19.10.25 - Raus aus dem Knast, rein ins Feuerwehrzelt: Die Art und Weise der Beschaffung eines "neuen" Fahrzeugs für die Feuerwehr in Dipperz (Landkreis Fulda) ist etwas außergewöhnlich. Sie wählten nicht den klassischen Weg der Neubeschaffung mit hohen Kosten für die Kommune und Fördermitteln des Landes.
Um den wachsenden Aufgaben gerecht werden zu können, musste Ersatz für einen Anhänger her.

Pfarrer Piotr Kownacki bei der Segnung des "neuen" Fahrzeugs der Feuerwehr Dipperz ...

Bürgermeister Klaus-Dieter Vogler übergab die Fahrzeugschlüssel an Wehrführer ...
"Aufgrund der immer stetig wachsenden Aufgabenspektrums einer Feuerwehr muss natürlich auch immer mehr Material vorgehalten und transportiert werden. In den vergangenen 10 bis 20 Jahren haben sich dafür flächendeckend sogenannte Rollcontainer etabliert", sagte Wehrführer Johannes Handwerk. Für den Transport gab es einen Anhänger. Dieser reichte jedoch nicht mehr aus, Ersatz musste her.
Gesamtkosten knapp 100.000 Euro
"Nach einiger Recherche wurde schließlich unser Raphael Goldbach bei einer Zollauktion fündig. Da versteigert doch tatsächlich die Schreinerei der Justizvollzugsanstalt in Ulm genau das Fahrzeug, was uns noch fehlt. Und so kam es, dass eine Abordnung der Feuerwehr im November 2024 freiwillig in die JVA Ulm einmarschierte", erzählte Handwerk die ungewöhnliche Einkaufsgeschichte.
"Im Anschluss an eine ausgiebige Besichtigung des LKW waren wir der Überzeugung, jo, passt. Nach erfolgreichem Zuschlag bei der doch spannenden Versteigerung, welche unserem Bürgermeister sowie unserem stellvertretenden Gemeindebrandinspektor Christian Maul ein paar weitere graue Haare auf den Kopf gezaubert haben dürften, holten wir das Fahrzeug am 28. November in Ulm ab und entführten es in die Freiheit", sagte der Wehrführer weiter.
"Es handelt sich um einen MAN TGL 12 200 mit 126 PS aus dem Baujahr 2012. Er ist etwa 8,5 Meter lang, das ist ungefähr einen Meter länger als unser Stablöschfahrzeug. Er hat die Standardbreite eines LKWs von ca. 2,5 Meter und eine Höhe von ca. 3,2 Meter. Es handelt sich um ein 12-Tonnen-Fahrgestell, hat eine Leermast von 6,5 Tonnen, das heißt wir können so ungefähr 5,5 Tonnen zuladen. Aufgrund der Tatsache, dass wir ein gebrauchtes Fahrzeug in Dienst genommen bzw. beschafft und in Dienst genommen haben, sind wir bei Gesamtkosten von ungefähr 100.000 Euro, was die Beschaffung, den Ausbau und die Unterstellmöglichkeit, also die graue Halle hier anbelangt, angekommen", sagte Handwerk weiter. Ein Neufahrzeug kostet etwa 320.000 Euro.
Die politischen Ehrengäste um Landrat Bernd Woide, der Landtagsabgeordnete Sebastian Müller (beide CDU) und natürlich auch Bürgermeister Klaus-Dieter Vogler (parteilos) lobten das Engagement der Feuerwehr in Dipperz und die kostensparende Beschaffung. Der Landkreis fördert das "neue" gebrauchte Fahrzeug mit 26.000 Euro. Vom Land gibt es bei Gebrauchtfahrzeugen keine Förderung. Allerdings stehen in Dipperz demnächst einige Investitionen für die Feuerwehr, wie etwa die Erweiterung des Gerätehauses an. Der Gerätewagen Logistik ist erst einmal in einer großen Zeltgarage untergebracht.
Der katholische Pfarrer Piotr Kownacki segnete das Fahrzeug und einige neue akkubetriebene Gerätschaften der Feuerwehr, welche die Gäste später sogar ausprobieren durften. Die zahlreichen Besucher nutzten den Samstagnachmittag für einen Besuch ihrer Feuerwehr. Sie konnten sich die Fahrzeuge anschauen, für den Nachwuchs war das Spielemobil des Landkreises vor Ort. Die Feuerwehr nutzte die Gelegenheit, um ihren erfolgreichen Nachwuchs die Leistungsspange zu überreichen. Rund 20 Kinder und Jugendliche erhielten ihre Auszeichnungen und Urkunden.
Voraushelfer sind im Notfall zur Stelle
Ein weiterer, wichtiger Punkt des offiziellen Festprogramms am Samstagnachmittag: In der Kommune an der Bundesstraße 458 wird in Kürze eine Voraushelfergruppe der Malteser ihre wichtige Arbeit aufnehmen: "Gerade bei kritischen Notfällen wie Herz-Kreislauf Stillstand, Krampfanfall und vielen mehr spielt die Zeit die oberste Priorität! Um die Zeit zwischen Alarmierung und Eintreffen des Rettungsdienstes zu überbrücken, gibt es in Dipperz zukünftig das Voraushelfersystem", erklärte Notfallsanitäter Tim Müglich. Er stellte das Projekt vor. In Kooperation mit den Maltesern aus Hofbieber und der örtlichen Feuerwehr entsteht die Voraushelfergruppe, welche sich über die finanzielle Unterstützung zahlreicher Sponsoren freut. Doktor Alexander Schindler kümmert sich um die medizinische Leitung der Voraushelfer. Die Gruppe freut sich über weitere Interessenten und Unterstützer. (Hans-Hubertus Braune) +++