27.10.25 - Es ist eine Geschichte, die zu Tränen rührt, aber vor allem auch eins tut: Hoffnung macht. "Es gab noch zwei Optionen: Entweder Chiara wird sterben oder für immer beatmet werden." Wenn Stefanie Jährling von ihrer Tochter spricht, die als Frühchen auf die Welt kam, muss man erstmal innehalten. Nachdem ihrem schwer kranken Baby in einer Klinik in Süddeutschland nicht geholfen werden konnte, wagte sie einen letzten Versuch: den Wechsel ins Klinikum Fulda. Dort geschah das zu der Zeit noch Undenkbare.

Das Klinikum in Fulda. Hier konnte Frühchen Chiara das Leben gerettet werden. ...Archivfoto: O|N
Die Geschichte von Stefanie Jährling und ihrem Mann Christian Paglialonga könnte bewegender kaum sein. Während der gesamten Schwangerschaft stand das Leben des Babys auf der Kippe. Schon ab der achten Woche hatte ihre Mutter starke Blutungen, begleitet von Schmerzen und ständiger Übelkeit. Die Ärzte bereiteten sie früh darauf vor, dass es wahrscheinlich zu einer Fehlgeburt kommen würde. Trotzdem klammerte sie sich an die Hoffnung und begann sich zu informieren, ab wann ein Kind überhaupt eine Überlebenschance hätte.

Wenn Stefanie Jährling vom Schicksal ihrer Tochter spricht, die als Frühchen auf ...

Prof. Dr. med. Reinald Repp, Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin im ...
Dabei stieß Jährling auf den Artikel des Frühchens Frieda, dem im Fuldaer Klinikum geholfen werden konnte. Ein erstes Mal dachte sie daran, ins Klinikum Fulda zu gehen. Besonders beeindruckte sie, dass ein Professor damals sogar seinen Urlaub abgebrochen hatte, um ein Kind zu retten. Dieser Professor war Dr. Reinald Repp, Chefarzt der Kinderklinik. Das berührte sie sehr: "Diese Haltung hat mich tief beeindruckt. Da wusste ich: Das ist der Ort, an dem ich mich und mein Kind gut aufgehoben fühlen würde. Mit Zahlen und Statistiken konnte ich nichts anfangen - ich wollte Menschen, die mit Herz handeln. Also schrieb ich eine E-Mail nach Fulda", erzählt Jährling uns im Klinikum Fulda. Schnell wurde aber klar, dass eine Verlegung zu dem Zeitpunkt nicht möglich war. Aufgrund ihrer labilen Gesundheit wäre dies zu gefährlich gewesen.

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"Wenn sie hätte gehen wolle, wäre sie schon längst gegangen"
Und dann verschlechterte sich die Situation noch. Trotz ständiger Aufenthalte in der Notaufnahme und fast ohne Fruchtwasser kämpfte sie Woche für Woche um das Überleben ihrer Tochter. Am Ende der 24. Schwangerschaftswoche war es dann so weit: Chiara wurde geboren. "Sie war ein sehr vorbildliches Frühchen und ist auch gut gewachsen", so Jährling. Dann aber der Schock nach nur 3,5 Monate. "Chiara ist sehr schwer krank geworden. Da habe ich Prof. Dr. Repp geschrieben. Ich wollte unbedingt ins Klinikum Fulda." Die Klinik in Süddeutschland hatte damals nur noch wenig Hoffnung für das Kind. Unter Tränen erzählt Jährling: "Man hat uns gesagt, dass ihre Überlebenschancen sehr gering sind, weil man sie austherapiert habe. Aber ich war mir sicher: Wenn sie hätte gehen wollen, wäre sie schön längst gegangen."

Oberärztin Dr. Fithri Indraswari

Stationsleitung Denise Knauf
Die Mutter erinnert sich noch ganz genau an die Nachricht von Dr. Repp: "Er antwortete noch am selben Tag. Seine Nachricht war ehrlich und bescheiden. Er schrieb, dass er Kinder mit derselben Krankheit schon verloren habe, dass er nichts Besseres versprechen könne als andere Kliniken, und dass die bisherigen Ärzte sicher schon alles versucht hätten. 'Wenn es Ihr Wunsch ist, kommen Sie zu uns', schrieb er ohne falsche Hoffnung zu machen, aber mit aufrichtiger Menschlichkeit. Genau das überzeugte mich. Diese Ehrlichkeit war der Grund, warum ich wusste: Dort ist unser Platz. Ich antwortete nur mit einem Wort - 'Danke' - und bat darum, Chiara sofort zu verlegen, wenn es sein muss, bezahle ich den Transport." Am nächsten Morgen war sie in Fulda. Und als sie endlich dort ankamen, änderte sich alles. In Fulda, sagt die Mutter heute, war der Moment, in dem Chiara aufgehört hat, nur zu überleben – und wirklich angefangen hat zu leben.

