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Bei Bürgermeisterwahlen geht der Trend zu parteilosen Bürgermeistern - Foto: picture alliance / CHROMORANGE | Udo Herrmann

FULDA Eine Analyse von Moritz Pappert

Parteien unter Druck: Warum der Trend zu parteilosen Rathauschefs schadet

22.11.25 - Aus der einstigen CDU-Hochburg Fulda wird immer mehr ein Flickenteppich - und eine parteilose Landschaft. Wo früher ein Christdemokrat als Rathauschef noch fest im Sattel saß, wird es mittlerweile immer schwerer, das Bürgermeisteramt zu besetzen. Das gilt aber nicht nur für die CDU, sondern für alle Parteien. Nach dem Austritt von Florian Fritzsch aus der SPD gibt es nun keinen einzigen SPD-Bürgermeister mehr im Landkreis Fulda. Aber was hat sich hier gewandelt? Warum gibt es immer mehr Bürgermeister ohne Parteizugehörigkeit?

Blicken wir 25 Jahre zurück. Bernd Woide (CDU) ist damals Bürgermeister in Fulda, der damalige Oberbürgermeister heißt Dr. Alois Riehl (CDU). Im Landkreis Fulda regieren zu dieser Zeit 14 CDU-Bürgermeister. Der Rest ist zum Großteil in SPD-Hand.

Erst kürzlich gewann Alexandra Ballweg (parteilos) in Poppenhausen

Schaut man sich die Parteien der Bürgermeister im Landkreis Fulda heute einmal an, stellt man schnell fest, dass fast alle außer die CDU-Bürgermeister parteilos oder parteiunabhängig antreten. Das ist mittlerweile in 12 von 23 Kommunen im Landkreis der Fall - unter anderem in Hofbieber (Markus Röder), Künzell (Timo Zentgraf), Petersberg (Claudia Brandes) und Kalbach (Mark Bagus). Kürzlich gewann Alexandra Ballweg in der CDU-Hochburg Poppenhausen als parteilose Bürgermeisterkandidatin die Wahl. Die einzige Ausnahme ist Peter Klug in Bad Salzschlirf von der FWL.

Dass die Bürgermeister aber parteiunabhängig antreten, heißt nicht automatisch, dass sie auch wirklich parteilos sind. Bagus beispielsweise ist langjähriger SPD-Politiker in seiner Heimatgemeinde Flieden. Und der parteiunabhängige Hilderser Ronny Lars Günkel war lange in der CWE-Fraktion. Hier fragt man sich: Warum treten sie nicht für ihre politischen Grundwerte und die Partei an, die dafür steht? Schämen die sich etwa für Ihre Partei?

Die Grafik aus dem Landkreis Fulda zeigt deutlich: CDU und parteilose Bürgermeister ...Grafik: ON

Klar ist trotzdem: Eine Bürgermeisterwahl ist keine Partei-Wahl, sondern eine Persönlichkeitswahl. Es ist eine Wahl, die man nach Sympathie, Vertrauen, Emotion und Verbundenheit zu dem jeweiligen Kandidaten trifft. Bei einer Bürgermeisterwahl entscheidet der Wähler in den meisten Fällen nicht, ob er die CDU, SPD oder eine andere Partei wählen will, sondern ob er die Person, die für die jeweilige Partei antritt, wählen will. Also den Kandidaten, den man vielleicht schon lange aus seinem Dorf, durch Vereine oder auch durch die Nachbarschaft kennt. Da spielt es keine Rolle, für welche Partei derjenige antritt - eine AfD-Kandidatur ist hier natürlich nicht mit gemeint.

Aber genau das schadet den etablierten Parteien langfristig.

Es geht in Gemeindeparlamenten eben auch um Mehrheiten. Mit dem Rückhalt einer Partei hat man es als Bürgermeister einfacher, seine Ideen und Vorstellungen für die Kommune umzusetzen. Als Parteiloser wird es also immer schwer bleiben, Mehrheiten zu finden. Auf der anderen Seite geht es aber auch um Sach- statt Parteipolitik in den kommunalen Parlamenten. Die Gemeindevertreter und Stadtverordneten handeln (oder sollten es zumindest) in der Realität weniger nach parteipolitischen Hintergründen. Ihr Fokus liegt darauf, was die Kommune weiterbringt.

Was beeinflusst die Wahlentscheidung wirklich? Fotos: ON Archiv

Und auch darüber hinaus schadet es den Parteien.

Fakt ist aber auch: Wenn in einer Gemeinde ein CDU-Bürgermeister gut regiert, entscheidet man sich auch bei anderen Wahlen eher für die Partei, mit der man ja schon gute Erfahrungen gemacht hat. Bei schlechten Erfahrungen und Unzufriedenheit mit dem eigenen Bürgermeister wirkt sich dies dementsprechend allerdings genauso aus. Deshalb sind gute Bürgermeister wie starke Marken - man vertraut ihnen und ihrer Partei.

Aber am Ende ist und bleibt eine Bürgermeisterwahl eine Persönlichkeitswahl.

Aber gerade hier ist auch die Partei am Zug, um den Kandidaten bestmöglich zu coachen. Die meisten Kandidaten waren zwar schon im Gemeindeparlament und in der Wirtschaft aktiv. Wie sie sich der Öffentlichkeit aber darstellen müssen - davon haben einige eben keine Ahnung. Und das merkt man mitunter. Die Wähler merken schnell, ob jemand antritt, um die Gemeinde nach vorne zu bringen oder nur, um Bürgermeister werden zu wollen.

Und das ist oft ein Fehler. Wenn jemand es zu sehr will, dann wird es nichts mit der erfolgreichen Wahl. Wenn der Bürgermeisterkandidat plötzlich Wochen vor der Wahl auf jedem Dorffest mithilft, bei sämtlichen Veranstaltungen aktiv ist und an jeder Haustür klingelt, wirkt es unglaubwürdig. In einigen Kommunen im Landkreis Fulda gibts dafür gute Beispiele - ganz bewusst nennen wir diese hier aber nicht.

Was dagegen aber hilft: authentisch bleiben, zu seiner Person und auch seinen Defiziten stehen und glaubhaft rausstellen, warum man der beste Kandidat für seine Kommune ist. Und am besten schon vorher zeigen, dass man wirklich für seine Gemeinde brennt, nicht erst kurz vor der Wahl. Das gilt für alle Kandidaten jeglicher Parteien. Dann hat man eine echte Chance auf den Rathaus-Chefsessel. (Moritz Pappert) +++


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