Archiv
Dr. Thomas Heiler, Leiter des Fuldaer Stadtarchivs, machte während eines engagierten Vortrages im Fuldaer Vonderau Museum Hoffnung. - Fotos: Bernd Götte

FULDA Kann man heute noch glauben?

Vortrag im Vonderau Museum - Archive: Bollwerke gegen Fake News"

17.10.25 - Kann man heute noch glauben? Vielleicht hilft ein Blick in die Archive als Bollwerke gegen Fake News. Dr. Thomas Heiler, Leiter des Fuldaer Stadtarchivs, machte während eines engagierten Vortrages im Fuldaer Vonderau Museum Hoffnung.

Zwar waren schon im Mittelalter Geschichtsfälscher am Werk, wie der im Kloster Fulda wirkende Kopist Eberhard, der viele ältere Urkunden zum Vorteil der Abtei "frisierte", oder auch der Verfasser der berüchtigten Konstantinischen Schenkung. Aber insgesamt, erklärte Heiler, könne man in Archiven gut das jeweilige Verwaltungshandeln nachvollziehen.

"Verpackung ist alles"

Das Bild des Archivars sei antiquiert. Es gehe, so ließ Heiler wissen, weniger um das Bewerten als um das Sammeln von Quellen. Dennoch müssten Archivare auch hier auswählen. "Wenn wir etwas wegwerfen, ist es weg", umriss Heiler diese verantwortungsvolle Arbeit. So gehe es nicht nur darum, wie früher das Handeln der Mächtigen zu dokumentieren, sondern auch den Blick auf die allein erziehende Mutter oder den einfachen Arbeiter zu richten. Dabei gab der Stadtarchivar und Kulturamtsleiter auch den einfachen Dokumentensammlern einen Tipp: "Verpackung ist alles". Kunststofffolien seien schlecht, Karton eigne sich besser für die langfristige Konservierung. Bei Archiven gäben kommunale Einheiten ihre Bestände an Staatsarchive ab. Über den Zustand der kommunalen Archive äußerte sich Heiler skeptisch: Es gebe kein flächendeckendes Netz an Kreisarchiven, und in kleineren Gemeinden auch im Kreid Fulda werde die Erhaltung des Aktenbestands oft vernachlässigt.

Thema Digitalisierung

Ein weiteres Problem für Archivare sei, dass bei Regierungswechseln, wie nach dem Ende der Ära Kohl, Daten oft gelöscht würden. Eine "traurige Sache", befand Heiler. Die Digitalisierung lässt so wohl auch Informationen leichter verschwinden, wie Heiler mit einem Seitenhieb auf den regen SMS- und E-Mailverkehr von Ex-Kanzlerin Merkel bemerkte. Archive können für Mächtige auch ein Problem werden, befand Heiler mit Blick auf die Entlassung der Leiterin des US-Nationalarchivs durch Präsident Trump. Lobend hob Heiler dagegen den deutschen Umgang mit den Stasi-Akten hervor. Archivaren gehe es um strukturierte Überlieferung. So lieferten sie Rechtssicherheit, machten Verwaltungshandeln transparent und seien somit Teil der politischen Kontrolle.

Einleitende Worte sprach der Vorsitzende des Fördervereins "Freunde des Museums Fulda", Klaus W. Becker, der berichtete, dass dies der letzte Vortrag Heilers im Vonderau Museum gewesen sei. Bis zu seinem Ruhestand wird der Stadtarchivar aber noch zweimal mit seinen Erkenntnissen öffentlich auftreten.

Wer den Vortrag von Dr. Heiler versäumt hat, findet im Vonderau Museum eine informative Ausstellung über das Archivwesen, die auch Laien fundierte Informationen vermittelt. Am 22. Oktober um 19 Uhr wird zudem Franziska Schubert, Mitarbeiterin bei den Arolsen Archivs, im Vonderau Museum einen weiteren Einblick in das Archivwesen geben. (Bernd Götte)+++


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