24.12.25 - Für viele beginnt jetzt die besinnlichste Zeit des Jahres. Lichterketten schmücken die Innenstädte, Familien rücken näher zusammen, gemeinsame Mahlzeiten gehören fest zu den Weihnachtsfeiertagen. Doch Weihnachten zählt auch zu den Tagen im Jahr, an denen Einsamkeit besonders spürbar wird. Geschäfte bleiben geschlossen, soziale Kontakte werden weniger - und nicht jeder hat Familie oder Freunde in der Nähe.

Viele Menschen sind aus unterschiedlichsten Gründen an den Feiertagen alleine. ...Symbolbild: Pixabay
Alleine an Weihnachten zu sein, ist für die wenigsten eine bewusste Entscheidung. Oft stecken ganz alltägliche Gründe dahinter: Arbeit an den Feiertagen, große Entfernungen, finanzielle Sorgen oder schlicht fehlende Angehörige. Das muss kein dramatisches Schicksal sein, kann sich aber dennoch schwer anfühlen. Umso wichtiger sind Angebote, die Gemeinschaft ermöglichen und zeigen: Niemand muss diese Tage zwangsläufig isoliert verbringen. Eine Übersicht.
Gemeinsame Zeit statt leerer Teller
Caritas lädt Bedürftige und Alleinstehende einBereits zum 40. Mal lädt der Caritasverband für die Regionen Fulda und Geisa (RCV) gemeinsam mit dem Caritasverband für die Diözese Fulda (DiCV) und der Innenstadtpfarrei am Heiligen Abend zu einer Weihnachtsfeier ein. Von 12 bis 16 Uhr öffnet das Dompfarrzentrum Hinterburg in Fulda seine Türen für Bedürftige und Alleinstehende. Die Gäste erwartet ein warmes Mittagessen, Kaffee und Kuchen und auch ein Weihnachtsgeschenk. Für viele ist es nicht nur das Essen, sondern vor allem das Miteinander, das diesen Nachmittag besonders macht.

Für eben jene gibt es verschiedene Angebote und Anlaufstellen.

Im letzten Jahr wurden viele Geschenktüten für Bedürftige gepackt. Archivbilder: O|N / Martin Engel

Auch in diesem Jahr lädt die Caritas wieder in das Dompfarrzentrum ein. ...
Kostenloses Weihnachtsbuffet
Auch die Gastronomie setzt ein Zeichen gegen Einsamkeit: Das Restaurant Blaue Ziege in Petersberg (Landkreis Fulda) lädt beispielsweise am Heiligen Abend von 11:30 bis 14:30 Uhr zu einem kostenlosen Mittagsbuffet ein. Willkommen sind Obdachlose, einsame Menschen ohne Familie, aber auch alle, bei denen der Geldbeutel in diesem Jahr besonders knapp ist. "Wir denken an die, die Unterstützung brauchen", heißt es vom Team. Neben warmen Speisen und Getränken stehen vor allem Gespräche und ein herzliches Miteinander im Mittelpunkt. Auch Familien mit Kindern sind ausdrücklich eingeladen. Die Aktion lebt vom Weitersagen – denn oft wissen gerade einsame Menschen nichts von solchen Angeboten.

Jana Koch-Zeißig, Pfarrerin von der Christuskirche Archivbild: O|N / Marvin Myketin
"Heiligabend für Traurige" - die Kirche als Gemeinschaftsort
Die Christuskirche informiert darüber, dass der Kooperationsraum "Gemeinsam evangelisch" am 24. Dezember erneut zu einem "Heiligabend für Traurige" einlädt. Beginn ist um 11 Uhr auf dem Vorplatz des Friedhofs am Frauenberg (Fulda), wo eine tröstende Andacht angeboten wird. Gestaltet wird diese von Pfarrerin Jana Koch-Zeißig, Dekan Thorsten Waap sowie Vikar Johannes Trepte von der Christuskirche. Die Veranstaltung richtet sich an Menschen, denen es an diesem Tag nicht warm ums Herz wird.
Natürlich finden an den Weihnachtsfeiertagen auch reguläre Gottesdienste in der gesamten Region statt, die ein Gemeinschaftsgefühl spenden können.

Wer nicht vor die Tür kann oder möchte, der kann auch online oder per Telefon Kontakte ...
Zusammensein übers Telefon oder online
Nicht jeder möchte oder kann an diesen Veranstaltungen teilnehmen. Für diese Menschen gibt es telefonische und digitale Angebote. Die bundesweite Initiative "Keiner bleibt allein" vernetzt Menschen, die Weihnachten oder Silvester nicht alleine verbringen möchten - sei es virtuell oder im echten Leben. Über soziale Netzwerke werden Menschen zusammengebracht, die einen Platz anbieten oder Anschluss suchen. Im vergangenen Jahr meldeten sich zehntausende Interessierte.
Für diejenigen, die nicht vor die Tür möchten oder können, gibt es auch Angebote. Die Hotline "Nummer gegen Kummer" (116 111) ist auf Kinder und Jugendliche spezialisiert. Wer unter 25 ist und nicht gerne redet, kann sich an den Krisenchat wenden. Die Kontaktaufnahme läuft via WhatsApp oder SMS, rund um die Uhr und kostenlos. Für ältere Menschen gibt es zudem das Silbernetz-Telefon (0800 4708090), das speziell auf die Bedürfnisse von Menschen über 60 zugeschnitten ist. Wer einfach jemanden zum Reden braucht, findet hier über die Feiertage ein offenes Ohr.
Einsamkeit ist längst kein Randproblem mehr. Gerade an Weihnachten wird vielen Menschen schmerzlich bewusst, was oder wer ihnen fehlt. Doch nicht jede Person leidet unter einem ruhigen Weihnachtsfest. Manche entscheiden sich ganz bewusst dafür, den Trubel zu meiden. Auch das ist legitim. Wer Weihnachten alleine verbringt, kann den Tag nach eigenen Bedürfnissen gestalten. Entscheidend ist, ob das Alleinsein als selbstgewählt oder als belastend empfunden wird. Für Letzteres gibt es Angebote, Hilfe und Gemeinschaft. Falls Sie, liebe Leser, noch weiter Anlaufstellen in der Region für die Feiertage kennen, schreiben Sie uns gerne an [email protected]. (Emely Schrön) +++