"Es gab noch zwei Optionen: Entweder Chiara wird sterben oder für immer beatmet werden." ...
"In Fulda hat Chiara aufgehört zu überleben und wirklich angefangen zu leben"
Sicher, dass man dem Frühchen in Fulda helfen könnte, war sich damals niemand. "Natürlich dachte ich, es ist nicht ausgeschlossen, dass wir Chiara helfen können, sonst hätte ich nicht zugesagt", sagt Prof. Dr. med. Reinald Repp, Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin im Klinikum Fulda. "Mir war es wichtig, es überhaupt zu versuchen." Schon bei der Ankunft merkte die Familie, dass hier alles anders war. "Wir waren nie allein. Pflegerinnen, Ärztinnen, Oberärzte - alle waren da, präsent, menschlich, fürsorglich. Für uns als Eltern war das unbezahlbar. Man hat uns ernst genommen, uns eingebunden, gefragt, wie wir Chiara sehen. Es war keine Klinik, in der Ärzte von oben her entschieden - es war Teamarbeit."
Da hörte das unfassbare Engagement aber nicht auf: "Professor Repp kam jeden Morgen vor seiner Runde zu uns, sprach mit uns, fragte nach unserer Einschätzung. Oberärztin Dr. Fithri Indraswari war von Anfang an unsere wichtigste Stütze - sie kümmerte sich selbst in ihrer Freizeit um Chiara, stellte über Videoanrufe Geräte ein und war immer erreichbar. Wir hatten nie das Gefühl, im Dunkeln zu stehen. Es gab immer einen Plan, ein Ziel, einen Weg - und das gesamte Team ging ihn gemeinsam."

"Die Pfleger machten Dinge möglich, die weit über ihren Job hinausgingen - Schaumbäder, ...
Mehr als nur medizinische Betreuung: Liebe, Freude und Normalität
Neben der hervorragenden medizinischen Betreuung erlebte sie hier aber auch Liebe, Freude, Normalität. "Die Pfleger machten Dinge möglich, die weit über ihren Job hinausgingen - Schaumbäder, kleine Feste, Kuschelstunden, Lachen. Chiara lernte, dass Ärzte und Schwestern keine Angst bedeuten müssen. Wenn heute jemand Blut abnimmt, lacht sie dabei. Sie hat Vertrauen gelernt - und das ist unbezahlbar."
Nach fast einem halben Jahr in Fulda wird sie nun entlassen. "Wir freuen uns auf zuhause, aber der Abschied fällt unglaublich schwer. Denn dieses Team hat nicht nur das Leben unserer Tochter gerettet, sondern ihr ein Zuhause, Geborgenheit und Würde gegeben. Sie alle – Professor Repp, Frau Dr. Indraswari, Dr. Büsser und das gesamte Team – sind unsere Helden. Ihre Fotos werden einmal in Chiaras Kinderzimmer hängen, weil sie die Menschen sind, die ihr das Leben geschenkt haben."
Ein langer Weg liegt hinter der Familie, ein äußert schwerer allemal. Doch am Ende, war die Hoffnung, die von Anfang an in der Familie keimte, nicht vergebens. "Für mich war klar: Chiara ist kein Wunder. Sie hat einfach einen unglaublichen Überlebenswillen - und in Fulda endlich das richtige Umfeld, um leben zu dürfen. Sie hat sich hier so schnell stabilisiert, als hätte sie gespürt, dass sie in Sicherheit ist. Von da an ging es steil bergauf – keine Rückschläge, keine Komplikationen, nur Fortschritte."

In wenigen Wochen feiert Chiara ihren ersten Geburtstag. Ein Jahr, dass sie durch unglaublichen ...
Ein Bauchgefühl und der Beginn des richtigen Lebens
Wieso Jährling unbedingt und ausschließlich ins Klinikum Fulda wollte, das weiß sie nicht genau. Gegen alle Widrigkeiten bestand sie auf der Verlegung nach Fulda. Es war ihr Bauchgefühl, dass sie in die Domstadt führte und ihrem Frühchen das Leben rettet. Mit dem Beatmungsmodus "NAVA", bei dem Zeit und Druck der Beatmungsunterstützung durch die Kinder individuell gesteuert werden kann und somit optimal zur Eigenatmung synchronisiert wird, lernt sie eigenständig zu atmen. "Ich habe den Eltern gesagt: Wir müssen Chiara das Vertrauen geben, dass Atmen nichts Schlimmes ist", so Dr. Indraswari.
In einem langwierigen Prozess schaffte es das Team rund um Prof. Dr. Repp, Chiara eigenständig atmen zu lassen. "Jetzt nehmen wir ein Kind ohne Beatmung und ohne Medikamente mit nach Hause", so die sichtlich erleichterte und dankbare Mutter. Sie freut sich, wieder in die Heimat fahren zu können und ist dennoch traurig. "Fulda ist unser Zuhause geworden. Auch wenn es eine schwere Zeit war, haben wir hier wunderschöne Momente erlebt." Besonders dem Team der Frühchenstation ist sie unendlich dankbar. "Das hier ist unsere eigene Geschichte und in dieser sind die Menschen hier im Klinikum zu Helden geworden."

Besonders dem Team der Frühchenstation ist die Mutter unendlich dankbar. "Das hier ...
In wenigen Wochen feiert Chiara ihren ersten Geburtstag. Ein Jahr, dass sie durch unglaublichen Einsatz überlebt hat. Die Erinnerungen an schlimmste und schönste Momente einer kleinen Familie bleiben, die unermüdlich gekämpft hat. Einer kleinen Familie, die niemals aufgegeben und sich niemals entmutigen lassen hat. Dank ihr und dem Team des Klinikums liegt vor Chiara jetzt ein Leben voller Möglichkeiten.
(Katharina Geppert) +++ 