Archiv

FULDA Lichterkonzert Dom

Lichterkonzert im Hohen Dom: Das Innerste zum Klingen bringen

04.01.26 - Schon um 19:20 Uhr waren die Schlangen vor den Eingängen am Hohen Dom zu Fulda lang und länger, denn das alljährliche Lichterkonzert wollten die Fuldaer sich natürlich nicht entgehen lassen. Dass es ein musikalischer Hochgenuss und ein Geschenk zum Jahresauftakt sein würde, wussten schließlich alle.

Binnen Minuten war der Dom bis auf den letzten Platz besetzt. Die vielen tausend Lichter schufen eine ganz besondere Atmosphäre.

Das Licht der Welt


Weihbischof Prof. Dr. Karlheinz Diez begrüßte Publikum, JugendKathedralChor, Domkapellmeister Franz-Peter Huber und Domorganist Max Deisenroth und zitierte eine Kyrie-Vertonung Marie Luise Thurmayrs. 1952 schrieb diese ein Kyrie – Kirchgängern ist es sehr vertraut, wird es doch in der Weihnachtszeit oft gesungen: "Licht das uns erschien, Kind vor dem wir knien" (GL 159).

Lichterkonzert im Hohen Dom zu Fulda – ein musikalisches Erlebnis Alle Fotos: Martin Engel

Alle Fotos: Martin Engel

Ein Traumpaar der Kirchenmusik – Domorganist Deisenroth und Domkapellmeister ...

Bis auf den letzten Platz war der Dom besetzt

Von diesem Kyrie ausgehend schlug er den Bogen über "Licht und Leben als Urworte der Sprache" zum Johannes-Evangelium mit dem Jesus-Wort "Ich bin das Licht der Welt, wer mir nachfolgt, wird nicht wandeln in Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben." Für dieses Licht Jesu stünden symbolisch auch die Kerzen, mit denen der Dom erleuchtet war – "jede einzelne von ihnen überstrahlt die Dunkelheit". Mit dem Wunsch, das Konzert möge unser Innerstes zum Klingen bringen, schloss Weihbischof Diez seine berührende Begrüßung.

Tausende Lichter erstrahlten im Dom und schufen eine ganz besondere Atmosphäre ...

Auf dem Weg zur Chor-Empore – Domkapellmeister Franz-Peter Huber und der JugendKathedralChor ...

Weihbischof Prof. Dr. Karlheinz Diez begrüßte zum Konzert

Magische Lichtstimmung im Dom auch an den Seitenaltären

Vielleicht klangen seine Worte gerade an diesem Abend besonders intensiv nach. Denn das neue Jahr ist erst drei Tage alt, und der heutige Tag hat neue Kriegs-Schrecken in unser Leben gebracht. Der Jahreswechsel hat keinen einzigen bereits bestehenden Konflikt oder Krieg verschwinden lassen, die Nachrichten berichten tagtäglich vom Leid in aller Welt. Man darf, man muss sich also fragen: Wie sollen wir das verarbeiten? Wie schaffen wir es, uns nicht erdrücken zu lassen? Wie stemmen wir uns der Verzweiflung entgegen? Es sind keineswegs nur die äußeren Faktoren, die heftig auf uns einwirken. Auch unsere eigene Unvollkommenheit, die Fehler, die wir gemacht haben, Dinge, die wir getan oder nicht getan haben, sind durch den Jahreswechsel nicht auf Null gestellt worden. Der Jahreswechsel ist ein Signal, neu anzufangen, neue Akzente zu setzen, sich erneut auf den Weg zu machen.

Einfach, schlicht und zu Herzen gehend

Vielleicht könnte ein Vorsatz für 2026 lauten, mehr nach innen zu hören, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren, der Freude Raum zu geben und Licht zu sein statt Düsternis zu verbreiten? Dafür war das Lichterkonzert genau die richtige Einstimmung. Das Programm war klug und sensibel zusammengestellt. Es war kein Konzert, in dem die Beteiligten brillieren wollten – wenngleich sie das allesamt könnten.

„Als ich bei meinen Schafen wacht“ – mit Echo-Effekt: hinten sang der Chor, auf ...

Aus luftigen Höhen der Blick in den vollbesetzten Dom hinunter

Die ausgewählten Weihnachtslieder hätten vermutlich viele im Publikum mitsingen können. Es waren bekannte Lieder, die oft in Gottesdiensten erklingen, sicherlich auch bei Hauskonzerten oder von mancher Playlist zu hören sind – von "Ich steh an deiner Krippe hier" über "In dulci jubilo", "Als ich bei meinen Schafen wacht", "Vom Himmel hoch", "Nun freut euch, ihr Christen/Adeste Fidelis", "Tochter Zion", "Zu Bethlehem geboren" und "Hark, the Herald Angel sing". Es waren typische Weihnachtslieder in dem Sinne, dass sie einfach und ergreifend sind. Schlicht und schön. Und natürlich waren die klassischen ‚Weihnachtskomponisten‘ allesamt vertreten – von Michael Praetorius, Johann Sebastian Bach, Georg Friedrich Händel bis zu den beiden Briten John Rutter und David Willcocks mit modernen Bearbeitungen klassischer Weihnachtslieder.

