01.12.25 - Seit über zehn Jahren ist Mathias Wagner Chef der Landtagsfraktion der Grünen in Hessen. In dieser Zeit hat sich viel bei der Partei verändert - die Grünen waren in der Regierung und sind seit der letzten Landtagswahl wieder in der Opposition. Im Interview mit OSTHESSEN|NEWS berichtet der 51-jährige, wie sich die Partei gewandelt hat und was deren Ziel für eine grüne Zukunft in Hessen ist.
"Die Grünen sind immer im Wandel, mal geht es bergauf, mal bergab. Nach der Landtagswahl hatten wir eine Zeit, wo die Stimmung nicht so gut war. Mittlerweile haben wir aber eine neue Rolle in der Opposition in Hessen, die nehmen wir an, die wollen wir kraftvoll ausfüllen und wir arbeiten daran wieder in die Regierung in Hessen zu kommen", macht Wagner mit Blick auf die letzten Monate deutlich.

Mathias Wagner und O|N-Journalist Moritz Pappert

"Die Grünen sind immer im Wandel, mal geht es bergauf, mal bergab."

"Es fehlt eine klare Linie, es fehlt eine klare Perspektive, wo man mit dem Land hin will." ...
Die Fraktion in Hessen sieht es laut dem 51-Jährigen als Aufgabe, die "inhaltliche Lücken, die schwarz-rot in Hessen lässt, zu füllen, diese Lücke ist riesig", erklärt er. Der Regierung fehle es an Gestaltungswillen in für die Menschen wichtigen Bereichen. "Das betrifft Kitas, wo Erzieherinnen und Erzieher fehlen, Schulen, wo wir Unterrichtsausfall haben und die Ergebnisse der Schüler im Vergleich immer schlechter werden und Hochschulen, wo deutlich gekürzt wird. Die Situation bei Bussen und Bahn ist sehr schlecht, ohne dass die Landesregierung etwas dagegen tut. Die Felder zum Opponieren sind sehr mannigfaltig bei dieser Koalition", macht Wagner deutlich.
Kritik an schwarz-roter Politik
Das kürzlich beschlossene Sondervermögen sei symptomatisch für die schwarz-rote Politik. "Es fehlt eine klare Linie, es fehlt eine klare Perspektive, wo man mit dem Land hin will. Das Geld wird vor allem genutzt, um Haushaltslöcher zu schließen. Dafür war es nicht gedacht", so der Grünen-Fraktionsvorsitzende. Es hätten klare, andere Schwerpunkte gesetzt werden müssen. "Dass man bei einem Sondervermögen, was Infrastruktur und Klimaneutralität heißt, kein Wort darüber verwendet, wie man die Menschen vor den Folgen des Klimawandels schützen wird, das ist ideologische Verbohrtheit, die CDU und SPD an den Tag legen", so der 51-Jährige. Das Verhältnis zwischen Regierung und den Grünen bezeichnet Wagner dennoch als "weitgehend in Ordnung."
Zu der Zeit, in der die Grünen noch in der hessischen Regierung waren, macht Wagner klar: "Schwarz-Grün hat ausgezeichnet, dass wir nicht nur Probleme gesehen haben, sondern versucht haben, sie zu lösen. Wir haben massiv investiert in den Bereich Kitas und in den Schulsozialbereich. Wir haben auf die Herausforderungen, die sich gestellt haben, immer Antworten gegeben. Ich behaupte aber nicht, dass da alles perfekt war."

"Wir wollen die Trendwende schaffen"
Optimistisch für die Zukunft der Grünen
Für die Zukunft der Grünen im Allgemeinen zeigt sich Wagner aber optimistisch und macht deutlich: "Wir wollen die Trendwende schaffen. In Baden-Württemberg sieht es auch gut aus. Wir haben dort eine gute Chance, den Ministerpräsidenten zu verteidigen." Die Wahl in Baden-Württemberg ist für den 8. März 2026 terminiert. Cem Özdemir will dort für die Grünen Ministerpräsident werden.
Für Hessen ist das Ziel klar: "Wir füllen unsere Rolle als Opposition aus. Wir zeigen die Alternativen auf, wo die Regierung Schwachstellen hat. Das ist in ganzen vielen Bereichen, die das tägliche Leben der Menschen berühren", ist Wagner für die Landtagswahl 2028 positiv gestimmt. Der Anspruch in Hessen sei es, gute Konzepte für sämtliche Politikerfelder zu haben. Man wolle ein politisches Angebot für viele haben.
Mit einem Grünen-Kompass für Hessen will die Partei nicht nur für die Landtagswahl, die noch in weiter Ferne liegt, punkten: "Wir wollen ökologisch vorankommen, wir wollen sozial vorankommen, wir wollen, dass es ein vielfältiges und freies Land bleibt. Dafür wollen wir all die Kräfte in unserem Land stärken - und das ist die Mehrheit, die das auch wollen. Das sehen wir als Aufgabe von uns Grünen an", erklärt Mathias Wagner abschließend. Die Partei will um jede Stimme kämpfen, für ein bestmögliches Ergebnis - sowohl für die Landtagswahl, als auch für die anstehende Kommunalwahl im März 2026.
(Moritz Pappert) +++ 