernt. Sie haben zwar teilweise Verwandtschaft in Deutschland und doch ist es natürlich ein völlig neues Gefühl. Nach unserem Gespräch geht's gleich wieder in den Markt. Neue Waren müssen in die Regale eingeräumt werden. Ganz egal, wie das Wetter draußen ist. (Hans-Hubertus Braune) +++


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