23.10.25 - Ein Ort der Begegnung, des Austauschs und der gelebten Demokratie: Der Interkulturelle Männertreff des Caritaszentrums im Vogelsberg in Alsfeld ist beim Hessischen Sozialpreis ausgezeichnet worden. Das Projekt erhielt einen Anerkennungspreis für sein besonderes Engagement in Sachen Teilhabe und Demokratie. Fünf Projekte aus ganz Hessen wurden in Wiesbaden geehrt - sie alle zeigen, wie stark gesellschaftlicher Zusammenhalt durch lokales Engagement wachsen kann.
"Für Frauen, für Kinder, gibt es ein großes Angebot - für Männer, gerade mit Fluchterfahrung kaum. Das wollten wir ändern", erzählt Andrea Schaal-Walosik, Beraterin im Caritaszentrum im Vogelsberg. Mit dieser Idee gründete sie den Männertreff in Alsfeld. Er richtet sich an Männer mit Fluchterfahrung und Migrationshintergrund, die dort wöchentlich zusammenkommen. Das Ziel: Begegnung, Integration und gegenseitiges Verständnis. Durch gemeinsame Freizeitgestaltung, Gespräche, Informationsveranstaltungen und Deutschpraxis wird gesellschaftliche Teilhabe aktiv gefördert.
"Gleichberechtigung, Meinungsfreiheit und Selbstwirksamkeit"
In der Begründung der Liga der Freien Wohlfahrtspflege in Hessen e.V. heißt es: "Demokratische Werte wie Gleichberechtigung, Meinungsfreiheit und Selbstwirksamkeit werden gelebt. Das Projekt fördert Partizipation, Selbstorganisation und Vernetzung - und stärkt demokratische Kultur, indem es Ausgrenzung und Isolation konkret entgegenwirkt."
Jede Woche treffen sich Männer aus unterschiedlichen Ländern gemeinsam mit Ehrenamtlichen und Andrea Schaal-Walosik im Pfarrzentrum. Dort finden sie eine Anlaufstelle, die Gemeinschaft bietet und Integration ermöglicht. "Die Männer erfahren Unterstützung, können Deutsch üben, erhalten Informationen über das Leben in Deutschland und lernen, wie gesellschaftliches Miteinander hier funktioniert", erklärt Schaal-Walosik.
Demokratie als Schlüssel
Der Hessische Sozialpreis wird von der Liga der Freien Wohlfahrtspflege in Hessen e.V. verliehen und von der LOTTO Hessen GmbH unterstützt. "In Zeiten, in denen Polarisierung, Fake News und Politikverdrossenheit zunehmen, setzen die fünf Preisträger des Hessischen Sozialpreises 2025 ein starkes Zeichen: Demokratie ist nichts Abstraktes - sie lebt vom Mitmachen, vom Zuhören, vom fairen Streiten und vom Zusammenhalt. Die ausgezeichneten Projekte aus allen Teilen Hessens setzen sich ein für gesellschaftliche Teilhabe und zeigen eindrucksvoll, was es heißt, Verantwortung für sich und andere zu übernehmen", so die Liga Hessen.
Die feierliche Preisverleihung fand am 21. Oktober im Wiesbadener Rathaus statt. Moderiert wurde sie von Autorin und Journalistin Bärbel Schäfer, die der Veranstaltung mit ihrer warmherzigen Art eine besondere Atmosphäre verlieh. Insgesamt wurden 30.000 Euro Preisgeld vergeben, gestiftet von der LOTTO Hessen GmbH, die den Preis seit 2018 als Sponsor unterstützt.
Erster Platz geht nach Hüttendorf
Der erste Platz ging an das Projekt "Selbstbestimmt im Hüttendorf - Demokratie auf dem Bau" des Kinder- und Jugendbauernhofs Kassel e.V., das 12.000 Euro erhielt. Kinder im Alter von sechs bis 14 Jahren errichten dort ihr eigenes Dorf und erleben Demokratie im Alltag. Den zweiten Platz belegte die Law Clinic der Goethe-Universität Frankfurt, in der Jura-Studierende Geflüchtete und Migrantinnen und Migranten kostenlos rechtlich beraten. Platz drei ging an den Landesheimrat Hessen, ein von Jugendlichen selbst organisiertes Gremium, das Mitbestimmung in Jugendhilfeeinrichtungen stärkt.
Zwei Anerkennungspreise in Höhe von jeweils 1.500 Euro erhielten der Männertreff aus Alsfeld und die inklusive Social-Media-Redaktion "Normalos - Die Inklusivreporter" der Lebenshilfe Gießen. Beide leisten wertvolle Arbeit gegen Ausgrenzung und für gesellschaftliche Teilhabe.
Demokratie sichern
Michael Schmidt, Vorstandsvorsitzender der Liga der Freien Wohlfahrtspflege Hessen, betont: "Gerade in der heutigen Zeit ist es entscheidend, demokratische Werte aktiv zu fördern, denn Demokratie sichert Freiheit, Mitbestimmung und Gerechtigkeit. Sich für sie stark zu machen bedeutet, Willkür und Extremismus entgegenzuwirken und eine lebenswerte Zukunft für uns alle zu gestalten. Die Vielfalt und Kraft der prämierten Projekte zeigt eindrucksvoll, wie lebendig und widerstandsfähig unsere Demokratie ist, wenn Menschen jeden Alters und Herkunft sich mit Herz und Verstand engagieren."
Auch Heike Hofmann, Hessische Sozialministerin und Schirmherrin des Preises, würdigte das Engagement: "Der Hessische Sozialpreis macht auch diesmal wieder überregional sichtbar, welch besondere Initiativen und welch außerordentliches Engagement es in Hessen gibt. Schließlich sind es immer die Menschen, die demokratische Strukturen durch ihr Handeln mit Leben füllen und ein gutes Miteinander ermöglichen." (pm/cb) +++