10.11.25 - Eine rasante Mischung aus Klassik, Romantik, Pop, Rock, Calypso, Samba und Electro-Swing war angekündigt – und wurde geliefert. Fangen wir gleich mal hinten an: Das Akkordeon-Orchester schafft es jedes Mal aufs Neue, mit seinem Können und seinem Enthusiasmus das Publikum in allerbeste Laune zu versetzen. Und das Schönste: das gilt für die Spielerinnen und Spieler genauso wie für alle im Auditorium.
Nach alter Tradition…
…kann man sich beim Akkordeon-Orchester darauf verlassen, dass sie alles aus ihrem Instrument herausholen und seine Vielfältigkeit zeigen. Das Repertoire ist ausgesprochen weit gefächert. Es gibt immer eine klassische Hälfte und eine, die Pop, Rock, Swing, Samba & Co. gewidmet ist. Genauso kann man sich darauf verlassen, dass Dirigent Richard L. Doernbach am Pult sein Orchester bestens im Griff hat und dass Petra Klostermann ausgesprochen humorvoll und gekonnt ihre Ansagen zu den einzelnen Stücken vorträgt. Und noch etwas gehört zu den Traditionen des Akkordeon-Orchesters: Das Publikum kann sich aus jedem Konzert ein Wunschstück fürs kommende Jahr aussuchen.

Das Vokalensemble des Fulda-Rhön-Sängerbundes verstärkt das Akkordeon-Orchester ...Fotos (5): Jutta Hamberger

Niels Kolbe spielte "Musicien" – das Wunschstück des Publikums aus dem Konzert ...
Auch in diesem Jahr war die Aula der Alten Universität bis auf den letzten Platz besetzt. Sollten Sie übersehen haben, dass das Akkordeon-Orchester spielt, haben Sie morgen, am 09. November um 17:00 Uhr, nochmals Gelegenheit, das Ensemble zu hören. Denn auch das ist Tradition – gespielt werden immer zwei Konzerte.
Der klassische Teil
Wunderbar ist, dass Orchester, Dirigent und Arrangeure keine Scheu vor gar nichts haben. Und das ist auch vollkommen richtig so! Musik ist nicht sakrosankt oder ‚darf‘ nur auf eine Art und Weise gespielt werden. Musik soll leben, und das tut sie nur, wenn man sie singt und spielt. Also – ran ans Arrangieren. Denn die Herren Händel, Mozart, Verdi, Prokofjew, Elgar und Johann Strauss (Sohn) haben nun mal nicht fürs Akkordeon komponiert. Aber sooo schöne Musik geschrieben! Bevor das Orchester sie spielen kann, liegt also viel Arbeit vor den Arrangeuren – einer von ihnen spielt in der ersten Stimme mit, Konrad Möller.
Händels "Concerto grosso op. 3 Nr. 4" wurde 1734 uraufgeführt – in dem Jahr, in dem auch die Fuldaer Universität eingeweiht wurde. Eine schöne, wenn auch nur imaginierte Verbindung! Wunderkind Mozart hatte mit 17 Jahren bereits 25 Sinfonien komponiert, aus seiner 1773 entstandenen "Sinfonie Nr. 25 in g-moll" (KV 183) erklang der 4. Satz, ein beschwingtes Allegro. Diese sog. "kleine" g-moll-Sinfonie wird oft kontrastiert mit der Sinfonie Nr. 40 (KV 550) in derselben Tonart – nur zweimal verwendete Mozart g-moll als Tonart für eine seiner Sinfonien. Der ganze "Nabucco" (1841) wäre natürlich zuviel gewesen für ein Konzert, aber die Ouvertüre lässt ja dankenswerterweise alle Hits dieser Verdi-Oper anklingen.
Prokofjew schrieb 1935 seine Ballet-Suite "Romeo und Julia" fürs Moskauer Bolschoi Ballett. Neben tragischer Liebesgeschichte und Ballerinen auf Spitze gibt es darin auch den Tanz der Ritter – sehr schön schwerfüßig. Wen wundert’s, bei so viel Eisen?
"Nimrod", die neunte der "Enigma-Variationen" (1898/99) von Edward Elgar schließlich ist Dauergast auf jedem "Last Night of the Proms" Konzert in London. Die Sätze benannte Elgar nach den Spitznamen von Freunden oder Familienmitgliedern, deren Wesen er in der Musik auch einzufangen versuchte. "Nimrod" ist sicher die bekannteste der Variationen – und ein Porträt von Augustus J. Jaeger, Elgars Verleger.
Johann Strauß‘ "Tritsch-Tratsch-Polka" von 1858 war ab ihrer Uraufführung ein Publikums-Hit. Das Akkordeon-Orchester bot sie gemeinsam mit dem Vokalensemble des Fulda-Rhön-Sängerbundes dar, den Hermann-Josef Schwarz leitet. Gesangsbedingt war das dann zwar nicht mehr die ursprüngliche Schnell-Polka, aber ein großes Vergnügen vor der Pause.
Der Pop-, Rock- und Samba-Teil
Harry Belafontes "Matilda" und "Angelina", der berühmte "Chattanooga Choo Choo" und ein heißes brasilianisches Potpourri sorgten nach der Pause für Stimmung und Wallung in der Alten Aula. Bei den novemberlichen Temperaturen aber auch sehr angebracht! Der Rhythmus fuhr ersichtlich in viele Beine und Füße, die im Takt von Karibikmelodien, 40er Jahre Swing oder heißem Salsa mitwippten.
Das Publikum hatte sich aus dem Konzert 2024 Niels Kolbes "Musicien" als Wunschstück ausgesucht – das Kolbe mit echtem Waschbrett vor Waschbrettbauch gekonnt spielte. Mit wie einfachen Mitteln man effektvoll sein kann! Natürlich kamen auch die Medleys mit Bee Gee-Hits und Bon Jovi-Nummern bestens an. Sie staunen ungläubig? Doch – das geht alles auf dem Akkordeon – und wie! Natürlich kam das Akkordeon-Orchester nicht ohne Zugabe von der Bühne. Und so galt fürs Publikum am Ende: Standing Ovations für die Musiker, und dann "völlig losgelöst von der Erde" mit "Major Tom" in den Samstagabend hinausschweben. (Jutta Hamberger) +++