08.11.25 - "Hier bei uns in Fulda ist heute vielleicht der sicherste Ort in Hessen", scherzte Haldun Tuncay, Geschäftsführer des Verlagshauses Parzeller. Wahrscheinlich hatte er Recht: Neben Michael Tegethoff, Polizei-Präsident in Osthessen, hatten sich noch weitere seiner Kollegen sowie ungezählte Polizeibeamte im dritten Stock des Verlagshauses versammelt, um drei Journalistinnen für "herausragende Berichterstattung über Polizeiarbeit" zu ehren.
Zwei Redakteurinnen der Fuldaer Zeitung und eine Kollegin von der Frankfurter Neuen Presse wurden mit dem "Heinrich-Mörtl-Preis" ausgezeichnet. Die Heinrich-Mörtl-Stiftung "zur Förderung der Aus- und Weiterbildung der Polizeibediensteten des Landes Hessen" lobt nebenher auch noch alle zwei Jahre einen Journalistenpreis für Polizeiberichterstattung aus. Die prämierten Beiträge sollen "der Öffentlichkeit den Auftrag und das Handeln der Polizei verständlich machen", erläuterte der Stiftungs-Vorsitzende Werner D’Inka, früher Mit-Herausgeber der FAZ.
Ausgezeichnet wurden während einer entspannten Feier Daniela Petersen und Sabrina Mehler von der FZ sowie Sabine Schramek von der FNP. Petersen, heißt es in der Verleihungs-Urkunde, habe "alltagsnah und sachkundig" in mehreren Artikeln unter der Überschrift "Bei Anruf Betrug" vor den Maschen von Trickbetrügern gewarnt. "Ich wollte nicht nur die Täter, sondern auch die Opfer in den Fokus nehmen", sagte die Geehrte in ihrer kurzen Dankesrede.
Eine Frau aus Hünfeld hatte ihr in aufwühlender Weise erzählt, wie das ist, wenn Kriminelle ihre Opfer stundenlang ans Telefon "fesseln" und bedrohen. An der Preisverleihung mochte die Frau nicht teilnehmen; das Erlebnis hatte sie immer noch nicht verarbeitet. Zusammen mit ihrer Kollegin Mehler wurde Petersen zudem für ihre gemeinsame Podcast-Reihe "Mord am Sonntag" geehrt, in der Kriminalfälle der Vergangenheit ans Licht geholt werden. Jury-Mitglied Ingo Nathusius vom HR verwies in seiner Laudatio darauf, Daniela Petersen habe bereits ihre Magister-Arbeit einem der berühmtesten Killer gewidmet: Jack the Ripper. Nathusius: "Daniela Petersen ist dem Verbrechen verfallen." Der Preis für die fuldischen Kriminal-Damen war mit 2.500 Euro dotiert.
Sabine Schramek wurde für eine Serie von 13 Artikeln über die Polizeiarbeit in Frankfurt während der Fußball-Europameisterschaft 2024 geehrt. Preisgeld: ebenfalls 2.500 Euro. Die Laudatio auf sie hielt Sabine Thurau, die frühere Präsidentin des Landes-Kriminalamtes. Schramek erzählte, sie sei während der Arbeit an der Serie in einen Unfall verwickelt worden; sie musste mit lädiertem Arm weiterarbeiten. Die Beamten gaben der Reporterin Begleitschutz im Gedränge der Fußball-Fans. "Manchmal haben sie mir auch die Wasserflasche geöffnet", lobte die Preisträgerin.
Social Media als Gefahr?
Das war sicher ganz im Sinne von Martin Rößler (CDU). Der Staatssekretär im hessischen Innenministerium hatte ziemlich wohlwollend das Verhältnis von Polizei und Medien beleuchtet. Die Beziehung ist bekanntlich mitunter nicht ganz stressfrei: Die Journalisten wollen schnell und umfassend berichten – aber manchmal müssen Polizisten mauern, weil sie sonst die Ermittlungsarbeit gefährden würden. An sich, sagt der Innenpolitiker, habe sich das Verhältnis verbessert. Ein Stressfaktor freilich bleibt: Social Media kennt häufig keine Rücksicht auf die komplizierten Seiten der Verbrechens-Aufklärung. "Das ist sowohl für die Polizei als auch für die Medien sehr schwierig", klagte Rößler.
Heinrich Mörtl (1930 bis 2017) heißt der Mann, der dieser einzigartigen Stiftung in Deutschland seinen Namen gab. Seine Begeisterung für die Polizeiarbeit entdeckte er eher zufällig. Seit 1966 war der Volkswirt bis zu seiner Pensionierung 1995 für das Statistische Bundesamt in Wiesbaden tätig. In einer der Dienststellen war auch das 2. Polizeirevier in Wiesbaden stationiert. Und hier wurde sein Interesse für die Polizeiarbeit geweckt. Er knüpfte Kontakte, lernte die Facetten und Arbeitsbedingungen des Polizeiberufs kennen und fand dadurch sein Aufgabenfeld als Pensionär. Zunächst schloss er sich der "Gesellschaft Bürger und Polizei" in Wiesbaden an; aber das schien ihm nicht genug zu sein als Engagement für die Innere Sicherheit in Hessen. Bereits 1998 gründete er die Mörtl-Stiftung. Erst sehr spät, ist auf der Webseite der Stiftung zu lesen, wurde ihm bewusst, dass er offenkundig von einer genetischen Prägung angetrieben wurde: 200 Jahre zuvor hatte sein Ururgroßvater an der Uni Erlangen ein Standardwerk über Polizeiwissenschaften veröffentlicht. (Rainer M. Gefeller) +++