26.11.25 - Im Ernstfall entscheiden Minuten oder gar Sekunden über Leben oder Tod. Im Jahr 2023 starben in Deutschland rund 350.000 Menschen an den Folgen von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Damit sind etwa Herzinfarkte die Todesursache Nummer eins.
Kommt es zu einem Notfall, ist schnelle Hilfe überlebenswichtig. Doch viele Menschen trauen sich nicht zu helfen. Zumeist aus Angst, etwas falsch zu machen. Dabei ist es der größte Fehler, nicht zu tun.
Die Rettungs- und Hilfsorganisationen wollen deshalb noch mehr aufklären, die Menschen sensibilisieren. Der Deutsche Rote Kreuz Kreisverband Fulda und die Deutsche Herzstiftung informierten am Montagabend rund 100 interessierte Gäste im Bürgerhaus von Giesel (Neuhof) im südlichen Landkreis Fulda zum Thema: "Kampf dem plötzlichen Herztod".

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Joachim Schrimpf, DRK Fulda

Michael Conze, Facharzt für Kardiologie

Dr. Matthias Kalmbach, ärztlicher Leiter Rettungsdienst im Landkreis Fulda ...
Das DRK ist eine der führenden Organisationen in der Notfallversorgung und Prävention und hat den Auftrag, Leben zu retten und die Bevölkerung für Notfälle vorzubereiten. "Daher ist es selbstverständlich, dass wir alle Aktivitäten fördern, die dem plötzlichen Herztod, einer der häufigsten Todesursachen, entgegenwirken. Reanimation ist Gegenstand aller unserer Lehrgänge zur Ersten Hilfe und wir können nur dringend anraten, dieses Wissen regelmäßig aufzufrischen", Peter Becker, Akademieleiter des DRK.
"Wir hinken den skandinavischen Ländern immer noch hinterher"
Matthias Kalmbach, ärztlicher Leiter Rettungsdienst im Landkreis Fulda erklärt, wie wichtig die Aufklärungsarbeit ist: "Extrem wichtig, weil wir wissen, dass wir in Deutschland, was die Laienreanimationsquote angeht, immer noch anderen Ländern hinterherhinken, vor allem den skandinavischen Ländern. Von daher ist es wichtig, das Thema in die breite Bevölkerung zu bringen und dafür zu sensibilisieren, Erste Hilfe zu leisten. Viele Hilfsorganisationen bieten entsprechende Lehrgänge, übrigens nicht nur für Führerscheinanfänger."
Aber auch der Tag der Wiederbelebung am Klinikum ist eine gute Gelegenheit, sich mit dem Thema intensiver auseinander zu setzen. Oder bei den Organisationen direkt nachfragen und die Möglichkeiten nutzen, an Informationsveranstaltungen teilzunehmen.
In Giesel ging es vor allem um die Aufklärung und die Prävention. "Viele Menschen wissen nicht, wie sie bei einem Herzstillstand reagieren sollen. Eine solche hochkarätig besetzte Veranstaltung wie in Giesel vereint Expertenwissen mit der Gelegenheit zur Einübung der Herzdruckmassage und des Einsatzes eines externen automatischen Defibrillators. Die Veranstaltung schafft Bewusstsein für Ursachen und Verlauf eines Herzstillstandes, für die Dringlichkeit der Reanimation und senkt die Hemmschwelle, aktiv zu helfen", erklärt Becker.
Bewegung, gesunde Ernährung und Verzicht
Notfallsanitäter Joachim Schrimpf vom DRK Fulda schildert, wieso Erste Hilfe so wichtig ist: "Nur wenn Erste Hilfe geleistet wird, kann auch jemand überleben. Und das hat sich gerade bei Herzstillständen auch wissenschaftlich erwiesen. Diejenigen, die einen schweren Herzinfarkt durchgemacht haben und dann auch letztendlich überlebt haben nach Herzstillstand, bei denen wurde eine Herzdruckmassage gemacht, und zwar durch Erste Hilfe." Bis der professionelle Rettungsdienst und der Notarzt am Einsatzort sind, dauert es oft einige Minuten. Bis dahin können Laien entscheidend helfen. "Einfach machen. Keine Angst vor Erste Hilfe. Prüfen, rufen, drücken", bringt es Schrimpf auf den Punkt.
Der Fuldaer Kardiologe Michael Conze vom Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) Altstadt-Carree klärt auf: "Wir wissen, dass nach drei Minuten Hirnschädigungen eintreten, wenn keiner mit der Herzdruckmassage anfängt. Das heißt, wir sind darauf angewiesen, dass es Laienhelfer vor Ort gibt, die die Brustdruckherzmassage können und sich trauen, das zu tun, denn es ist tatsächlich einfacher." Kalmbach untermauert: "Das Wichtigste ist, sich ein Herz zu fassen und überhaupt was zu machen, anzufangen und diese drei Punkte Prüfen, Rufen, Drücken zu beherzigen."
Aber auch in Sachen Prävention wollen die Fachleute aufklären. Michael Conze rät, individuell auf die eigene Gesundheit zu achten, um so zumindest Risiken für Herz-Kreislauf-Erkrankungen möglichst zu minimieren: "Die Leute müssen sich bewegen, das ist ganz wichtig, Bewegungssport senkt den Blutdruck, Bluthochdruck ist ein Problem, wie wir alle wissen. Gesunde Ernährung ist wichtig, tatsächlich Verzicht auf rohes Fleisch. Da gibt es klar bewiesene Zusammenhänge zwischen der Entstehung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und vermehrtem Konsum von rotem Fleisch." (Hans-Hubertus Braune) +++