13.03.26 - Donnerstagabend, Frankfurter Bahnhofsviertel. Knapp 200 Polizisten sind im Einsatz - und es ist die 50. Großkontrolle dieser Art. Was vor einem Jahr mit einem Sieben-Punkte-Plan begonnen hat, zeigt inzwischen messbare Wirkung. Und an diesem Abend kommt eine Premiere dazu: die bundesweit erste mobile Gesichtserkennungs-App im Polizeieinsatz.
Hessens Ministerpräsident Boris Rhein und sein Innenminister Roman Poseck (beide CDU) waren persönlich vor Ort - ihr Sicherheitspaket soll das berüchtigte Viertel rund um den Frankfurter Hauptbahnhof aus dem Abwärtsstrudel reißen. Die Bilanz nach zwölf Monaten: Der Straßenraub wurde binnen zwei Jahren halbiert, Taschendiebstahl und Straßenkriminalität gehen deutlich zurück - stärker als im Rest Frankfurts und in ganz Hessen. Heißt: die Maßnahmen des Landes greifen - und die Stadt Frankfurt schaut untätig zu.

Donnerstagabend, Frankfurter Bahnhofsviertel. Knapp 200 Polizistinnen und Polizisten ...Fotos: Andreas Bejm

Ministerpräsident Boris Rhein und Innenminister Roman Poseck waren persönlich ...

Die Beamten befragen die Menschen.

Der Medienandrang war groß.

Sichergestellt wurde eine Wurfaxt, die ein 17-Jähriger durch das Waffenverbotsgebiet ...

Taschen wurden durchsucht.
"Mehr Härte gegen Dealer und mehr Herz für Süchtige", brachte Regierungschef Rhein die Philosophie des Plans auf den Punkt. Doch hinter diesem Satz steckt weit mehr als Rhetorik: Großrazzien im Zwei-Wochen-Takt, KI-gestützte Videoüberwachung, wirksame Waffenverbotszonen - und seit diesem Abend auch eine Gesichtserkennungs-App, die bundesweit einmalig ist.
Wurfaxt bei 17-Jährigem sichergestellt
Stellvertretender Direktions-Chef und Polizei-Einsatzleiter Timothy Giese berichtete von den ersten Ergebnissen des Abends: Fünf Anzeigen wegen Drogenhandels, zwei Verstöße gegen die Waffenverbotszone. Sichergestellt wurden ein Küchenmesser - gefunden bei einem Mann mit fast 70 Polizeikontakten - sowie eine Wurfaxt, die ein 17-Jähriger durch das Waffenverbotsgebiet getragen hatte.

Die Landesspitze im Gespräch mit den Einsatzkräften.
Wenig später kam es zu einer Festnahme: Zivile Einsatzkräfte hatten einen mutmaßlichen Dealer bei der Übergabe beobachtet und mit Unterstützung der Videoschutzanlage dokumentiert. Der Mann wehrte sich bei der Festnahme und verletzte sich dabei leicht. Ein Rettungswagen war vorsorglich vor Ort.
Gesichtserkennung per Smartphone - bundesweit einmalig
Das technische Highlight des Abends war die Vorstellung der sogenannten GES-App. Sie wurde gemeinsam vom Bundeskriminalamt, dem Hessischen Landeskriminalamt und dem Innovation Hub der Polizei Hessen entwickelt. Die App ermöglicht es, Fotos direkt mit dem polizeilichen Datenbestand abzugleichen - also nur mit Personen, die bereits erkennungsdienstlich erfasst wurden.

Ein Mann wehrte sich bei der Festnahme, verletzte sich dabei leicht. Ein Rettungswagen ...
Das Prinzip ist so simpel wie revolutionär: Person kontrolliert, kein Ausweis dabei - Foto machen, Gesicht scannen, Abgleich mit dem polizeilichen Datenbestand. Gibt es einen Treffer, erscheinen Name, Geburtsdatum und weitere polizeiliche Daten direkt auf dem Bildschirm. "Wir müssen die Person damit nicht mehr mit auf die Dienststelle nehmen", erklärte der vorführende Beamte. Schneller, effizienter - und laut Poseck bislang einzigartig in ganz Deutschland.
Hessen als Vorreiter
Innenminister Poseck ließ keinen Zweifel daran, dass er das als Auszeichnung versteht. "Viele schauen sich im Moment etwas bei uns ab", sagte der oberste Sicherheits-Chef des Landes - und verwies auf einen Besuch in Rheinland-Pfalz, wo man "neidvoll nach Hessen" blicke. KI-Videoüberwachung, Aufenthaltsverbote mit Strafandrohung, Gesichtserkennung per App: Was im Bahnhofsviertel erprobt wird, findet längst seinen Weg in die Polizeigesetze anderer Bundesländer.

Das technische Highlight des Abends war die Vorstellung der sogenannten GES-App. ...

Videoschutzanlagen helfen bei der Aufklärung von Straftaten.

Waffenverbotszone im Aktiv-Gebrauch.
Kein rechtsfreier Raum - aber ein Marathon
Rhein machte am Ende des Abends deutlich: "Die Anwesenheit der Polizei, aber auch die Maßnahmen der Polizei zeigen, dass es bei uns keine rechtsfreien Räume gibt. Und dass es auch im Bahnhofsviertel keine rechtsfreien Räume gibt." Das Bahnhofsviertel werde nie ein Viertel wie das Westend oder Bornheim sein - das wolle man auch gar nicht. Aber eines stehe fest: Der Plan sei kein Sprint, sondern ein Marathon. (Moritz Bindewald) +++ 