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Kann ein Kompetenznachweis wirklich helfen, den Bedürfnissen der Tiere gerecht zu werden? - Symbolfoto: Pixabay

REGION Veterinäre sind sich uneinig

Haustierführerschein: Sinnvoll oder absolut unnötige Überregulierung?

15.11.25 - Egal ob Spielzeug, ein warmes Winteroutfit oder Leckerlis: Diverse Haushalte geben viel Geld für ihre tierischen Begleiter aus. Dennoch werden einigen Tierärzten zufolge viele Halter den Bedürfnissen der Tiere oft nicht gerecht: Sie berichten von starkem Übergewicht und schlechten Zähnen. Ein Kompetenznachweis für Halter soll Abhilfe schaffen. Doch kann das wirklich helfen?

Dr. med. vet. Gerald Schmidt aus Schenklengsfeld sieht einen "Haustürführerschein" ...Archivfoto: O|N/ Mathias Schmidt

Einige Veterinäre in Deutschland kritisieren das mangelnde Tierwohl in vielen Privathaushalten und wollen deshalb einen solchen Nachweis. "Wir fordern einen Sachkundenachweis, also eine verpflichtende Beschäftigung mit den Grundlagen", sagte beispielsweise die Hamburger Tierärztin Christina Bertram dem "Spiegel" in einem Interview. Trotz hoher Ausgaben für Haustiere würden viele Besitzer den Bedürfnissen ihrer Tiere nicht gerecht. Solch ein "Haustierführerschein" sei politisch zwar sehr schwer durchzusetzen, doch sollen Kurse an bestehende Regelungen wie die Hundesteuer geknüpft werden können.

Vielmehr sieht er den Tierarzt in der Verantwortung, Halter aufzuklären - etwa über ...Symbolfoto: Pixabay

Deutschland ist schon "komplett überreguliert"

Tierarzt Dr. med. vet. Gerald Schmidt aus Schenklengsfeld spricht sich entschieden gegen die Einführung eines solchen Scheins aus. Er betont, dass Deutschland ohnehin "komplett überreguliert" sei und ein weiterer Schein für Tierhalter "absolut nicht notwendig" wäre. Für ihn ist die Anschaffung und Haltung von Haustieren bereits durch bestehende Strukturen gut abgedeckt. Seiner Erfahrung nach informieren sich die meisten Menschen verantwortungsbewusst, bevor sie ein Tier kaufen. "Wir brauchen kein betreutes Denken, die meisten erkundigen sich schon." Nur eine "geringe Anzahl von Leuten" kaufe unüberlegt ein Tier. "Viele Leute rufen, bevor sie sich ein Haustier anschaffen, den Tierarzt an und fragen, was der für eine Rasse empfehlen würde oder ob sie das Tier überhaupt kaufen sollten." Auf diese Weise könne bereits im Vorfeld viel bewirkt werden, etwa beim Vermeiden von Tieren aus Qualzuchten oder gesundheitlich problematischen Tieren.

Zusätzlich verweist er auf Hundeschulen, in denen Halter ebenfalls lernen könnten, ...Symbolfotos: O|N/ Carina Jirsch

"Man kann als Tierarzt auch darauf hinweisen, dass viele Spielsachen für Hunde oder ...Foto: picture alliance / imageBROKER | Przemyslaw Iciak

Für ihn ist die Anschaffung und Haltung von Haustieren bereits durch bestehende Strukturen ...Foto: picture alliance / Panama Pictures | Christoph Hardt

Auch nach dem Kauf sieht der Tierarzt ausreichend Möglichkeiten zur Aufklärung: "Wenn ein Tier angeschafft wurde, dann wird es ja dem Tierarzt vorgestellt, und bei dieser Gelegenheit kann man mit den Leuten reden und sie darauf hinweisen, was sie machen sollten und was nicht." Zusätzlich verweist er auf Hundeschulen, in denen Halter ebenfalls lernen könnten, richtig mit ihren Tieren umzugehen. Ein Führerschein sei aus seiner Sicht keine Lösung für Einzelfälle von Fehlverhalten.

Aufklärung sei Aufgabe der Tierärzte

Vielmehr sieht er den Tierarzt in der Verantwortung, Halter aufzuklären - etwa über ungeeignetes Spielzeug oder Haltungsfehler. "Das kann man aber auch nicht durch den Führerschein regeln, das sollte in der Tierarztpraxis geschehen. Man kann als Tierarzt auch darauf hinweisen, dass viele Spielsachen für Hunde oder Katzen absolut nicht geeignet sind, weil sie verschluckbare Teile haben oder aus Fäden bestehen, die Darmprobleme verursachen können." Solche Hinweise könnten direkt in der Tierarztpraxis gegeben oder durch Broschüren vermittelt werden - ein Führerschein würde daran nichts ändern.

Zudem begegnet er der Kritik am angeblich übermäßigen Konsum von Tierspielzeug ...

Für Schmidt ist es völlig normal, dass Menschen ihren Tieren gelegentlich etwas ...

"Wir brauchen kein betreutes Denken, die meisten informieren sich schon." Nur eine ...

Zudem begegnet er der Kritik am angeblich übermäßigen Konsum von Tierspielzeug mit einem humorvollen Vergleich: "Da sollen sie sich mal fragen, was für Kinder ausgegeben wird – das war sicherlich auch nicht unbedingt nötig, aber man hat es halt dem Kind zuliebe gemacht. Und so ist das bei den Hunden oder Katzen auch." Für Schmidt ist es völlig normal, dass Menschen ihren Tieren gelegentlich etwas schenken, was nicht zwingend notwendig ist – genauso wie Erwachsene selbst Dinge kauften, die sie eigentlich nicht brauchen.

Abschließend kritisiert er die immer weitergehende Reglementierung mit einem ironischen Vergleich: "Wo soll man anfangen? Wir können auch einen Führerschein machen für Leute, die Kinder kriegen wollen, einen Hamsterführerschein, einen Vogelführerschein oder einen Schafführerschein." Ein solcher Ansatz sei für ihn "absolut unsinnig". (ms) +++


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