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Akteure der Vernissage: Gunter Geiger, Dr. Lilli Gebhard, Dr. Anne-Katharina Neddens vor dem Werk mit dem Titel "Weite" (Acryl und Steinstaub auf Leinwand) - Fotos: Katholischen Akademie

FULDA Toller Auftakt

Ausstellung "Was bleibt" – Kunst, Lyrik und Familiengeschichte im Dialog

16.11.25 - Unter dem Leitwort "Was bleibt? Erinnern ist Arbeiten an der Zukunft" eröffnete die Autorin, Lyrikerin und Künstlerin Dr. Lilli Gebhard am Wochenende ihre neue Ausstellung an der Katholischen Akademie des Bistums Fulda.

Eine stimmungsvolle Matinee setzte den Auftakt zu einer Präsentation, die noch bis Ende März 2026 zu sehen sein wird – und die bereits am ersten Tag als eindrucksvolles Gesamtkunstwerk überzeugte.

Ein Gesamtkunstwerk aus Bild, Wort und Klang

"Sie erleben heute ein Gesamtkunstwerk", versprach Akademiedirektor Gunter Geiger zur Begrüßung – und behielt Recht. Die Besucherinnen und Besucher wurden nicht nur von den vielschichtigen Bildern der Künstlerin gefesselt. Auch die musikalischen Beiträge der Meisterschüler Lukas Neuhof (Cello), Daniel Bretz (Violine) und Tilo Neuhof (Violine) verliehen der Eröffnung eine besondere Atmosphäre.

Gebhard selbst brachte zusätzlich ihre lyrische Stimme ein und las ausgewählte Gedichte – eine doppelte künstlerische Annäherung an Themen, die sie seit Jahren begleiten.

Kunst aus Schichten, Brüchen und Verborgenem

Die Werke der Künstlerin wirken auf den ersten Blick abstrakt, doch sie tragen sichtbar viele Ebenen in sich. Mit Materialien wie Acrylfarbe, Asche oder Jute arbeitet Gebhard in Schichten – manches offen, manches verborgen. Risse und Brüche durchziehen die Bilder, als visuelle Metaphern für das Unsichtbare und Unausgesprochene.

Ihre Kunst, so Gebhard, sei der Versuch einer Beweisführung: "dass Schönheit in allem liegen kann."

Familiengeschichte als Quelle ihrer Kunst

Die biografischen Wurzeln der 1979 geborenen Künstlerin spielen eine zentrale Rolle. Ihre Eltern, Russlanddeutsche Mennoniten, kamen 1978 nach Deutschland. Während ihres Studiums begann Gebhard, sich intensiv mit dieser Herkunft zu beschäftigen – angeregt durch ihren Professor, der sie zu einer Forschung über die Mennoniten in Russland ermutigte.

In zahlreichen Lebensbeschreibungen ihrer Landsleute fiel ihr die große Sachlichkeit im Umgang mit unermesslichem Leid auf: Enteignung, Deportation, Hungersnöte, Emigration, Fremdheitserfahrungen. Gebhard stellte sich die Frage: "Wo sind die Emotionen?"

Die Antwort suchte sie zunächst wissenschaftlich, später künstlerisch – in Bildern, aber mehr noch in einer poetischen Sprache, die das Schweigen der Vergangenheit fühlbar machen soll. Daraus entstand ihr Gedichtband "Wie Schatten werden", in dem viele Texte Leid, Verlust und Tod thematisieren. Einige greifen Bilder aus Märchen auf: Aschenputtel, Hänsel und Gretel oder Rapunzel – Stoffe, die in Gebhards Familienalltag mit drei Kindern ohnehin präsent sind.

Hoffnung als leitendes Motiv


Trotz aller Schwere ihrer Themen schwingt in Gebhards Werk stets Hoffnung mit – ein Erbe ihrer mennonitischen Großmutter, die, so die Künstlerin, "überzeugt war, dass da einer ist, der alles zusammenhält".

In einem ihrer Gedichte heißt es:

Knollen platzen

Wurzeln strecken sich aus

Leben beginnt im Winter.

Diese Bilder der Zuversicht bilden einen Gegenpol zur historischen Last und öffnen einen Resonanzraum in die Zukunft.

Zur Sache: Was Traumata über Generationen hinweg bewirken

Die Medizinerin, Psychotherapeutin und Trauma-Forscherin Dr. Dr. Anne-Katharina Neddens ordnete die Werke Gebhards in einen psychologischen Kontext ein. Die Gedichte seien "verdichtet, schichtenreich" und stünden im engen Dialog mit den Bildern.

Mit Blick auf Gebhards Familiengeschichte sprach Neddens von transgenerationellem Trauma – jener Form der Traumatisierung, die sich über Generationen weiterträgt: "Wer bin ich durch die Geschichte meiner Vorfahren?" Märchen, Erzählungen und künstlerische Ausdrucksformen könnten Wege der Verarbeitung sein und sogar zu posttraumatischem Wachstum führen: "Jeder Tiefpunkt bietet die Chance, daran zu wachsen."

Zu sehen ist Ausstellung "Was bleibt" An der Katholischen Akademie des Bistums Fulda / Bonifatiushaus Fulda bis Ende März 2026, werktags 9–17 Uhr. (pm/hhb) +++


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