Wohin führt der Weg von K+S und die Rohstoffgewinnung in Deutschland? Unser Bild zeigt drei Kalikumpel während der Barbarafeier 2022 im Werk Neuhof-Ellers - Symbolbild: O|N/Carina Jirsch

REGION Deutliche Signale vom K+S-Chef

Der weiße Schatz und die fragile Weltlage: Rohstoffe im Fokus

18.03.26 - Die Szenerie konnte kaum sinnbildlicher sein: Während K+S-Chef Dr. Christian H. Meyer über die Auswirkungen und Gefahren der aktuellen geopolitischen und innerdeutschen Lagen spricht, vibrieren die Mobiltelefone der anwesenden Journalisten: Es ist zehn Uhr am Donnerstagvormittag im altehrwürdigen Frankfurter Presseclub.

Hessen testet den landesweiten Probealarm. Und K+S stellt seinen Geschäftsbericht für das Jahr 2025 vor. Neben den "nackten" Zahlen geht es vor allem darum, wie sich der Konzern in höchst unsicheren Zeiten aufstellen will.

Bilanzpressekonferenz von K+S vor wenigen Tagen im Frankfurter Presseclub mit Dr. ...Fotos: Hans-Hubertus Braune

Die Lagerung der Reste aus dem Salzabbau beschäftigt die Diskussionen rund um den ...Archivbilder: O|N/Hans-Hubertus Braune

Der Kalibergbau und die Salzhalden prägen die Region etwa um Heringen (EWerra) herum ...Archivbild: O|N/Dennis Schmelz

Für Meyer und die rund 11.000 Mitarbeiter des Kasseler Düngemittelherstellers schrillen schon seit längerer Zeit die Alarmglocken. Die aktuellen Geschäftszahlen sind zwar stabil und im Rahmen der Erwartungen. Zwischen 600 und 700 Millionen Euro Gewinn erwarten die Analysten für das laufende Jahr. Die Aktionäre müssen jedoch mit einer auf sieben Cent je Aktie halbierten Dividende klarkommen. Werden sie.

Kriege und die Herausforderungen der Energiewende

Was die Bergleute vielmehr umtreibt, sind die unterschiedlichen Voraussetzungen an den beiden Produktionsstandorten in Deutschland und Kanada. Bei den Unruhen und Kriegen in der Welt dreht es sich oftmals um Rohstoffe, um Öl, um Uran, Gas oder seltene Erden und damit um viel Geld. Deren Vorkommen sind umkämpft. Essenzielle Transportwege werden gekappt. Aktuelles Beispiel ist die Straße von Hormus. Wir alle merken dies an den Zapfsäulen. Für K+S sind die Auswirkungen des Krieges im Nahen Osten unmittelbar keine maßgebliche Angelegenheit. Deren Transportwege in die asiatischen Absatzmärkte führen schon seit längerem um Afrika herum.

Zudem hat K+S nach Angaben von Meyer seinen Bedarf an Energie größtenteils preislich gesichert. Dies gilt für 70 Prozent des benötigten Gases. K+S produziert etwa zehn Prozent der weltweit nachgefragten Menge an Kaliprodukten. Das sind in etwa 7,5 Millionen Tonnen. In Deutschland zählt gerade die Region Osthessen und Westthüringen mit dem Verbund "Werk Werra" zum Kern des Abbaus der Salze.

Um die kostbaren Produkte etwa für die Landwirtschaft, die Industrie und die Pharmabranche herstellen zu können, sind erhebliche technische Schritte notwendig. Das Werk Werra wird derzeit umgebaut, so soll der Betrieb über die nächsten Jahrzehnte gesichert werden. Mit dem Umbau für rund 600 Millionen Euro soll die Kaliproduktion nachhaltiger, effizienter und umweltfreundlicher gestaltet werden. Zudem belasten die politischen Unsicherheiten vor allem die energieintensive Industrie. Am zweiten großen Produktionsstandort in Kanada plant K+S Potash Canada, die Produktionskapazität langfristig auf bis zu 4 Millionen Tonnen pro Jahr zu steigern. Dort müssen die Produkte über lange Eisenbahnstrecken über die Rocky Mountains zum eigenen Hafenterminal nach Vancouver gebracht werden - bedeutet: lange und kostspielige Transportwege.

