24.10.25 - Ein maroder Campus, verschobene Bauprojekte und steigende Kosten: Die hessischen Hochschulen warnen vor einem drohenden Stillstand in Forschung und Lehre, wenn nicht bald gegengesteuert wird. Ihre Forderung ist deutlich: 1,2 Milliarden Euro zusätzlich für den Hochschulbau, finanziert aus den Sondermitteln des Bundes. Nur so könne die Leistungsfähigkeit des Hochschulsystems gesichert bleiben.
Das Land Hessen hatte mit dem sogenannten Heureka-Budget eine langfristige Planungsperspektive für den Hochschulbau geschaffen. Geplant war, die jährlichen Bauinvestitionen zwischen 2023 und 2031 schrittweise von 200 auf 300 Millionen Euro zu erhöhen – um dringend notwendige Instandsetzungen und Neubauten zu finanzieren.
Doch: In keinem der vergangenen Jahre wurde die geplante Summe tatsächlich bereitgestellt. Gleichzeitig sind die Baukosten seit 2021 um rund 36 Prozent gestiegen.
Die Folgen sind sichtbar: Gebäude verfallen schneller, als sie saniert werden können. Zahlreiche Neubauvorhaben, die längst beschlossen und vorbereitet waren, bleiben auf unbestimmte Zeit auf Eis.

1,2 Milliarden Euro gefordert: Hochschulen sehen Bildungsstandort Hessen in Gefahr ...Archivfotos: Moritz Pappert
Hochschulgebäude am Limit
Viele Hochschulgebäude stammen aus den 1980er- und 1990er-Jahren. Trotz regelmäßiger Wartung haben sie das Ende ihres Lebenszyklus erreicht. Ohne umfassende Sanierungen und Neubauten droht ein weiterer Substanzverlust.
Zudem haben sich die Anforderungen an moderne Lehre und Forschung stark verändert: Klassische Hörsäle und Seminarräume reichen längst nicht mehr aus. Die Hochschulen benötigen Laborräume, digitale Infrastruktur und energieeffiziente Gebäudekonzepte, um konkurrenzfähig zu bleiben.
Schon 2024 hatte die Hochschulrektorenkonferenz (HRK) den bundesweiten Sanierungsbedarf auf mindestens 74 Milliarden Euro geschätzt – Tendenz steigend. Inflation, verschleppte Bauvorhaben und globale Krisen verschärfen die Lage zusätzlich.
"Sanierungsstau gefährdet Leistungsfähigkeit"
Der Sanierungsstau betrifft auch Hessen in besonderem Maße. "Der Sanierungsstau ist auch im hessischen Hochschulbau enorm und gefährdet de facto die Leistungsfähigkeit des hessischen Hochschulsystems", kritisieren Prof. Dr. Thomas Nauss für die Universitäten, Prof. Dr. Karim Khakzar für die Hochschulen für Angewandte Wissenschaften und Prof. Elmar Fulda für die Kunsthochschulen.
Laut Prognose des Finanzministeriums stehen selbst für seit Jahren geplante Projekte erst ab 2034 wieder ausreichende Baumittel zur Verfügung. Hinzu kommt: Bei laufenden Projekten müssen die Hochschulen gestiegene Baukosten aus ihren eigenen Grundbudgets zahlen – und diese sind ohnehin durch Kürzungen im Hochschulpakt und steigende Personalkosten stark belastet.
Die Folge: weitere Einsparungen beim Personal und die Reduktion von Studienangeboten.
Forderung nach Aufstockung des Heureka-Budgets
Angesichts dieser Situation fordern die drei Sprecher der hessischen Hochschulgruppen eine deutliche Erhöhung der Investitionen: 1,2 Milliarden Euro sollen aus den Sondermitteln des Bundes in das Heureka-Budget fließen. Damit könnten statt bisher bis zu 300 Millionen Euro jährlich künftig mindestens 400 Millionen Euro pro Jahr für Neubauten und Sanierungen bereitgestellt werden.
Der Anteil der Hochschulgebäude am gesamten Immobilienbestand des Landes beträgt 50 Prozent. Wenn – wie von Ministerpräsident Boris Rhein angekündigt – rund die Hälfte des Sondervermögens von 7,4 Milliarden Euro an die Kommunen geht, verbleiben etwa 3,7 Milliarden Euro für die Infrastruktur des Landes. Davon müsse, so die Sprecher, ein substantieller Anteil in das Hochschulsystem fließen. Denn Investitionen in die Hochschulen seien zugleich Investitionen in die Zukunftsfähigkeit der Städte und Regionen Hessens. (pm/cb) +++