12.03.26 - Ab Donnerstag sind in der Kunststation weiterhin drei große Frühjahrsausstellungen zu sehen, die am letzten Sonntag eröffnet wurden. Gleichzeitig begann im Studio eine kleinere Schau.
Auf der Vernissage drängten sich im Café der Kunststation gut 100 Besucherinnen und Besucher und lauschten den Gesängen Tony Osanahs, die er virtuos auf seiner Gitarre begleitete. Monika Ebertowski, Leiterin der Kunststation, machte darauf aufmerksam, dass alle Ausstellenden Frauen seien. Das wäre zwar purer Zufall gewesen, passe aber doch gut zum heutigen Internationalen Frauentag. Danach gab es einführende Worte der Kuratorin Dr. Elisabeth Heil, die als PDF bald auf der Webseite der Station erscheinen werden. Das wiederkehrende Motiv, das sie in allen Positionen wiederfand, war "alles hat seine Zeit".
Motive, Skulpturen und Fotocollagen
"Fäden des Raums" nennt sich eine der drei Ausstellungen, die von Gisoo Kim arrangiert wurde. Im kleinen Saal sieht man eine Installation ihrer geheimnisvollen weißen Objekte mit meist feinen schwarzen Nähten. Man kann in sie hineinschauen und Landschaften oder pflanzenartige Formen auf Fotofragmenten erkennen. Andere ihrer röhrenartigen oder kugelförmigen Gebilde sind weit geöffnet und zeigen unterschiedliche Motive, die häufig assoziativ oder zerrissen wirken.
Die Künstlerin zerschneidet diverse, selbst gemachte analoge Fotografien, näht sie mit Fäden zusammen und formt sie zu diesen Körpern. Neben weiteren weißen Skulpturen mit Nähten hängen im größeren Saal etliche flache Wandobjekte. Eine "Frau im Gebirge" oder andere Fotocollagen werden mit weißen Fäden weiter gestaltet, deren Anmutung dadurch erheblich verstärkt, zugleich aber verfremdet wird. Denn Kim nutzt die Nadelstiche und Stickereien tatsächlich zum Zeichnen.
Eröffnungstag ist weltweit den Frauen gewidmet
Im großen mittleren Saal wird man von wirklich riesigen grellfarbigen Blumen empfangen, zwischen denen man sich klein – aber nicht überwältigt fühlt. Die Atmosphäre ist angenehm, ein traumhafter Blumenwald, in den man eintauchen möchte wie Alice ins Wunderland. Hier dürfen sich die kleinen, vielleicht sonst wenig beachteten Blüten gewaltig entfalten: "Unzählig blühen die Blumen" heißt dieses "Gewächshaus", das in der Kunststation entstand.
Die Pflanzenreliefs von Susanna Tara werden mit speziell eingefärbten und zusammengesetzten Wollfäden geknüpft, es entstehen dreidimensionale "Malereien mit Wolle" wie die Künstlerin selber sagt. Üppige Farben und weit ausgreifende Formen verwandeln den Raum in eine begehbare Pflanzenlandschaft und vermitteln den Eindruck von Wachstum, Fülle und überschäumender Lebensfreude – kein Zufall am Eröffnungstag, der weltweit den Frauen gewidmet ist.
"Erfüllte Stille", heißt die dritte große Ausstellung, von zwei Künstlerinnen präsentiert, die sich vorher nicht kannten. Natürlich ist man zunächst fasziniert von den Skulpturen der Annette Meincke-Nagy: den übergroßen Köpfen auf Sockeln, dann von den kleineren Geschöpfen, die überall im Saal verteilt sind. Still sitzen sie in sich gekehrt, neugierig oder nachdenklich auf ihren Podesten. Auch die großen Köpfe schauen gelassen drein. Diese Skulpturen sind keine Porträts von realen Menschen, offenbaren keine dramatischen Gefühle, sondern verkörpern entspannt allgemeine menschliche Haltungen. Wir kennen sie alle. Hergestellt sind sie aus Papier, das Schicht um Schicht über ein Drahtgerüst modelliert wurde und zum Schluss sanft eingefärbt wurde.
Unterschiedliche Öffnungszeiten in der Kunststation
An den Wänden befinden sich große, zunächst kaum erkennbare Grafiken von Christiane Schlosser auf einfachen, ungerahmten Papierbögen. Um ihre Gestaltungen überhaupt zu erfassen, darf – oder muss – man dicht an die Werke herantreten. Lange verfolgen erstaunlich viele Leute nach der Vernissage von ganz Nahem diese Kompositionen aus Strichen, Häkchen und Punkten. Die Arrangements stellen nichts dar, sind serielle und doch irgendwie poetische Gebilde, jeweils in ihrem ganz eigenen Rhythmus, der aber immer wieder variiert wird.
Man kann die getuschten Schlangenlinien, das gezeichnete Gewirr aus offenen Kreisen, Zeile für Zeile verfolgen, über Variationen stolpern oder über leichte Veränderungen staunen. Und irgendwann hat man das Gefühl, sie seien Partituren, man könnte sie auch singen, in musikalische Klänge verwandeln oder sogar tanzen. Am Ende spürt man, wie erstaunlich diese stillen Bilder mit den ruhigen Menschenfiguren korrespondieren. Im Studio der Kunststation werden wir mit Zeichnungen und Collagen von Isolde Nagel konfrontiert. Leicht sarkastisch verdichtet sie in ihren Arbeiten persönliche menschliche Empfindungen, denn "Leben ist ständig", so der Titel der Ausstellung.
Ineinander verknotete Beine und Arme, dazwischen vage erkennbare Stuhlteile. Zwei dieser Blätter mit Bleistift oder Graphit und Kreide heißen "Zwischen Stühlen" und sofort schmunzelt man: Diesen Zustand kennt man aus der letzten Beziehungsdiskussion oder dem ständigen Streit mit den Kindern über ihre Smartphone-Nutzung. Vielleicht kommt es zum "Burgfrieden", ein weiterer Titel zweier Werke: Ein kurzer Stillstand des Konflikts, der aber jederzeit wieder aufbrechen kann. Völlig unaufgeregt kann man in ihre Bilder auch eine politisch-gesellschaftliche Ebene hineinlesen.
Öffnungszeiten der Kunststation Kleinsassen: In der Winterzeit noch bis 29. März: Do. bis So. und an Feiertagen 13 bis 17 Uhr und in der Sommerzeit ab 30. März: Di. bis So. und an Feiertagen 13 bis 18 Uhr. (Hanswerner Kruse) +++