Dr. Christian H. Meyer, Vorstandsvorsitzender von K+S

Der K+S-Vorstandsvorsitzende Dr. Christian Meyer stellte deshalb zu Beginn der Bilanzpressekonferenz nicht das Zahlenwerk in den Mittelpunkt, sondern den Krieg in Nahost und die gesamte Lage in Deutschland, Europa und der Welt. Die Abhängigkeiten gerade von Rohstoffen zeigen, wie fragil die Situation ist. "Wir müssen die Rohstoffversorgung in Europa sichern", sagt Meyer. Er befindet sich im Dialog mit der Politik. Angeschobene Reformen seien zwar positiv, sie reichten jedoch keineswegs aus.

Genehmigungsverfahren ziehen sich hin

Dr. Jens Christian Keuthen, Finanzvorstand von K+S

Dr. Christian H. Meyer (Mitte), Vorstandsvorsitzender, und Dr. Jens Christian Keuthen ...

Der Frankfurter Presseclub in der Mainmetropole

Die Strompreisbremse sei ein notwendiges Instrument. Die Co2-Besteuerung belaste das Unternehmen. Eine Industrie wie K+S kann nicht mal eben auf erneuerbare Energien umstellen. Zwar werde das Unternehmen an das Hochleistungsnetz angeschlossen. Dies werde jedoch erst Mitte der 2030er-Jahre geschehen. Die notwendige Infrastruktur ist schlicht noch nicht vorhanden. Ein weiteres Ärgernis: Die langwierigen Antrags- und Genehmigungsverfahren. Meyer nennt ein Beispiel. Wenn K+S etwa eine Haldenerweiterung beantrage, belaufe sich die Vorbereitungszeit für die Erstellung des Antrags auf circa zwei Jahre, unabhängig davon, ob für einen Produktionsstandort in Deutschland oder in Kanada. Die Umweltstandards seien in beiden Ländern vergleichbar hoch. Während die Behörden in Kanada laut Meyer innerhalb von sechs Monaten eine Entscheidung treffen, dauert es in Deutschland zehn bis 15 Jahre.

Der Schutz der Umwelt ist ein zentrales Thema, dessen Berechtigung unstrittig ist. Allerdings sind die Kali-Produkte, die K+S dank der Rohstoffvorkommen in Deutschland unabhängig von geopolitischen Unruhen produziert, eindeutig systemrelevant - etwa für unsere Ernährung, für unsere medizinische Versorgung. Der Spagat ist also schmal. Einerseits die Umweltbelastungen, andererseits muss auch K+S wirtschaftlich denken und die Kriege in der Welt erleichtern die Gemengelage nicht.

Forderungen der Wirtschaft und Industrie

Die Industrie in Deutschland stockt insgesamt. Deshalb werden die Reformen nach konsequenten Reformen immer lauter. Die Industriebosse in Deutschland setzen dabei weiter auf Dialog, etwa mit Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) beim Spitzengespräch vor wenigen Wochen in München. Ihre Forderungen sind klar definiert. In einem gemeinsamen Positionspapier fordern die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, der Bundesverband der Deutschen Industrie, die Deutsche Industrie- und Handelskammer sowie der Zentralverband des Deutschen Handwerks unter anderem: "Die Bundesregierung hat in ihrem ersten Regierungsjahr wichtige Initiativen auf den Weg gebracht, um diesen Trend zu stoppen. Die Maßnahmen reichen jedoch bei weitem nicht aus und viele Vorhaben stehen bislang nur als Ankündigung auf dem Papier. Die deutsche Wirtschaft erwartet von der Politik deutlich mehr Mut zur Veränderung. 2026 muss zum Jahr der Reformen werden. Je länger dieser Prozess aufgeschoben wird, desto schmerzlicher werden die Maßnahmen später ausfallen. Es ist dringend erforderlich, dass sich die Politik dieser enormen Verantwortung bewusst wird und entsprechend handelt. Ohne weiteren Aufschub."

Die Salzabwässer werden in Sachen Umweltverschmutzung intensiv diskutiert ...

Das Werk Hattorf nahe Philippsthal (Werra) von der Rückseite

Nach 30 Minuten war am Donnerstag beim Warntag in Hessen Entwarnung. K+S-Chef Dr. Christian Meyer indes wird weiter kämpfen. Es geht schlicht um die Zukunft von K+S, von tausenden Arbeitsplätzen und dem durchaus reichhaltigen Rohstoffschatz in Deutschland. (Hans-Hubertus Braune) +++


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