
Hohe Zahlen, andere Ursache: Der Landkreis Fulda erklärt das überdurchschnittliche Pro-Kopf-Müllaufkommen mit gut genutzten Sammelsystemen. - Archivfoto: Niklas Sven Brumund
FULDA
Das steckt hinter den Zahlen
Warum der Landkreis besonders viel Müll produziert - und doch richtig handelt!
12.01.26 - Der Landkreis Fulda hat sich gegenüber OSTHESSEN|NEWS zu den aktuellen Müllzahlen geäußert - und die überraschen: Mit 499 Kilogramm Abfall pro Kopf liegt die Region deutlich über dem hessischen Durchschnitt. Grund dafür ist jedoch kein sorgloser Umgang mit Müll, sondern die besonders intensive Nutzung der kommunalen Wertstoff- und Grünabfallsysteme, die 2024 insgesamt 111.094 Tonnen Abfall erfassten.
"Die Zahl der Abfallmengen ist nicht mit dem tatsächlichen Aufkommen gleichzusetzen, sondern sie drückt zunächst nur aus, was über die öffentlichen Sammlungen geflossen ist. Die Zahlen sind ein Zeichen dafür, dass die kommunalen Sammelsysteme im Landkreis Fulda offenbar sehr gut von den Bürgerinnen und Bürgern genutzt werden und größere Menge in diese Systeme fließen", erklärt der Landkreis Fulda auf Nachfrage von O|N.

Wertstoffe im Fokus: Papier, Glas, Verpackungen und Bioabfälle machen im Landkreis ...Symbolbild: Gudrun Schmidl
Wertstoffsammlung wiegt schwer
Besonders deutlich wird dies bei der Pro-Kopf-Menge: Von den 499 Kilogramm stammen 327 Kilogramm allein aus den Wertstoffsammlungen. "Das sind rund 70 Kilogramm mehr als im hessenweiten Durchschnitt der Getrenntsammlung. So kommen die Mehrmengen bei der Gesamtabfallmenge zustande. Das zeigt, dass die Wertstoffsammelsysteme im Landkreis Fulda dank des kostengünstigen und bürgernahen Gesamtentsorgungssystems sehr gut funktionieren und von den Bürgerinnen und Bürgern gut angenommen werden."

Wertstoffhöfe und Sammelstellen im Landkreis Fulda werden von Bürgerinnen und ...Archivfoto: O|N

Bioabfälle aus dem Landkreis Fulda werden nahezu vollständig zu Energie und Kompost ...Symbolbild: Stadt Fulda
Unternehmen spielen Schlüsselrolle
Auch strukturelle Faktoren spielen eine Rolle: Viele kleine Unternehmen entsorgen ihre Restabfälle über den Hausmüll, statt private Entsorgungsfirmen zu beauftragen. Grünabfälle werden zudem gebührenfrei auf Wertstoffhöfen abgegeben, wodurch die Sammelplätze intensiv genutzt werden. "Entscheidend ist, dass das Gesamtentsorgungssystem auf die Verhältnisse vor Ort abgestimmt ist und die Bevölkerung dieses entsprechend nutzt. Dass das im Landkreis Fulda ganz offensichtlich der Fall ist, verdeutlichen die gesammelten Wertstoffmengen", so der Landkreis weiter.
Recyclingquote sehr gut
Die konsequente Mülltrennung sorgt zudem für eine hohe Recyclingquote. Fast alle Bioabfälle werden in der Biothan-Anlage zu Bio-Erdgas und Kompost verarbeitet. "Ressourcen- und Klimaschutz gelingt nur mit der konsequenten Trennung und bestmöglicher Verwertung von Abfällen. Die Trennung der Wertstoffmengen gelingt im Landkreis Fulda gut. Vorrangig sind jedoch das Bewusstsein und die Bereitschaft zur Abfallvermeidung wichtig. Hier ist die Eigenverantwortung aller gefragt: bedarfsgerecht einkaufen, auf langlebige Produkte achten, reparieren statt ersetzen und Gebrauchtwarenmärkte und -portale wie den ‚Verschenkemarkt‘ des Landkreises Fulda nutzen."

Die konsequente Mülltrennung sorgt im Landkreis Fulda für hohe Wertstoffzahlen ...Archivfoto: O|N

Archivfoto: Niklas Sven Brumund

Archivfotos: Rene Kunze
Die Zahlen zeigen also: Fuldaer Haushalte produzieren zwar viel Müll, doch sie tragen gleichzeitig aktiv zur Kreislaufwirtschaft bei. Die hohe Pro-Kopf-Menge ist weniger ein Warnsignal, sondern vielmehr ein Beleg für die funktionierenden Sammelsysteme und das Engagement der Bevölkerung.
(Constantin von Butler) +++