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Pressekonferenz im Landratsamt - Fotos: Kevin Hildebrand

BAD HERSFELD Pressekonferenz im Landratsamt

Arbeitslosenquote in Hersfeld-Rotenburg steigt 2025 an

13.01.26 - Die Bundesagentur für Arbeit hat am Montag gemeinsam mit dem Kommunalen Jobcenter Hersfeld-Rotenburg die Arbeitslosenzahlen für den Landkreis für das Jahr 2025 präsentiert. Im Vergleich zu den Vorjahren steigt die Anzahl der Arbeitslosen an – doch es gibt auch positive Nachrichten.

Arbeitsagentur-Chefin tritt neuen Posten an

Eröffnet wurde die Pressekonferenz vom Ersten Kreisbeigeordneten Dirk Noll – und der hatte neben Zahlen und Daten auch ein Geschenk im Gepäck. Und zwar für Katharina Henkel, die seit Anfang des Jahres neue Vorsitzende der Geschäftsführung der Arbeitsagentur Bad Hersfeld/Fulda ist. Nach der obligatorischen Begrüßung präsentierte diese auch sofort die ersten Zahlen, die auf den ersten Blick weniger herzlich aussahen.

So beträgt die Arbeitslosenquote für den Landkreis Hersfeld-Rotenburg 4,3 Prozent. In Zahlen heißt das: 2839 Arbeitslose. Im Vergleich zum Vorjahr stieg die Quote um 0,2 Prozentpunkte, im Altkreis Rotenburg beträgt diese Zahl sogar 4,5 Prozent. Aber Henkel hatte auch positive Nachrichten im Gepäck: über zehn Jahre gesehen hat sich der Landkreis stark verbessert, gegenüber 2015 gibt es 7,3 Prozent weniger Arbeitslose. "Damit haben wir die geringste Arbeitslosenquote in Hessen", ergänzte Dirk Noll.

Starker Anstieg im Bereich der Arbeitslosenversicherung

Den größten Anstieg in Sachen Arbeitslosigkeit verzeichnet der Landkreis im SGB III (SGB steht für Sozialgesetzbuch). Das SGB III kümmert sich um Arbeitslose, die Anspruch auf Arbeitslosengeld haben. Hier vermeldete Agentur für Arbeit und das Kommunale Jobcenter einen Anstieg von 818 auf 1009 Leistungsempfänger – ein Plus von 23,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Im Bereich SGB II (Bürgergeld) waren die Zahlen leicht rückläufig, von 1872 auf 1830 Personen. Damit zeigte sich Katharina Henkel sehr zufrieden.

Arbeitslosigkeit betrifft vor allem Männer

Im Anschluss stellte René Bieber vom Kommunalen Jobcenter Hersfeld-Rotenburg die Verteilung der Arbeitslosen vor. Von den 2839 Personen sind 1555 männlich, außerdem stieg die Anzahl der jungen Arbeitslosen unter 25 an. 2024 lag diese Zahl bei 317 Personen, 2025 bei 373. "Hier besteht allerdings ein hoher Einfluss durch die Krise in der Ukraine. Wir haben im Landkreis vor allem viele Familienverbunde mit jungen Menschen, die durch die Sprachbarriere keinen Job finden", erklärte Bieber.

Im Schnitt 4 Monate arbeitslos

3169 Menschen verloren in 2025 im Landkreis ihren Job, dagegen stehen 2272 Personen, die wieder ein Beschäftigungsverhältnis aufnahmen. Eine positive Entwicklung laut Bieber, denn: "Der Arbeitsmarkt ist nicht starr, wir haben sieben Prozent mehr Job-findende als noch 2024. Das ist gut." Im Schnitt beziehe eine Person rund vier Monate Arbeitslosengeld, ehe sie wieder arbeiten geht. Auch hier hebt Bieber hervor: "Wir haben 949 Personen in eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung vermittelt. Das liegt weit über unserer Prognose von 888 Menschen."

