
Der Maler Peter Henryk Blum in seinem Atelier in Motten - Fotos. Carina Jirsch
REGION
Schwierige Recherche, zweimalige Umsetzung
Maler Peter Henryk Blum porträtiert - nicht nur - Oberbürgermeister
08.08.26 - Dass der bekannte Maler Peter Henryk Blum talentiert ist, hatte sich schon früh in seiner Jugend herauskristallisiert. So kopierte er bereits als 16-Jähriger Leonardo da Vincis Zeichnungen und malte auch Rembrandts Nachtwache für einen ordentlichen Preis in Öl - eine Auftragsarbeit. Das "Jugendwerk" steht bei unserem Besuch gerade zur Restaurierung in Blums Mottener Atelier. Das Gemälde des 61-Jährigen ist beileibe nicht das einzige, das einen angesichts der hohen Präzision staunen lässt. Zwei erst in jüngster Zeit entstandene Porträts zeigen den ehemaligen Fuldaer Oberbürgermeister Erich Schmidt, der als Rathauschef mit der kürzesten Amtszeit - von Juni 1945 bis Juli 1946 - in die Stadtgeschichte einging.

Aus dieser schon mit KI bearbeiteten Vorlage eines kleinen unscharfen Passbilds von ...Fotos: Carina Jirsch

Das ist die erste Version für die OB-Ahnen-Galerie von Oberbürgermeister Erich ...

Peter Henryk Blum beim O|N-Atelierbesuch

Später tauchte dann noch diese Aufnahme im Stadtarchiv auf, die ebenfalls mit KI perfektioniert ...

Den historischen Stadtplan malte Blum als Hinteegrund

Im Hintergrund die zwei Porträts von Erich Schmidt

Die Fuldaer Stadträte bevorzugten dann aber diese Version

Da hängt er jetzt und vervollständigt die "Ahnengalerie" der ehemaligen Oberbürgermeister: ...Fotos (2): Johannes Heller

Alle Bilder sind messinggerahmt im Format 110 mal 90 Zentimeter, ganz links Dr. Georg ...
Sein Konterfei fehlte bislang als einziges in der Galerie aller Stadtoberhäupter, mittlerweile zehn an der Zahl - im Fuldaer Stadtschloss, was sicherlich auch an der Kürze seiner Amtszeit und den Turbulenzen der Nachkriegszeit lag. Im Zusammenhang mit der Diskussion, ob das Porträt des umstrittenen früheren Fuldaer Oberbürgermeisters Dr. Franz Danzebrink wegen dessen Rolle in der Nazi-Zeit in der Galerie verbleiben oder doch besser entfernt werden sollte, wurde von den Stadtverordneten der Wunsch thematisiert, ein Bild des fehlenden OB Erich Schmidt nachträglich zu ergänzen. Diese Lücke sollte Blum im Auftrag der Stadt schließen, denn er hatte bereits das Ölgemälde des ehemaligen OB Gerhard Möller für die Galerie angefertigt. Das Problem: Von dem Kurzzeit-Oberbürgermeister existierte lediglich ein einziges, völlig verpixeltes und unscharfes kleines Passbild - als Vorlage für ein Brustbild oder ein lebensgroßes Gemälde denkbar ungeeignet. Die Gestalt einfach "nachzuerfinden", verbot sich. Auf dem Bild sieht man Schmidt im Halbprofil. "Außerdem war sein Ohr nicht zu erkennen, es war als Vorlage fast nicht zu gebrauchen", sagt der Künstler. Schmitts Vorgänger und Nachfolger wie Cuno Raabe, Franz Rang bis zu Alfred Dregger sind alle in Ganzkörperansicht stehend zu sehen.

Eine Kopie von Rembrandts Nachtwache, die Blum vor Jahren als Auftragsarbeit ausführte, ...

O|N-Redakteurin Carla Ihle-Becker
Unscharfe Fotovorlage mit Ohr im Schatten
Die schwierige Aufgabe löste Blum mit Phantasie und handwerklichem Geschick. Mittels KI konnte ein Freund Blums das Foto so weit wiederherstellen, dass er tatsächlich ein Porträt anfertigen konnte. Um die stehende Position seines längst verstorbenen Modells zu simulieren, musste ein williger Nachbar Blums dessen Position einnehmen, natürlich der Zeit entsprechend in dunklem Anzug und Fliege. Zur so wiederbelebten Gestalt Erich Schmidts fügte er einen schematisierten Fuldaer Stadtplan aus der Zeit um 1945 auf dunkelgrünem Hintergrund ein.

Erinnerung an die gerichtlich verfügte Verbrennung senes Bildes "Praline" ...
Kaum war diese komplizierte Vorarbeit und das Gemälde Blums vollendet, entdeckte der damalige Kulturamtsleiter Dr. Thomas Heiler im Stadtarchiv zufällig doch noch ein wesentlich deutlicheres Foto, das Schmidt sogar in der gewünschten repräsentablen stehenden Pose zeigte. Blum ließ sich nicht lumpen und malte Schmidt nun nach der neuen Vorlage nochmal. Beide Bilder wurden kürzlich den Fuldaer Magistratsmitgliedern vorgestellt, damit sie entscheiden sollten, welches der beiden Porträts nun in die "OB-Ahnen-Galerie" einziehen sollte. Und es lässt sich leicht erraten, wie diese Wahl ausfiel: Das zweite Gemälde erschien den Stadträtinnen und -räten geeigneter. Seit kurzem hängt es nun im Stadtschloss und vervollständigt so die Reihe der Stadtoberhäupter.

Präzision: dieses Porträt besteht aus unzähligen hauchfeinen Federstrichen ...

Die Entscheidung des Magistrats fiel eindeutig für dieses Portät aus
Von Dr. Wolfgang Hamberger, der von 1970 bis 1998 am längsten von allen Oberbürgermeistern im Amt war und seinem Nachfolger Dr. Alois Rhiel (1998 bis 2003) existieren übrigens keine Ölgemälde, sondern Fotografien. Sich malen zu lassen, hatte Hamberger strikt abgelehnt, weil das in seinen Augen nur zusätzliche Kosten verursacht hätte. Auch Dr. Rhiel fand, dass die Fotografie von ihm mit Amtskette vollauf genüge. (Carla Ihle-Becker)+++
