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In 20 Tagen in eine andere Welt - Fotos: privat

KÜNZELL In 20 Tagen in eine andere Welt

Klassenspiel an der Rudolf Steiner Schule begeistert fast 1.000 Zuschauer

10.02.26 - as Klassenspiel der 12. Klasse ist an Waldorfschulen weit mehr als eine Theateraufführung. Es ist ein pädagogischer Höhepunkt der Schulzeit, ein gemeinsames Projekt, das künstlerische, soziale und persönliche Entwicklungsprozesse bündelt. An der Rudolf Steiner Schule Loheland blickt das Klassenspiel seit der Gründung der Schule auf eine lange Tradition zurück. Auch in diesem Jahr wurde diese Tradition mit großem Engagement fortgeführt.

Die 12. Klasse entschied sich für das Stück Der Club der toten Dichter. Innerhalb von nur 20 Tagen tauchten die Schülerinnen und Schüler in eine andere Welt ein und ließen das Publikum für zweieinhalb Stunden an dieser Welt teilhaben.

Theater als pädagogischer Erfahrungsraum

Das Klassenspiel ist fester Bestandteil des Waldorflehrplans in der gymnasialen Oberstufe. Es fordert Teamfähigkeit, Eigenverantwortung, Durchhaltevermögen und künstlerische Gestaltungskraft. Dass dieser Prozess an der Rudolf Steiner Schule Loheland seit Jahrzehnten gelingt, zeigte sich auch in diesem Jahr eindrucksvoll: Die Schülerinnen und Schüler entwickelten nicht nur das Spiel selbst, sondern erarbeiteten ebenso Kulissen, Kostüme und Requisiten eigenständig.

Unter der Regie von Tia ten Venne entstand eine interaktive Erlebnisinszenierung, die in insgesamt vier Aufführungen fast 1000 Zuschauerinnen und Zuschauer erreichte.

Mitten im Geschehen

Das Klassenzimmer der renommierten "Welton Akademie" befand sich nicht auf einer klassischen Bühne, sondern mitten im Franziskusbau, einem der ältesten Gebäude in Loheland, heute über 100 Jahre alt. Die historische Architektur bot eine eindrucksvolle Kulisse für das Internat der späten 1950er-Jahre.

Die Inszenierung bezog das Publikum aktiv in das Bühnengeschehen ein. Die Zuschauerinnen und Zuschauer bewegten sich durch verschiedene Spielorte, wechselten Räume und Perspektiven und wurden so Teil der Handlung. Auf diese Weise entstand eine besondere Nähe zu den Figuren und ihren Konflikten.

Gemeinsam mit den Jungen um Todd Anderson, Neil Perry, Charlie Dalton, Richard Cameron und Steven Meeks erlebte das Publikum den Aufbruch einer Generation, den Willen zur Selbstbestimmung und die Herausforderungen eines streng reglementierten Internatsalltags. Zentral ist dabei die Figur des neuen Lehrers Mr. Keating, der die Jungen ermutigt, eigenständig zu denken und ihren eigenen Weg zu gehen – eindrucksvoll dargestellt von Samuel van Eyck.

Eine besondere Herausforderung stellte die Darstellung des Neuankömmlings Todd Anderson dar: eine schüchterne, zurückhaltende Persönlichkeit mit hohen moralischen Maßstäben. Diese Rolle wurde von Ronja Nituna Grob und Jaqueline Neumann mit großer Feinfühligkeit und präziser Rollenerarbeitung umgesetzt.

Eindrucksvolle Einzelleistungen

Besonders berührend war die Darstellung der Figur Neil Perry durch Hannah Vita Wachter und Solveig Fricke. Mit großer Intensität verkörperten sie einen jungen Menschen, der gegen die Erwartungen seines Vaters aufbegehrt und schließlich dem wachsenden Druck nicht mehr standhält. Diese Entwicklung war bis in die Mimik hinein nachvollziehbar.

Eine herausragende schauspielerische Leistung zeigte auch Ben Scheich als Richard Cameron. Die innere Zerrissenheit eines Jungen, der aus Angst an Traditionen festhält und dafür sogar seine Freunde verrät, gestaltete er überzeugend und präzise.

Als Mrs. Nolan überzeugte Luise Schäfer mit einer klaren und eindringlichen Darstellung derjenigen Instanz, die die Werte der "Welton Akademie" entschieden gegen Neuerungen von außen verteidigt. Für besondere Leichtigkeit und Witz sorgte die rebellische Art von Charlie Dalton, verkörpert von Annalie Luck und Caja Daub.

Herzerfrischend ergänzt wurde das Stück durch die Liebesgeschichte um Knox Overstreet, naiv und zugleich treffend dargestellt von Kristo Krebs und Linus Lücke.

Eine starke Gesamtleistung

Was diese Inszenierung besonders auszeichnet, ist die Leistung der gesamten Jahrgangsstufe: Innerhalb von nur 20 Tagen entstand ein vollständiges Theaterprojekt – von der ersten Idee bis zur Aufführung. Die 26 Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 12 schufen gemeinsam eine eigene theatrale Welt und führten die Zuschauerinnen und Zuschauer für zweieinhalb Stunden in diese Welt.

Damit wurde das Klassenspiel einmal mehr zu einem eindrucksvollen Beispiel für den künstlerischen und pädagogischen Anspruch der gymnasialen Oberstufe an der Rudolf Steiner Schule Loheland in Künzell. (mp/pm) +++


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