12.11.25 - In Zeiten von Sparmaßnahmen und Krankenhaus-Schließungen oder Insolvenzen ist diese Meldung fast schon einzigartig: In Alsfeld (Vogelsbergkreis) wurde am Dienstagnachmittag der symbolische Startschuss für den Neubau einer Klinik der Grund- und Regelversorgung gefeiert.

Landrat Dr. Jens Mischak (CDU)
Für das neue 120-Betten-Haus werden insgesamt 97 Millionen Euro investiert. Der Vogelsbergkreis als Bauherr investiert allein 43 Millionen für die medizinische Versorgung in und um Alsfeld herum. Die Vertreter aus Politik, Medizin und Stadt feierten deshalb den Spatenstich.
Verständlich, dass dieser Akt als historisch, als Meilenstein und wichtiger Tag für Alsfeld und den Vogelsbergkreis bezeichnet wurde. Nach rund 25 Jahren der Diskussionen um die Zukunft des in die Jahre gekommenen Kreiskrankenhauses wurde vor gut fünf Jahren der Entschluss gefasst, ein Neubau muss her. Die Frage der Finanzierung wurde zwischen Land und Landkreis lange Zeit diskutiert. Letztlich steuert das Land aus verschiedenen Töpfen rund 46 Millionen Euro dazu und will damit die Bedeutung der ländlichen Region stärken. Die Kreiskrankenhaus GmbH selbst beteiligt sich mit acht Millionen Euro.
Der Spatenstich markiert den Start für den Neubau des Kreiskrankenhauses in Arzfeld, als Zeichen für die Investition in die Gesundheit und Zukunft der Menschen der Region. Angesichts steigender medizinischer Anforderungen soll durch den Neubau die Versorgung dauerhaft gesichert werden. Nach drei Jahren der konkreten Vorplanungen geht es nun in die Bauphase, welche ebenfalls nach drei Jahren abgeschlossen werden soll.

Der Erste Kreisbeigeordnete Patrick Krug
Die parallele Nutzung stelle das Team vor komplexe Herausforderungen, die durch enge Zusammenarbeit bewältigt werden solle. Ziel sei es, auch während der Bauzeit die gewohnte hohe Versorgungsqualität sicherzustellen, erklärte der Architekt Diplom-Ingenieur Thomas Rettig vom Generalplanungsbüro "agn Niederberghaus & Partner GmbH" in seinem Grußwort.
Medizinisches Herzstück im Erdgeschoss
Das Erdgeschoss des Neubaus sei das "medizinische Herzstück", unter anderem mit dem Bereich der Diagnostik und der zentralen Notaufnahme sowie der Ambulanz. Im ersten Obergeschoss entsteht der Operationsbereich sowie die Intensivpflege und die zentralen Arztdienste. Im zweiten Obergeschoss werden zwei Normalpflegestationen mit jeweils 36 Betten gebaut. Zwei geriatrische Stationen mit jeweils 24 Betten sowie Therapie- und Aufenthaltsräume sowie eine Garten-Terasse sind im dritten Obergeschoss geplant. Im Kellergebäude werden die Versorgung und Logistik angeordnet.

