11.11.25 - Der Landkreis Hersfeld-Rotenburg steht vor finanziell herausfordernden Zeiten: In der Kreistagssitzung am Montag hat Landrat Torsten Warnecke (SPD) den Entwurf des Haushaltsplans 2026 eingebracht - mit einem Gesamtvolumen von 334 Millionen Euro. Der Plan weist Fehlbeträge in Höhe von 44,9 Millionen Euro im Ergebnishaushalt und 52,2 Millionen Euro im Finanzhaushalt auf.
"Es wird zunehmend schwieriger, die kommunale Daseinsvorsorge auf stabile finanzielle Beine zu stellen", betont Landrat Warnecke. "Der Grundsatz ‚Wer bestellt, muss auch zahlen‘ gilt in der Realität immer seltener. Land und Bund übertragen Aufgaben, ohne die dafür notwendigen Mittel bereitzustellen - und die Lücke müssen wir vor Ort schließen. Die Lage ist schwer zu handhaben."

Der Entwurf der Haushaltssatzung und des Haushaltsplans 2026 für den Landkreis Hersfeld-Rotenburg. ...Foto: Landkreis Hersfeld-Rotenburg
Warnecke macht deutlich: Das größte finanzielle Problem bleibt das Klinikum Hersfeld-Rotenburg. "Ohne das Klinikum hätte unser Haushalt keine großen Probleme - unser großes Problem sind die laufenden Zuschüsse", erklärt der Landrat.
Soziale Leistungen treiben Kosten - Einnahmen stagnieren
Ein zentraler Kostentreiber sind die sogenannten Transferaufwendungen - also soziale Leistungen wie die des Kommunalen Jobcenters oder der Kinder-, Jugend-, Senioren- und Familienhilfe. Diese steigen im Haushalt 2026 auf rund 130,8 Millionen Euro, ein Plus von 6,24 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Demgegenüber sinken die Transfererträge leicht um 0,15 Prozent auf rund 70,8 Millionen Euro. Hinzu kommen die Zahlungen an den Landeswohlfahrtsverband (LWV) in Höhe von 31,2 Millionen Euro. Das Delta: 91,2 Millionen Euro, die der Landkreis selbst zu tragen hat.

Das Klinikum Hersfeld-Rotenburg in Bad Hersfeld.
Fotos: Klinikum Hersfeld-Rotenburg
Besonders deutlich zeigt sich die Belastung auch beim Rückgang der Schlüsselzuweisungen aus dem Kommunalen Finanzausgleich (KFA): Diese sinken um rund 2,75 Millionen Euro auf rund 45 Millionen Euro - ein Minus von 5,75 Prozent. "Diese Kürzung trifft uns an einer empfindlichen Stelle. Sie verstärkt die strukturelle Unterfinanzierung der Landkreise", so Warnecke.
Keine höheren Umlagen für Städte und Gemeinden
Trotz der schwierigen Lage bleibt der Landkreis bei seiner Linie: Die Hebesätze für Kreis- und Schulumlage werden nicht erhöht. Die Kreisumlage liegt weiterhin bei 39 Prozent, die Schulumlage bei 18,46 Prozent. Damit fließen rund 88,6 Millionen Euro in die Kreiskasse, die Schulumlage bringt rund 42 Millionen Euro.
"Unsere Kommunen, die selbst unter einem erheblichen finanziellen Druck stehen, tragen bereits eine große Last. Mit der Nicht-Erhöhung der Hebesätze verschlechtern wir die Situation zumindest nicht noch zusätzlich", betont Landrat Warnecke. Zugleich weist er darauf hin: "Wir wollen die Hebesätze der Kreis- und Schulumlage nicht verändern - die Umlagegrundlagen verändern sich aber."
Die Schulumlage ist zweckgebunden und darf ausschließlich für Personal-, Sach- und Investitionskosten an Schulen eingesetzt werden - etwa für Hausmeister, Energie, Technik oder Baumaßnahmen.
Personal und Investitionen bleiben stabil
Die Personalaufwendungen steigen im Jahr 2026 auf 60,7 Millionen Euro, ein Plus von 3,62 Prozent. Einen Stellenaufwuchs gibt es nicht: Die Zahl der Beschäftigten bleibt mit rund 775 Vollzeitäquivalenten konstant. Grund für die Kostensteigerung sind die seit April 2025 geltenden Tariferhöhungen im öffentlichen Dienst (TVöD).

Erste Kreisbeigeordnete Dirk Noll (SPD).
Trotz der angespannten Haushaltslage hält der Landkreis an wichtigen Zukunftsprojekten fest. Geplant sind Investitionen vor allem in Bildung und Infrastruktur. So fließen 1,4 Millionen Euro in den Bau der Atemschutzübungsanlage, 2,65 Millionen Euro in die energetische Sanierung der Gesamtschule Obersberg und 1,2 Millionen Euro in die Waldhessenhalle. Weitere Projekte sind der Neubau des Stadt- und Kreisarchivs (917.000 Euro) und die Sanierung der Stützwand an der K60 in Bebra-Lüdersdorf (600.000 Euro).
Ganztag, Klinikum, Verantwortung
Warnecke betont, dass der Landkreis trotz aller Herausforderungen vorankomme: "In unserem Landkreis wird nicht alles schlechter, sondern vieles besser." Besonders im Bildungsbereich sieht er dringenden Handlungsbedarf: "Wir müssen jetzt Ganztag einrichten - und da muss das Personal bezahlt werden."
Der Landrat bedankt sich ausdrücklich bei seinem Team: "Den beteiligten Mitarbeitenden aus der Verwaltung danke ich für Ihre Arbeit und Ihr Engagement bei der Aufstellung des Kreishaushalts 2026 vielmals." Da das Land bisher nur vorläufige Finanzdaten geliefert hat und die Entscheidung zur Unterstützung des Krankenhauswesens noch aussteht, bleibe Unsicherheit. Allein das Defizit des Klinikums beträgt 38,5 Millionen Euro - von insgesamt 44,9 Millionen Euro im Kreishaushalt.
Der Haushaltsentwurf wird nun in den Fraktionen und Gremien des Kreistags weiter beraten. Die Beschlussfassung ist für Montag, 15. Dezember, vorgesehen. (Constantin von Butler) +++