Krankheit ist ein Hauptgrund für Langzeitarbeitslosigkeit

In Sachen Langzeitleistungsbezug – also Personen, die in den letzten 24 Monaten 21 Monate lang eine Grundsicherung erhalten haben – werden 2330 Menschen vom Landkreis betreut. Der Hauptgrund dafür: Krankheit, vor allem psychische Erkrankungen steigen stark an. Frank Kamolz, Bereichsleiter der Agentur für Arbeit Bad Hersfeld/Fulda sprach an, dass auch die Themen Vermittlung von Frauen aufgrund mangelnder Kinderbetreuung und Sprachbarrieren diese Zahl nach oben trieben. "Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge hat die Förderung für Sprachkurse gestrichen. Das zeigt sich stark in den Zahlen des Langzeitleistungsbezugs."

Immer weniger Unternehmen suchen Mitarbeiter

Zudem machte Kamolz deutlich, dass die gesamte Zahl der Arbeitslosen und Leistungsbezieher stark auf das Stellenangebot im Landkreis Hersfeld-Rotenburg zurückzuführen ist. Während im Jahr 2015 noch 5338 Stellenmeldungen über die Agentur für Arbeit geschaltet wurden, waren es 2025 nur 2223. Ein sattes Minus von 58,4 Prozent. Der Grund dafür ist vor allem die schwächelnde Automobilbranche. Im Kreis gebe es viele Zulieferer für große Autobauer, deren Aufträge stark zurückgegangen seien. Zudem herrsche im Landkreis noch immer ein Fachkräftemangel. Über 50 Prozent der Stellenangebote der Arbeitsagentur richten sich an Fachkräfte, also Personen mit mindestens einer abgeschlossenen Ausbildung. "Die Hälfte der Menschen hier im Landkreis hat aber nicht das dafür benötigte Level", erklärte Kamolz.

Fast 10 Millionen Euro für Weiterbildungen

Um dieses Problem in den Griff zu bekommen, investierte die Agentur für Arbeit 2025 insgesamt 9,41 Millionen in Weiterbildungen. Allerdings gilt diese Zahl für den Bereich Bad Hersfeld/Fulda. Der Schwerpunkt lag laut Kamolz darin, Arbeitssuchende im Bereich Digitalisierung zu schulen. 6,66 Millionen Euro der Summe wurden präventiv in beschäftigte Personen investiert, um zukünftige Arbeitslosigkeit zu vermeiden.

Fachkräfte aus dem Ausland wichtig

Zuletzt gab Katharina Henkel noch einen Einblick in die Beschäftigungszahlen für das Jahr 2025. 49.531 Menschen im Bereich der Arbeitsagentur Bad Hersfeld/Fulda gingen demnach einer Beschäftigung nach. Eine Steigerung von rund 300 Personen gegenüber 2020. Aber: "Von 2015 bis 2025 verzeichneten wir bei dieser Zahl ein Plus von 278 Prozent bei den Ausländern und ein Minus von 4,1 Prozent bei den Deutschen. Ohne Fachkräfte aus dem Ausland, grade im Bereich Pflege und Gastro, könnten wir diese guten Zahlen nicht halten", sagte Henkel.

Ein Ausblick für das Jahr 2026

Um in 2026 bessere Zahlen im Landkreis Hersfeld-Rotenburg präsentieren zu können, seien ein intensives Fallmanagement für die Personengruppe der unter 25-Jährigen geplant. Heißt: engere und häufigere individuelle Betreuung. Außerdem erhalte der Landkreis laut Kreisbeigeordneten Dirk Noll ab 2026 über vier Jahre einen Investitionsbooster in Höhe von 60 Millionen Euro. Damit sollen Unternehmen ganz unbürokratisch entlastet werden. "Wir hoffen, dass die Arbeitslosenzahlen dadurch in die richtige Richtung gehen", zeigte sich Noll optimistisch. (Kevin Hildebrand) +++


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