06.12.25 - Wenn in der Innenstadt die Weihnachtslichter angehen, die Geschäfte voller werden und der Verkehr dichter wird, beginnt für viele Berufsgruppen die stressigste Zeit des Jahres. Menschen, die Tag für Tag dafür sorgen, dass Fulda funktioniert - oft ohne Applaus und ohne Beachtung. Genau ihnen wollen wir in dieser Adventszeit ein "Danke" schenken. Und deshalb war unser OSTHESSEN|NEWS-Team unterwegs: mit Schoko-Nikoläusen, offenen Ohren und einem Blick hinter die Kulissen.
Es gibt zahlreiche dieser Berufe, die alle den größten Respekt verdienen. Wir haben uns im Rahmen unserer Aktion drei davon ausgesucht und waren bei Busfahrerinnen und Busfahrern der RhönEnergie, bei den Zustellern von Zufall Logistik und haben die Mitarbeiter und Fellnasen im Tierheim Fulda-Hünfeld besucht.

O|N hat deshalb unter anderem Busfahrer am Busbahnhof in Fulda besucht. ...

V.l.n.r. Christian Etzel, Jaan Hotak, Andrej Frolow und Karl Fritsch.

Oftmals reichen schon kleine Gesten, um den Arbeitsalltag in der stressigsten Zeit ...
"Unsere Busfahrer sind der Herzschlag der Region"
Am Busbahnhof am Stadtschloss haben wir die Busfahrer im Pausenraum besucht. Christian Etzel, Karl Fritsch, Andrej Frolow und Jaan Hotak sind einige der Männer, die seit Jahren dafür sorgen, dass Fulda mobil bleibt. Besonders im Advent wird ihre Arbeit jedoch zur Geduldsprobe. "Die Menschen stürzen in die Busse rein, beschlagene Scheiben - vieles ist in der Vorweihnachtszeit herausfordernder", sagt Karl nüchtern. Christian nickt: "Es ist viel aggressiver geworden. Der Verkehr ist dichter, es ist viel mehr los - überall E-Scooter, dunkel gekleidete Radfahrer." Auch Jaan erlebt eine klare Veränderung: "Die Menschen sind viel gestresster. Vier Wochen vor Weihnachten geht der Wahnsinn schon los." Und wenn der Tag endet? "Da bist du einfach platt", sagt Christian.

Die Busfahrer arbeiten auch an allen Feiertagen, damit die Menschen zu ihren Liebsten ...
Auch an Heiligabend und Silvester fahren die Busse. Was die stressige Weihnachtszeit besser macht? "Wenn jemand hereinkommt und lächelt, mal danke sagt - das reicht schon oft", sind sich die Fahrer einig. "Aber das passiert kaum noch." Ihr Wunsch an die Fahrgäste ist daher schlicht: mehr Rücksicht. "Wenn wir zu spät sind, können wir nichts dafür. Und wenn jemand minutenlang nach seinem Ticket sucht, stehen wir da - mit wütenden Fahrgästen, die wollen, dass es weitergeht", sagt Karl.

Dr. Volker Nies, Pressesprecher der RhönEnergie.

"Wir wünschen uns mehr Rücksicht und auch mal ein Danke".
Zwischen Verkehr, Stress und Dunkelheit gibt es aber auch klare Anerkennung von oben. "Wir sind unglaublich stolz auf unsere Busfahrer", betont Dr. Volker Nies, Sprecher der RhönEnergie, gegenüber O|N. "Heiligabend, Feiertage, große Hitze, klirrende Kälte - sie sind immer draußen. Sie stehen für Zuverlässigkeit." Über 1.000 Mitarbeitende hat das Unternehmen, ein Drittel davon sitzt hinter dem Steuer. "Unsere Busfahrer sind einfach der Herzschlag der Region", so Nies.
"Ohne uns würden viele Geschenke nicht unter dem Baum liegen"
Der nächste Halt führte uns zu Zufall Logistik - dort, wo das Herz des Lieferverkehrs schlägt. Teamleiter und Fahrer Christoph Johne empfängt uns zwischen Paketen, Lastwagen und Tourenplänen. Die Vorweihnachtszeit der Fahrer? Kurz gesagt: anspruchsvoll. "Urlaubszeit, Krankheitsfälle, und natürlich extrem hohe Sendungsmengen, das ist unser größtes Problem", sagt Johne. "Wenn Weihnachten kommt, bestellen alle. Und nach Weihnachten kommen dann die Retouren."

