28.10.25 - Dieser Satz ist mir bei der bemerkenswerten, deutlichen Rede von Anna Maria Braun besonders in Erinnerung geblieben: "Daher wünsche ich mir als Unternehmerin, dass wir vom Wollen ins Handeln kommen. Die Erkenntnisse sind vielfach beschrieben. Es geht nun darum, sie auch anzunehmen und deutlich Fahrt aufzunehmen bei der Umsetzung von Reformen."
Als Vorstandsvorsitzende des Familienunternehmens B Braun SE in Melsungen (Schwalm-Eder-Kreis) trägt sie die Hauptverantwortung für weltweit rund 63.000 Mitarbeiter und deren Familien. In Deutschland arbeiten rund 15.000 Menschen, davon am Stammsitz in Nordhessen rund 7.000 bei B Braun.

Anna Maria Braun ist Vorstandsvorsitzende der B Braun SE mit Stammsitz im nordhessischen ...

Ministerpräsident Boris Rhein besuchte am Montag das neue Werk in Melsungen ...

Symbol mit endlich mehr Wirkung? Gewerkschafter Francesco Grioli (IGBCE), Unternehmerin ...
Am Montag wurde dort eine neue Fertigung in Betrieb genommen. Nahezu alles läuft dort automatisiert. Kleine Roboter huschen durch die Halle, einzelne Menschen arbeiten dort. Die digitale Welt ist hier eingezogen, ohne den Kollegen Mensch zu verdrängen. Dessen Aufgaben verändern sich allerdings. Eine Wahlmöglichkeit gibt es nicht, wenn der Standort Deutschland überhaupt noch eine Chance im internationalen Wettbewerb haben will.
Das Unternehmen stellt Medizinprodukte her. Ein kleines Beispiel: Täglich werden eine Million Kombistopper von B Braun in über 85 Ländern eingesetzt. Er ist ein steriler Verschluss für alle Arten von Anschlüssen an Infusionssets und vorgefüllten Spritzen. Er verhindert Kontamination und schützt damit Patientinnen und Patienten sowie medizinisches Personal. Die Produktion läuft nun automatisiert.

Das neue Werk auf dem riesigen Areal von B Braun nahe Melsungen

OSTHESSEN|NEWS-Chefreporter Hans-Hubertus Braune
"Als wir diese Fertigung geplant haben, wählten wir den Namen ACTIVE, der für All-Over Concept for Technological Improvement and Visionary Evolution steht. Er ist Ausdruck unseres Anspruchs, technologische Exzellenz ganzheitlich zu denken und mutig weiterzuentwickeln. Im Namen ACTIVE steckt aber natürlich auch das Adjektiv aktiv. Tatkräftig sein, etwas nicht hin, sondern selbst in die Hand nehmen. Genau das tun wir mit ACTIVE. In einer Zeit, die voller Umbrüche und Ungewissheiten ist, warten wir nicht ab, sondern gehen mutig nach vorne und gestalten", sagte Braun vor rund 60 Gästen aus Politik, Wirtschaft und der Unternehmensspitze. Auch ihr Vater Professor Dr. Ludwig Georg Braun hörte sichtlich stolz den Ausführungen seiner Tochter im Marktplatz der neuen Fertigungshalle zu. Prominenter Gast war zudem Hessens Ministerpräsident Boris Rhein (CDU).
Abwechslung im tristen Alltag
Natürlich hatte Rhein viel Lob für das Engagement des Unternehmens im Gepäck. Schließlich sind solch positive Wirtschaftsnachrichten in der aktuell schwierigen Lage eine willkommene Abwechslung im tristen politischen Alltag. Die Stimmung entspricht ansonsten eher dem tristen Regenwetter draußen.
So einfach lässt sich das wirtschaftliche Tief nicht zur Seite schieben. Ein Schauer folgt dem nächsten. Und doch könnte der zugegeben kitschige Vergleich mit dem Wetter gar nicht so verkehrt sein. Schließlich ist irgendwo hinter den Wolken die Sonne. Man sieht sie nicht und so ist es auch mit der Grundhaltung in Deutschland. Das Glas ist halbleer und nicht halbvoll.
Deshalb sind Initiativen und Schaffenskraft von Unternehmerinnen und Unternehmern wie Anna Maria Braun umso wichtiger. Natürlich handelt sie im Team, das macht sie immer wieder deutlich. Und sie verlangt einiges. Die Mitarbeiter machen Mehrarbeit, um ihren Standort in Melsungen zu halten. Das honoriert Braun in ihrer Rede:
"ACTIVE würde sich aber auch nicht rechnen ohne die hohe Leistungsbereitschaft unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Sie haben ganz entscheidend zu dieser Investition beigetragen. Im Rahmen unseres Standortsicherungsvertrags oder Zukunftsvertrags, wie es im Video hieß, leisten sie unbezahlte Mehrarbeit. In der Produktion kann das zum Beispiel eine zusätzliche Schicht im Monat sein. Und diese zusätzlichen produktiven Arbeitsstunden ermöglichen es, Wettbewerbsnachteile am Standort Deutschland durch hohe Lohnnebenkosten, Energiepreise und Regulierung zumindest abzufedern, wenn auch nicht gänzlich verschwinden zu lassen."
Sie unterstreicht: "Um es ganz klar zu sagen, ohne diese Mehrarbeit hätte es ACTIVE und damit auch die Arbeitsplätze am Standort nicht gegeben. Gute, tariflich abgesicherte Industriearbeitsplätze in unsicheren Zeiten. Zudem haben unsere Mitarbeitenden sich auch auf erhebliche Veränderungen eingelassen, mussten Neues lernen. Das ist nicht selbstverständlich. Viele unserer Kollegen haben diese Herausforderung angenommen, was eindrucksvoll zeigt, was möglich ist, wenn alle für eine Sache arbeiten."
Antwort auf verschärfte Voraussetzungen
Dies sei die Antwort auf einen verschärften Wettbewerbsdruck, sei es durch Zölle, starke chinesische Mitbewerber oder strukturelle Nachteile in Deutschland. "Ich möchte es nochmal erwähnen, hohe Lohnnebenkosten, teure Energie, Arbeitskräftemangel und Bürokratie sind die Herausforderungen für den Wirtschaftsstandort und treffen auf eine Schwäche, notwendige Strukturreformen umzusetzen. Als führendes Unternehmen der Medizintechnologie können wir uns von der Entwicklung in diesem Land nicht abkoppeln", sagte Braun weiter.
Abschließend machte sie Mut, um die Herausforderungen gerade auch in Deutschland anzunehmen: "Was es dafür braucht? Eine gemeinsame, attraktive Vision, ein klarer, ungeschönter Blick auf die Realität, Mut und Leistungsbereitschaft, kluge Köpfe, starke Partnerschaften und Beharrlichkeit bei der Umsetzung. Diese Eigenschaften sind in diesem Land alle vorhanden. Daher lassen Sie sich heute von ACTIVE inspirieren und uns gemeinsam die Zukunft in die Hand nehmen."
Genau das ist es, was wir brauchen. Und keine Endlos-Diskussionen und künstlich aufgebauschte Aufreger. Handeln statt Wollen eben. (Hans-Hubertus Braune) +++
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