
Frohe Gesichter, wohin man in den sechs Innenstadt-Würfelbastionen schaute. Hier im Marktcafé - Fotos: goa
ALSFELD
Tradition mit neuem Leben
Silvesterwürfeln in gleich zwei neuen Locations
01.01.26 - Todgesagte leben länger! Vor wenigen Jahren musste man sich nach Corona und den Problemen der Gastronomie noch ernste Sorgen um das jahrhundertealte Silvesterwürfeln in den Alsfelder Gaststätten und Cafés machen. Doch die Trendwende scheint gelungen: nach einer Teamwork-Wiederbelebung im Vorjahr gab es diesmal gleich zwei Locations-Premieren – innerhalb einer kurzen Wegstrecke rund um den Marktplatz hatte man ab 13.00 Uhr gleich an sechs Stellen die Qual der Wahl – oder man machte es wie viele andere und tingelte nach der einen oder anderen Würfelrunde zur nächsten Örtlichkeit, in der Hoffnung, dort einen Platz zu bekommen.

Volles Haus (auch) in der Gemütlichkeit
Der allgemeine Warnhinweis "Glücksspiel kann süchtig machen!" soll hier nicht in Frage gestellt werden, aber wer am Silvesternachmittag in die generationsübergreifend freudestrahlenden Gesichter der Würfelspieler schaut, wird für diesen Tag und unter den geltenden Regeln einer anlassbezogenen Abwandlung zustimmen: "Glücksspiel in Form des Silvesterwürfelns kann glücklich machen!". Auffallend viele Familien mit Kindern finden sich an den Spieltischen der Lokale wieder, immerhin gibt es als Sachpreise neben Herzhaftem auch süße Leckereien zu gewinnen – es ist für Jeden etwas dabei. Und Spaß am Würfeln ist ohnehin an kein Alter oder Geschlecht gebunden.
Die 2024er-Tandem-Wiederbelebung des Silvesterwürfelns im Marktcafé war keine Eintagsfliege: auch in diesem Jahr organisierte der CDU-Stadtverband die dortigen Spieltische. Gleich eine doppelte personelle Premiere gab es dabei an maßgeblicher Stelle für Martin Giese: erstmals als neuer Stadtverbandsvorsitzender und erstmals als Würfel-Tischmeister fühlte sich Giese sichtlich pudelwohl. "Die Tradition des Silvesterwürfelns habe ich schon als Alsfelder Kind erlebt, und sie darf einfach nicht aussterben, sondern gehört zu Silvester einfach unbedingt dazu. Die beiden Rollen hier einzunehmen, das empfinde ich als persönliche Ehre". Beim Blick in die Runde verstärkte sich das breite Lächeln – die Resonanz war wie im Vorjahr prächtig und der Gewinne-Tisch lehrte sich. "Keine Angst, wir haben noch Nachschub", beruhigte Ralf Pfeiffer mit Insiderwissen.

Inge genießt mit ihren Schwiegersöhnen die Traditionsveranstaltung
In der Obergasse gab es in Kottes Pranger erstmals unter dieser Regie wieder ein Silvesterwürfeln, während Konditormeisterin Birgit Günther im Rahmen des "Winterzaubers in der Museumsscheune", der noch bis zum 10.1. läuft, genau jene belebte. Das "Mainzer Tor" war wieder dabei, ebenso wie der "Würfel-Tempel Zur Gemütlichkeit". Hier freut sich Inge, die mit 94 Jahren wohl älteste Teilnehmerin mit ihren aus Berlin und Köln angereisten Schwiegersöhnen, die sie wie immer gerne begleiten. Seit fast 80 Jahren lebt Inge in Alsfeld, und diese Tradition gehört für sie zum Jahresende einfach dazu, sagt sie strahlend. Zwar etwas jünger, aber auch unverwüstlich ist Udo Rahn mit seinem historischen Café auf zwei Etagen, während seine Kreppeln auch am Tresenverkauf gut nachgefragt sind.
In den "Silvesterwürfel-Krisenzeiten" war das Café Rahn so etwas wie der Kralshüter des Silvesterwürfelns. Hier dürfte die Teilnehmerin mit der weitesten Anreise zu finden gewesen sein: sie sei eigens aus Dänemark zum Silvesterwürfeln nach Alsfeld zur Familie gekommen, wurde an einem Tisch im Erdgeschoss versichert. (goa) +++
Premiere: erstmals wurde in der Museumsscheune gewürfelt