Architekt Diplom-Ingenieur Thomas Rettig

Bürgermeister Stephan Paule (CDU)
Der Landrat sagte weiter: "Wir bauen jetzt ein neues Haus, das ist teurer. Und in dem Haus wird sicherlich moderne Medizin möglich sein, die so zu betreiben, wie man sich das vorstellt. Aber am Ende ist es noch viel wichtiger, dass in diesem Haus auch Menschen arbeiten werden, die Pflege, die ärztliche Leistungen erbringen. Wir können noch so ein schönes Krankenhaus bauen, wenn es am Ende keine Menschen gibt, die für die Patientinnen und Patienten auch da sind. Deswegen habe ich die herzliche Bitte, diesem Haus treu zu bleiben, dieses Haus jetzt auf seinem schwierigen Weg der Bauphase mitzunehmen und dafür zu sorgen, dass wir hier am Standort in Alsfeld in den nächsten drei Jahren des Baus und dann natürlich auch, wenn wir in dem neuen Haus sein werden, eine gute Medizin für die Bürgerinnen und Bürger im Vogelsbergkreis auf den Weg bringen."
Mischak dankte explizit neben dem Land Hessen, den Abgeordneten des Kreistages und speziell seinem Vorgänger Manfred Görig (SPD): "Dass diese Entscheidung gefällt wurde, war insbesondere ein großes Anliegen von Manfred Görig, der über seine gesamte Amtszeit, die Frage, wie geht es mit Alsfeld weiter, immer im Blick gehabt hat. Und dem es auch wichtig war, hier eine Lösung zu finden, noch vor der Wahl ein Stück weit eine Entscheidung zu bekommen für dieses Haus. Und die Entscheidung ist auch im Kreistag damals mit sehr großer Mehrheit gefasst worden, auch in der Abwägung, ob man sanieren kann und will. Der Kreistag hat damals gesagt, nein, wir bauen neu. Deswegen will ich diesen Dank ganz persönlich auch an dich richten. Wir würden heute nicht hier stehen, wenn das nicht in diesem Jahr immer so vorangetrieben worden wäre."
"Bekenntnis zur Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum"
Dr. Sonja Optendrenk ist Staatssekretärin im Hessischen Ministerium für Familie, Senioren, Sport, Gesundheit und Pflege. Sie sagte in ihrem Grußwort unter anderem: "Das ist ein Bekenntnis zur Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum. Und ich bin total dankbar, dass auch der Kreis sich hier so committet und auch sagt: Ja, wir stehen hier auch weiter ein als Landkreis für moderne Medizin in der Fläche, weil wir so viel immer diskutieren über Hochleistungsmedizin und so weiter, wie kriegen wir die Qualität noch höher und noch spezialisierter. Und oft wird dann vergessen, dass im ländlichen Raum, in den grundversorgenen, regelversorgenen Krankenhäusern einfach sehr, sehr gute Leistungen, sehr, sehr gute medizinische Versorgung, wohnortnah für die Menschen erbracht wird. Und dass das eben auch ein wahnsinnig hoher Wert ist, dass wir an dieser Stelle Verlässlichkeit schaffen für die Menschen im ländlichen Raum. Das ist Ihr Beitrag dazu, als Kreis, ihren Mitbürgerinnen und Mitbürgern eben diese Sicherheit zu geben. Auch hier findet zukünftig moderne Medizin statt, erreichbar und für die Menschen vor Ort. Und von daher mein ganz herzlicher Dank auch an Sie zurück, dass Sie sich hier dieser großen Aufgabe und auch großen finanziellen Aufgabe stellen."

Geschäftsführer Volker Röhrig

Dr. Sonja Optendrenk ist Staatssekretärin im Hessischen Ministerium für Familie, ...
Bürgermeister Stephan Paule (CDU) ist natürlich froh und stolz, dass in "seiner" Stadt in die medizinische Versorgung der Menschen investiert wird: "Dieses Krankenhaus in einem Mittelzentrum, in einer kleinen Stadt, das den Menschen zeigt, hier werdet ihr gesundheitlich versorgt, die Bevölkerung gerade hier bei uns auf dem Land wird durchschnittlich älter. Ihr müsst euch nicht mit 80 oder 85 Jahren noch auf die Autobahn und nach Bad Hersfeld, Gießen oder über die Bundesstraße nach Marburg fahren. Hier vor Ort sind wir für euch da. Und diese Botschaft ist es, die mich mit besonderer Freude erfüllt. Ich möchte daher nochmals allen Beteiligten ganz herzlich danken und insbesondere den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern alles erdenklich Gute wünschen für jetzt, für die Übergangszeit und für die Zukunft im neuen Haus", sagte Paule.
"Symbol für gleichwertige Lebensverhältnisse"
Geschäftsführer Volker Röhrig sagte unter anderem: "In dem Kreiskrankenhaus entsteht ein Haus, das weit mehr ist aus meiner Sicht als Beton und Technik. Es wird ein Ort sein, an dem medizinische Versorgung auf menschliche Nähe trifft. Das ist die Hoffnung, die wir alle haben, gerade in einem Haus der Grund- und Regelversorgung. Alle im Raum wissen, dass wir das doch hin und wieder vermissen. Auch menschliche Nähe ist ein Kriterium der Genesung und der guten Gesundheitsversorgung. Es wird ein Haus sein, das Arbeitsplätze schafft. Und ich schließe mich Herrn Dr. Mischaks Worten an, ein Haus, egal ob modern oder alt, ist erstmal nur ein Gebäude. Wir brauchen die Menschen, die für die Gesundheitsversorgung dieses Landkreises da sind. Alle sind eingeladen, hieran heute, morgen und auch in Zukunft mitzuarbeiten. Es wird ein Ort sein, der Daseinsvorsorge ist."
Röhrig erklärte zudem: "Ich bin der festen Überzeugung, dass gleichwertige Lebensverhältnisse zwischen Stadt und Land kein theoretisches Ziel sein dürfen. Ich denke, dass gleichwertige Lebensverhältnisse zwischen Stadt und Land Demokratie und Rechtsstaat stärken. Und für mich ist der Spatenstich heute auch ein Symbol dafür, dass diese gleichwertigen Lebensverhältnisse in dieser Region Realität sind." (Hans-Hubertus Braune) +++