13.03.26 - "Von Erfahrung zu Innovation – Zukunft braucht Nachfolge": Am Donnerstag begrüßte der Verein juump‑Frauenbetriebe e.V. gemeinsam mit dem Handelsverband Hessen und der Region Fulda GmbH zahlreiche Gäste zum inzwischen 7. Hessischen Tag der Nachfolge. In der Fuldaer Eventlocation N4 kamen Unternehmer, Experten sowie Interessierte zusammen, um sich zu vernetzen, neue Impulse mitzunehmen und den offenen Austausch rund um das Thema Unternehmensübergabe zu pflegen.
Der Generationenwechsel im Mittelstand zählt zu den entscheidenden wirtschaftlichen Aufgaben unserer Zeit. Viele hessische Betriebe stehen vor der Frage, wie sie ihre Nachfolge strategisch klug, rechtlich sicher und zugleich menschlich verantwortungsvoll gestalten können. Orientierung, Inspiration und konkrete Lösungsansätze bot der 7. Hessische Tag der Nachfolge – ein Forum, das Mut macht und Perspektiven eröffnet.

Der Generationenwechsel im Mittelstand zählt zu den entscheidenden wirtschaftlichen ...

Viele Zuhörer waren am Donnerstag gekommen.
"Es geht um Vertrauen, Verantwortung und Zukunft"
Mit einem herzlichen Willkommen eröffnete Moderatorin Sabine Hauß die Veranstaltung: "Es freut mich, dass Sie heute den Weg hierher gefunden haben." Schon zu Beginn machte sie deutlich, wie groß die Herausforderung der kommenden Jahre ist. 186.000 Unternehmen stehen bundesweit zur Übergabe – 13.600 davon alleine in Hessen. "Die zentrale Frage lautet: Wer übernimmt? Und vor allem: Wie führen wir eine Übernahme zum Erfolg?", betonte Hauß. Nachfolge sei weit mehr als ein Vertrag – "es geht um Vertrauen, Verantwortung und Zukunft".
Dass das Thema viele bewegt, zeigte der Blick in die neue Eventlocation N4, einem Familienbetrieb, in dem bereits die nächste Generation aktiv mitarbeitet. "Nachfolge entsteht durch Begegnung", sagte Hauß und verwies auf die zahlreichen Gäste, die teils von weit her angereist waren – "von Heidelberg bis kurz vor Salzburg".

Ximena Lopez (juump - Frauenbetriebe e.V.): "Unternehmensnachfolge ist viel mehr ...
"Nachfolger gestalten Zukunft aktiv"
Hessens Wirtschaftsminister Kaweh Mansoori machte in seinem digitalen Grußwort klar, wie bedeutend das Thema ist: "Unternehmensnachfolge ist ein zentrales Thema für unsere Wirtschaft." Jährlich gebe es in Hessen 3.000 bis 4.000 Übergaben, zunehmend an externe Nachfolger. Herausforderungen wie steigendes Rentenalter oder Fachkräftemangel seien spürbar. "Nachfolger bewahren nicht nur – sie gestalten Zukunft aktiv."

Florian Albinger mit Marie-Christine Nelles.
Albinger: "Gründung und Nachfolge gehören zusammen"
Mit-Veranstalterin Unica Peters (juump - Frauenbetriebe e.V.) zeigte sich beeindruckt: "Wir wollen sensibilisieren und Menschen miteinander in Kontakt bringen – die vielen Anmeldungen zeigen, wie groß der Bedarf ist." Benjamin Becker vom Handelsverband Hessen e.V. betonte: "Die Kernfrage lautet: Wer macht weiter?" Gerade für den Handel sei Nachfolge entscheidend, um Innenstädte lebendig zu halten. Florian Albinger von der Region Fulda Wirtschaftsförderungsgesellschaft mbH ergänzte: "Gründung und Nachfolge gehören zusammen – und auf beiden Seiten braucht es Mut, Offenheit und Unterstützung."
Nachfolge sei strategische Zukunftsentscheidung
In den nachfolgenden Impulsen machte Ximena Lopez (juump - Frauenbetriebe e.V.) deutlich: "Unternehmensnachfolge ist viel mehr als eine individuelle Übergabe." Ihre Leitfrage lautete: Was passiert mit Ihrem Unternehmen, wenn Sie morgen nicht mehr arbeiten können? Viele Betriebe seien trotz Druck noch nicht vorbereitet. "Nachfolge ist eine strategische Zukunftsentscheidung", sagte sie – und zugleich eine Chance, Arbeitsplätze zu sichern und Investitionen anzustoßen. Im Anschluss sprach auch Benjamin Becker über Digitalisierung als Schlüssel im Nachfolgeprozess: "Digitalisierung ist mehr als E‑Commerce. Sie übersetzt Bauchgefühl in Klarheit." Transparenz, Kosten, Bewertung oder Sichtbarkeit ließen sich so deutlich verbessern.
Zum Abschluss wurde es persönlich: Im Gespräch mit Florian Albinger berichtete Lea Baumbach, Geschäftsführerin im Familienbetrieb Netzfabrik Baumbach in Lauterbach, von ihrem Weg. "Es war eine spontane Entscheidung aus dem Bauch heraus – irgendetwas in mir hat Ja gesagt." Zweifel habe es dennoch gegeben, vor allem zu Beginn. "Man ist plötzlich am Ort gebunden." Gleichzeitig biete die Nachfolge große Chancen: "Man muss offen sein für Neues und Dinge ausprobieren. Ein tolles Team und der Austausch helfen enorm."
Am Abend warteten weitere inspirierende Gespräche und Impulse auf die Teilnehmenden – ergänzt durch ein interaktives World Café, ein Get‑Together sowie eine Matching‑Börse mit eindrucksvollen Live‑Pitches. (js)+++