23.11.25 - Wenn der Winter über Osthessen hereinbricht, trifft er die Schwächsten zuerst. Sinkende Temperaturen, steigende Lebenshaltungskosten und die wachsende psychische Belastung machen vielen Menschen schwer zu schaffen. Einrichtungen wie die Caritas, die Diakonie und die Tafel erleben jedes Jahr aufs Neue, wie stark die Notlage im Winter sichtbar wird - nicht nur durch leere Geldbeutel, sondern auch durch Einsamkeit und fehlende Wärme im Alltag. Jetzt, zu Beginn der kalten Jahreszeit, zeigt sich besonders deutlich, wie dringend Hilfe benötigt wird.
Die Caritas Fulda beschreibt die Situation in diesem Jahr als etwas entspannter, ohne Entwarnung geben zu können. Die Zahl der Hilfesuchenden sei zwar gesunken, weil weniger Geflüchtete zugewiesen wurden. Doch entlaste das die Einrichtungen nur bedingt. "Auch wenn Menschen den Gemeinschaftsunterkünften zugewiesen werden, nehmen sie doch häufig den Caritas-Kleidermarkt in Fulda oder unsere niedrigschwelligen Angebote wie den Caritas HOTRoom in Anspruch", heißt es von der Einrichtung.

Viele Hilfsangebote richten sich besonders an obdachlose Menschen, die in der Kälte ...Symbolbild: Pixabay
Weniger Flüchtlingszuweisungen, aber anhaltend hoher Bedarf

Caritas-Geschäftsführerin Susanne Saradj. Foto: Caritas Fulda
Besonders im Bereich Eingliederungshilfe steigt der Bedarf: Viele Menschen mit seelischer Behinderung suchen derzeit Assistenzleistungen für ihren Alltag. Stark sei zudem der Druck durch Energieschulden. Familien und Alleinerziehende greifen regelmäßig auf den Härtefallfonds des Bistums zurück. Geschäftsführerin Susanne Saradj macht deutlich, wie groß diese Belastung ist: "Schulden sind grundsätzlich ein großes Problem für Alleinerziehende und Familien. Der Notfallfonds des Bistums hat unzählige Stromsperren verhindern können."

Diözesan-Caritasdirektor Dr. Markus Juch
Archivfoto: O|N/Carina Jirsch
"Einsamkeit wird zur Gesundheitsgefahr" - Caritas-Direktor Juch warnt
Ein zentraler Aspekt, der sich im Winter verschärft, ist soziale Isolation. Caritas-Direktor Dr. Markus Juch betont: "Zugang zu kulturellen und gesellschaftlichen Veranstaltungen sind ein wichtiger Bestandteil, um Teilhabe zu sichern und Einsamkeit vorzubeugen. Besonders in der kalten Jahreszeit ist Einsamkeit für Menschen mit geringen finanziellen Mitteln ein großes Thema.
Viele Betroffene könnten sich weder ein Café noch einen Kinobesuch leisten - Kleinigkeiten, die für andere selbstverständlich seien. Hinzu kommen strukturelle Probleme, die auch im Winter nicht nachlassen: Der Zugang zu Haus- und Fachärzten ist laut Caritas weiterhin schwierig, und bezahlbarer Wohnraum bleibt ein "Dauerbrenner".

Soziale Einrichtungen in Osthessen bereiten sich mit warmen Räumen und Notangeboten ...Archivfoto: Maria Kristin Franco

Kälte, Dunkelheit und steigende Kosten belasten viele Menschen: Hilfsorganisationen ...Archivfoto: Maria Kristin Franco

HOT-Room der Caritas hilft Obdachlosen durch den Winter
Archivfoto: O|N/Carina Jirsch
Bahnhofsmission zunehmend Anlaufstelle
Auch die Diakonie beobachtet typische Wintereffekte - weniger materiell, dafür deutlich psychisch. Diakoniepfarrer Lars Rilke erklärt: "Was wir merken, ist, dass unsere warmen Orte, etwa die Bahnhofsmission, stärker frequentiert werden. Das hat natürlich mit prekären Lebensumständen zu tun, die entweder keine eigene Wohnung oder zumindest keine Möglichkeit zu heizen mehr ermöglichen."

Diakoniepfarrer Lars Rilke.
Archivfoto: Erich Gutberlet

Archivfoto: Maria Kristin Franco

Susanne Saradj und Dr. Markus Juch Archivfoto: O|N/Carina Jirsch
Gleichzeitig sorgt sich die Diakonie über angekündigte Kürzungen im Sozialstaat. Unterstützung, Teilhabe und Inklusion müssten weiterhin gesichert bleiben.
Tafel Fulda: Nachfrage steigt spürbar - besonders Grundnahrungsmittel fehlen

Stefan Schunck, Vorsitzende der Fuldaer Tafel. Archivfoto: Yannik Overberg
Die Tafel Fulda erlebt auch in diesem Winter eine wachsende Not. "Nach wie vor sind sehr viele Menschen auf unsere Unterstützung angewiesen. Alle Weltkrisen kommen irgendwann auch in der Tafel an", sagt Vorsitzender Stefan Schunck. In den vergangenen Monaten sei die Nachfrage erneut gestiegen.
Besonders knapp seien derzeit Grundnahrungsmittel, Trocken- und Dosenware sowie Käse und haltbare Wurst. Auch Aktionen zur Weihnachtszeit gebe es bereits - von Unternehmen wie von Privatpersonen. Eine wichtige Herausforderung stehe noch bevor: der Umzug in neue Räume am Aschenberg.

In Osthessen wächst der Bedarf an Beratungs- und Unterstützungsangeboten während ...Archivfoto: O|N/Carina Jirsch

Schlafsäcke, Winterkleidung und warme Mahlzeiten bleiben in Osthessen besonders ...Archivfoto: O|N/Carina Jirsch

Ehrenamtliche und soziale Einrichtungen stemmen die wachsenden Herausforderungen ...Archivfoto: O|N
Hilfsangebote und Spendenaktionen zur Weihnachtszeit
Die Caritas öffnet Anfang Dezember erneut den HOTRoom in der Kanalstraße. Dort gibt es warme Mahlzeiten, heiße Getränke und Gespräche - ein Angebot, das besonders gegen Einsamkeit wirken soll. Zudem sammelt die Caritas wieder anonyme Weihnachtskarten und Briefe für Seniorinnen und Senioren, die über ambulante Dienste und Pflegeheime verteilt werden. (Constantin von Butler) +++