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Der Fuldaer-MIT-Chef Florian Wehner - Fotos: Niklas Mönke

FULDA Wie geht es der Wirtschaft in der Region?

MIT-Chef Florian Wehner: "Es ist eine Tugend, dass man gerne arbeiten geht"

20.11.25 - Die Wirtschaft in Deutschland ist unter Druck. Das bekommen auch die Unternehmen in Osthessen zu spüren. Besonders für den starken Mittelstand in unserer Region ist das eine Herausforderung. Florian Wehner, Vorsitzender der Mittelstands- und Wirtschaftsunion (MIT) im Kreis Fulda berichtet gegenüber OSTHESSEN|NEWS, wie sich die aktuelle Konjunktur auf den Mittelstand auswirkt.

Wie geht es denn der Wirtschaft, Herr Wehner? "Die Lage ist gemischt. Wir haben Branchen, denen geht es durchaus gut – insbesondere im Bereich Medien, Marketing und Werbung. Auf der anderen Seite stehen die bewährten Industriebetriebe, die stark unter der derzeitigen Wirtschaftslage leiden. Besonders spürbar ist das bei der Beschäftigung und beim anhaltenden Fachkräftemangel", sagt der Fuldaer MIT-Vorsitzende.

MIT-Kreisgeschäftsführer Simon Filipp und Florian Wehner

Durch den Fachkräftemangel und die wirtschaftliche Unsicherheit könnten die Unternehmen nicht mehr alle Aufträge bedienen. "Dadurch werden dann wiederum noch weniger Aufträge vergeben", erklärt der 35-Jährige. Fulda stünde im Vergleich zu anderen Regionen noch relativ gut da. Dennoch sei eine rückläufige Tendenz – etwa bei den Entlassungen in verschiedenen Betrieben – sichtbar.

Mittelstand in Fulda ist die "tragende Säule"

"Das Mindset muss sich ändern"

In Fulda sei der Mittelstand laut Wehner dennoch die tragende Säule. "Wir haben starke Unternehmen. Aber Mittelstand beginnt bereits im Handwerk. Kleine Handwerksbetriebe spüren die Krise meist weniger stark, doch in der Bauwirtschaft sehen wir deutliche Rückgänge. Das hat wiederum Auswirkungen auf nachgelagerte Gewerke – ein Dominoeffekt, der sich durch viele Branchen zieht", so der MIT-Vorsitzende. Aber der Mittelstand könne sich auch wandeln. "Wir haben viele schlagkräftige und flexible Familienbetriebe, die sich neu erfinden können und wollen. Diese Anpassungsfähigkeit macht den Mittelstand aus. Aber es gibt Grenzen – nicht jede strukturelle oder konjunkturelle Entwicklung lässt sich einfach ausgleichen."

Eine große Herausforderung, aber auch Chance, sei im Mittelstand der Generationenwechsel. "Wir müssen es schaffen, die nächste Generation für die Übernahme zu gewinnen. Ein mittelständisches Unternehmen zu führen, ist kein klassischer Nine-to-five-Job – das schreckt viele potenzielle Nachfolger ab. Heute ist es für viele einfacher, in einen sicheren Angestelltenjob zu gehen. Deshalb müssen wir die Nachfolgeregelung aktiv gestalten und attraktiver machen", macht Wehner deutlich.

Medienkontor-Geschäftsführer Hendrik Urbin

O|N-Journalist Moritz Pappert

"Das Mindset muss sich ändern"

Die größten Herausforderungen für die Unternehmen: "Ein großes Thema sind die hohen Energiepreise, die vor allem durch die Kosten für den Netzausbau getrieben werden. Sinkende Energiekosten sind aber auch nicht der Allheilbringer. Hinzukommt die überbordende Bürokratie – rund 20 % der Arbeitszeit wird in vielen Betrieben für bürokratische Aufgaben aufgewendet. Das bremst Innovation und Wachstum", so Wehner. Mit Blick auf die schwarz-rote Regierung im Bund und die Lösung der Probleme zeigt er sich zuversichtlich: "Man muss den Dingen noch etwas Zeit geben. Die Bundesregierung hat erste Schritte unternommen, die in die richtige Richtung gehen. Natürlich werden wir dem als MIT auch Nachdruck verleihen. Die SPD wirkt in vielen Bereichen aber einfach bremsend", verdeutlicht er.

Florian Wehner plädiert außerdem dazu, mehr Anreize zu schaffen, die Leute wieder zum Arbeiten zu bringen. Mit der Bürgergeld-Reform sei ein erster Schritt getan. Aber: "Das Mindset muss sich ändern. Es ist eine Tugend, dass man gerne arbeiten geht. Ich kenne viele Leute, die eher die Work-Life-Balance als den Arbeitsethos voranstellen. So ist der Wohlstand in dem Land nicht zu halten. Diese Personen ruhen sich unter dem Strich auf dem hart erarbeiteten Wohlstand der Vorgänger-Generationen aus", macht der 35-Jährige klar.

Abschließend zeigt sich Florian Wehner aber optimistisch für die Zukunft: "Ich glaube, die Bundespolitik wird die Dinge zum Besseren entwickeln. Da wird auch eine SPD mitziehen. Die ersten Weichenstellungen sind getan, das wird aber nicht von heute auf morgen passieren. Unsere Unternehmer stehen zu ihrer Region und ihren Betrieben. Deshalb bin ich überzeugt: Der Mittelstand in Osthessen wird in fünf Jahren besser dastehen als heute." (Moritz Pappert) +++


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