Mächtige und zarte Orgelklänge

Max Deisenroth, der sich schon in seinem Einführungskonzert als Meister der Improvisation gezeigt hatte, setzte diese Linie im Lichterkonzert fort. Zwei seiner Improvisationen griffen Weihnachtslieder auf, die vorher vom Chor gesungen worden waren. Dazu zählt die Choralbearbeitung im barocken Stil zu "Ich steh an deiner Krippe hier" und die Variations symphoniques improvisées über den Choral "Hört es singt und klingt mit Schalle" – das Lied "Quem Pastores laudavere" hatten wir davor in einer Version John Rutters gehört.

Diese drei Herren sind noch unterwegs zur Krippe – die Hl. Drei Könige im Hohen Dom ...

Silvia Wierlacher, Sabine Breidung und Alexandra Adomeit vom Domchor-Management. ...

Der weihnachtlich geschmückte Altarraum

Domorganist Max Deisenroth

Mit "Noël Étranger" von Louis-Claude Daquin (1692-1772) leitete Deisenroth das Konzert ein – das fremde Weihnachten. Fremd? Was der Komponist damit wohl gemeint hat? Musik, die seiner Pariser Gemeinde unbekannt war, oder eine ungewöhnliche Art eines Orgelvorspiels? Oder wollte des Königs persönlicher Organist Ludwig XV. erstaunen und verwirren? Oder ist es ein Hinweis darauf, dass dieser Weihnachtsvers ursprünglich aus dem Ausland stammte? "Noël Étranger" stammt aus einer Sammlung von 12 Weihnachtsliedern, die Daquin für die klassische französische Orgel zusammengestellt hatte.

Völlig anders in Stil, Klang und Wirkung dann Marcel Duprés (1886-1971) drei Choralvorspiele, op. 28 (aus insgesamt 79 Choralvorspielen). Man kann sie als Antwort oder Auseinandersetzung mit den Préludes von Johann Sebastian Bach verstehen – oder auch als Hinführung zu ihnen. Und sie zeigen die Meisterschaft Duprés als Komponist für die Orgel. Sowohl das Stück von Daquin als auch das von Dupré sind Stücke von Komponisten, die für ihre Improvisationen an der Orgel berühmt waren.

Wie erfolgreich wäre Weihnachten eigentlich ohne Musik?

Musik ist eine der ältesten Ausdrucksformen des Menschen – in jeder Kultur. Gerade in der Advents- und Weihnachtszeit spielt Musik eine besondere Rolle. Manchmal eine lästige, wenn wir uns dem ‚Gedudel‘ auf Weihnachtsmärkten oder in Geschäften nicht entziehen können. Dort ist die Musik wenig mehr als Kulisse. Und doch erfüllt sie sogar dort einen tieferen Zweck: Sie macht unüberhörbar klar, dass Weihnachten kommt.

Im Lichterkonzert waren wir weit weg von der Kommerzialisierung des Weihnachtsfestes, auch weit weg von der Entkernung und Verkitschung, wie sie uns in diesen Wochen so oft begegnet. Hier waren die Beteiligten genauso wie das Publikum ganz bei und in der Weihnachtsbotschaft. Das Konzert zeigte den Reichtum der Kirchenmusik auf und machte klar, wie ungeheuer groß die Bedeutung der Musik für das Weihnachtsfest ist. Jenseits der Theologie und jenseits der Evangelien: Vielleicht wäre das Weihnachtsfest nie so beliebt geworden, gäbe es nicht diese wunderbaren Weihnachtslieder.

Auch an der Krippe strahlt ein Licht, hier das Feuer der Hirten

Domkapellmeister Franz-Peter Huber

Anke Zimmer und Jutta Hamberger berichten für die FZ und für ON vom Konzert ...

Wie immer zum Ende des Lichterkonzerts erklang die Zugabe nicht hinten von der Chor-Empore, sondern von vorn, genauer gesagt, diesmal sogar aus der Mitte des Raums. Die Sängerinnen und Sänger nämlich trugen jeweils ihre Kerze nach vorn und stellten sich rechts und links der Bankreihen auf – dann erklang "Es ist ein Ros entsprungen" – Domkapellmeister Huber dirigierte aus dem Mittelgang heraus. Über 400 Jahre alt ist dieses Weihnachtslied von Michael Praetorius, das heute so beliebt ist wie damals, obwohl sein Text so rätselhaft ist. Die Kernbotschaft aber haben Menschen zu allen Zeiten verstanden: Heller Schein vertreibt die Finsternis.

Mit lang anhaltendem Beifall bedankten sich die Zuhörer:innen bei den Mitwirkenden des Lichterkonzerts für ihre grandiose Leistung. Auf dass wir dieses weihnachtliche Innehalten das ganze Jahr über in uns erspüren können – in guten und in schlechteren Tagen. (Jutta Hamberger) +++

Generalvikar a. D. Christof Steinert


Über Osthessen News

Kontakt
Impressum
Cookie-Einstellungen anpassen

Apps

Osthessen News IOS
Osthessen News Android
Osthessen Blitzer IOS
Osthessen Blitzer Android

Mediadaten

Werbung
IVW Daten


Service

Blitzer / Verkehrsmeldungen Stellenangebote
Gastro
Mittagstisch
Veranstaltungskalender
Wetter Vorhersage

Social Media

Facebook
Whatsapp
Instagram
TikTok

Nachrichten aus

Fulda
Hersfeld Rotenburg
Main Kinzig
Vogelsberg
Rhön