Christoph Johne ist Teamleiter und Fahrer bei Zufall Logistics.

In der Vorweihnachtszeit wird von Geschenken bis hin zum Weihnachtsessen alles geliefert. ...

"Wir wünschen uns mehr Verständnis in dieser stressigen Zeit", erklärt er. ...
Auch hier fehlt es an Rücksicht und Verständnis: "Was uns wirklich helfen würde? Freundlichere Kunden. Und mehr Verständnis für Terminfahrten. Jeder will der Erste sein." Denn was viele vergessen: "Wenn es uns nicht gäbe, würden viele Sachen nicht unter dem Weihnachtsbaum liegen. Auch das Essen nicht. Die Fahrer sind gestresst, aber sie geben alles." Zufall fährt bis zum 23. Dezember - dann ist bis Jahresbeginn Pause angesagt für die rund 100 Fahrer.
"Die Tiere brauchen uns - egal ob Heiligabend oder Silvester"
Im Tierheim Fulda-Hünfeld ist die Adventszeit keine Ausnahme, sondern eine Verlängerung des ganz normalen Ausnahmezustands. "Bei uns herrscht das ganze Jahr über Action", erzählt uns Victoria Blum bei unserem Besuch. Weihnachtsdeko hängt an den Türen, ein paar Extraleckerlis gibt es auch - doch ansonsten läuft der Alltag weiter wie immer: füttern, ausführen, reinigen, Medikamente geben. "Die Tiere brauchen uns, egal ob Heiligabend oder Silvester", sagt sie. Gerade an den Feiertagen versuchen sie, die Schichten so zu legen, dass die Mitarbeitenden zumindest ein bisschen Zeit mit ihren Familien haben. "Aber die Versorgung der Tiere kennt eben keine Feiertage."

Im Tierheim muss an den Feiertagen natürlich auch jemand da sein.

Die Hunde und Katzen müssen gefüttert und gepflegt werden.

Victoria Blum vom Tierheim Fulda-Hünfeld.
Weihnachten bedeutet für das Team aber auch etwas Schönes: viele Rückmeldungen von ehemaligen Schützlingen, kleine Pakete, liebe Worte, Fotos aus dem neuen Zuhause. "Der Geist der Weihnacht wird bei uns wirklich spürbar", erzählt Blum. Spenden, zusätzliche Gassigänger, Menschen, die einfach eine gute Tat vollbringen wollen - all das hilft enorm, denn die Herausforderungen sind groß: steigende Tierarztkosten, hohe Unterhaltskosten und vor allem ein Tierbestand, der seit Jahren wächst. Rund 30 Hunde und bis zu 90 Katzen leben derzeit im Heim. Trotz aller Belastung ist eines klar: "Unsere Leute sind mit Herzblut hier - gerade an Weihnachten."
Ob im Bus, im Lieferwagen oder im Tierheim, überall arbeiten in der Adventszeit Menschen, hauptberuflich und ehrenamtlich, die dafür sorgen, dass Fulda funktioniert. Für viele beginnt jetzt die besinnlichste Zeit des Jahres, für sie jedoch die anstrengendste: dichter Verkehr, volle Fahrpläne, explodierende Paketmengen, gestresste Kunden und im Tierheim immer mehr Tiere, die versorgt, betreut und geliebt werden müssen. Viel Verantwortung, wenig Anerkennung - und dennoch leisten Sie super Arbeit.
Unser Besuch hat gezeigt: Oft reicht ein einfaches "Danke", eine kleine schokoladige Geste oder ein Moment der Rücksicht, um diesen Menschen den Arbeitsalltag spürbar zu erleichtern. Denn egal wo - sie alle tragen dazu bei, dass diese Region warm, sicher und menschlich bleibt. Gerade im Advent sollten wir uns bewusst machen, wie wichtig ihre Arbeit ist.
(Emely Schrön) +++
