Mit genau 102 Stimmen - und alle stimmten mit "JA" - ist gestern Abend um 21:46 Uhr der seit knapp sechs Jahren amtierende Fuldaer Bürgermeister Dr. Wolfgang Dippel (CDU) zum neuen Parteichef des CDU-Stadtverbandes gewählt worden. "100 Prozent Zustimmung - da ist auch meine Stimme dabei" sagte er deutlich ins Mikrofon des Fuldaer Dompfarrzentrums, wo der "kleine Wahlparteitag" nach knapp zwei Stunden beendet war.
Dippel ist Nachfolger von Thomas Bach, der sich aus beruflichen Gründen nicht mehr zur Wahl stellte. Der 48-jährige Thomas Bach war seit November 2003 Vorsitzender des CDU-Stadtverbandes und beruflich als Jurist 17 Jahre lang beim Sozialverband VdK tätig. Er wechselt jetzt nach Wiesbaden und wird Referent im Hessischen Ministerium für Arbeit, Familie und Gesundheit unter Minister Jürgen Banzer. Bach, der in Fulda weiter wohnen und auch CDU-Stadtverordneter bleiben will, hatte Wolfgang Dippel als geeigneten Kandidaten für seine Nachfolge vorgeschlagen. Dippel, der seit 2004 Bürgermeister im dreiköpfigen hauptamtlichen Magistrat ist, war erst vor 17 Tagen für eine zweite Amtsperiode von der Mehrheit der Fuldaer Stadtverordnetenversammlung wiedergewählt worden.
Dass Dippel als einziger Kandidat antrat und daher auch gewählt würde, war natürlich sicher. Aber nach der kurzen, kämpferischen "Wahlrede" war allen Anwesenden klar, dass mit Dippel auch ein "frischer Wind" durch die Fuldaer Union gehen wird. Schließlich hat der heute 55-Jährige im "roten" Nordhessen als "Schwarzer" schon viele Kämpfe gefochten und weiß, was es heißt, dort um jede Stimme kämpfen zu müssen. Der frenetische Beifall der Mitglieder-Hundertschaft zeigte, dass Wolfgang Dippel und sein neuer Stil angekommen sind, zumal er gestern Abend nicht nur ein Amt übernahm, sondern auch gleichzeitig verkündete: "Ab heute beginnt der kommunale Wahlkampf - und es ist wichtig, dass die CDU alleine weiter regiert und die Politik in Fulda bestimmt". Er - Dippel - wisse, was "Rot" leisten könne, "im Grunde genommen nichts". In Zukunft werde die Kommunalpolitik immer bedeutsamer - und nur die CDU könne "gut regieren".
Kritik an der Kandidatur für den Parteivorsitz des osthessischen Oberzentrums hatte es von der SPD und den GRÜNEN im Stadtparlament gegeben, die einen stärkeren Einfluss von CDU-Parteipolitik auf die Amtsführung des Bürgermeisters und Sozialdezernenten befürchten. Für beide Fraktionen passt das Parteiamt nicht zur Neutralität des Amtes und der Verpflichtung zur Verantwortlichkeit für alle Bürger der Stadt. Wolfgang Dippel hatte selbst - am Abend seiner Wiederwahl - erklärt, bei diesem "schönen Amt" stehe die Glaubwürdigkeit und Durchsetzungsfähigkeit im Vordergrund; er verstehe "Parteipolitik als Sachpolitik".
Dr. Thomas Bach, durch Widrigkeiten des Bahn-Fahrplans unfreiwillig zu spät in Fulda, dankte in seinem Rechenschaftsbericht zahlreichen politischen Weggefährten für die Unterstützung, vom ehemaligen Oberbürgermeister Dr. Wolfgang Hamberger über die "Büromannschaft", die Landtagsabgeordneten, MdB Michael Brand und Landrat Woide bis hin zu allen Stadtverordneten. "Politik soll den Menschen Perspektiven geben" meinte Bach und zählte dabei zu den "Erfolgen" auch die Tatsache, dass es gelungen sei, die verkaufsoffenen Sonntage von vier auf drei zu reduzieren. Die CDU sei aufgerufen, die Menschen mehr anzuhören, betonte Bach und erklärte, dass die Union immerhin "die größte und stärkste und einzige Volksprtei in Fulda" sei. "Sorge" bereiteten Dr. Bach nach seinen eigenen Worten aber nicht die Parteiaustritte, sondern "die Sterberate". Deshalb sei es für eine lebendige Partei wie die CDU wichtig, mehr Neumitglieder und vor allem junge Menschen und Frauen zu gewinnen. Er wolle nicht einem "unbegrenzten Jugendwahn" das Wort reden, sondern auf die "richtige Mischung kommt es an".
Mit einer gewissen Spannung war natürlich die "Wahlrede" von Dr. Wolfgang Dippel erwartet worden, der den Vorsitz in Fulda als einem der größten CDU-Stadtverbände in Hessen als "schwere Aufgabe" bezeichnete. Für ihn sei Parteiarbeit "kein Einzel- sondern Mannschaftsport", das müsse sich die CDU Fulda jetzt "auf die Fahnen schreiben". Heftige Kritik übte er zunächst an der Lage der CDU im Bund, die sich offenbar mit 36 Prozent zufrieden gebe. Die Christdemokraten sollten sich stärker engagieren, dass bald wieder ein "4" im Ergebnis stehe. Harte Arbeit sei auch in Fulda notwendig: "Ich will 50 plus X". Und weil Politik "unten" anfange, müsse die Partei "ran an die Bürger, raus aus den Amtsstuben". Dippel erinnerte daran, dass die CDU bundesweit innerhalb weniger Jahre rund 66.000 Mitglieder und 3,6 Millionen Wähler verloren habe.
Für den neuen Parteichef Dippel ist klar, dass "heute der Kommunalwahlkampf begonnen hat". Er wolle mit allen Christdemokraten gemeinsam "die CDU weiter nach vorne bringen". Manchmal habe er - Dippel - das Gefühl,als könnten die Fuldaer nicht nachvollziehen, was alles seit der letzten Wahl erreicht und gemacht wurde. "Wir brauchen uns von den anderen Parteien nichts vormachen lassen" sagte er und verwies auf jüngste wirtschaftspolitische Zahlen. Danach seien von über 42.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Fulda knapp 30.000 Einpendler und nur knapp 7.000 Auspendler. Mit brausendem Beifall quittierte die Hundertschaft der Mitglieder Dippels Rede, die für viele auch ein Wendepunkt im politischen Umgang in Fulda markieren dürfte. (ma) +++
