19.03.26 - Nach der Auszählung aller Stimmen steht das Ergebnis der Kreistagswahl fest - und mit ihm eine deutlich veränderte politische Landschaft. Die SPD bleibt zwar stärkste Kraft, verliert aber deutlich. Die CDU rückt dicht auf, während die AfD massiv zulegt. Entsprechend unterschiedlich fallen die Reaktionen der Parteien gegenüber OSTHESSEN|NEWS aus.
Die SPD bleibt mit 29,41 Prozent zwar stärkste Kraft im Kreistag Hersfeld-Rotenburg, verliert jedoch deutlich gegenüber der Wahl 2021. Gleichzeitig legt die CDU stark zu, kommt auf 28,37 Prozent und rückt dicht an die SPD heran. Für die größte Verschiebung sorgt die AfD, die ihr Ergebnis auf 20,27 Prozent mehr als verdoppelt und drittstärkste Kraft wird. Insgesamt gibt es keine klaren Mehrheiten.
SPD: Klare Absage an Kooperation mit der AfD

Landrat Torsten Warnecke (SPD) Archivfoto: O|N / Carina Jirsch
Auch die SPD hat sich inzwischen ausführlich zum Wahlergebnis geäußert – und ordnet das Resultat trotz deutlicher Verluste selbstbewusst ein. "Der klare Auftrag ist, den Kreis im kommunalen Wettbewerb auf vorderen Plätzen zu halten. Denn gute Lebensbedingungen sind das A und O für die Bürgerinnen und Bürger", so Unterbezirksvorsitzender und Landrat Torsten Warnecke. Gleichzeitig richtet sich die Partei direkt an ihre Wählerschaft: "Einen herzlichen Dank an alle Wählerinnen und Wähler der Sozialdemokratie." Mit Blick auf die künftige Arbeit im Kreistag setzt die SPD auf Kooperation, zieht aber klare Grenzen. "Die großen bevorstehenden Aufgaben erfordern zuverlässige Partnerinnen und Partner", heißt es aus dem Unterbezirk.
"Eine Zusammenarbeit mit der AfD, die beispielsweise das Rentensystem grundlegend ruinieren möchte, schließt die SPD aus." Auch die Landtagsabgeordnete Tanja Hartdegen äußert sich kritisch zum Abschneiden der AfD: "Mich erschreckt der Erfolg der AfD." Gleichzeitig betont sie den politischen Anspruch der SPD: "Verantwortung zeigt sich nicht in Parolen, sondern in konkreten Verbesserungen, auch wenn es manchmal eine Weile dauert, bis sie wirken."

SPD, CDU und AfD prägen künftig das Kräfteverhältnis im Kreistag – Mehrheiten ...Screenshot: O|N
CDU: "Kein Grund zur Enttäuschung"

Andreas Börner (CDU-Kreisvorsitzender) Archivfoto: O|N
Die CDU sieht sich trotz verpasstem Wahlsieg gestärkt. Kreisvorsitzender Andreas Börner erklärt: "Das Ziel war durchaus erstmalig stärkste Kraft zu werden, dennoch besteht für uns kein Grund zur Enttäuschung." Gleichzeitig verweist er auf Zugewinne seiner Partei: "Im Vergleich zur letzten Wahl konnten wir deutlich zulegen."
Börner ordnet das Ergebnis auch im Kontext der Konkurrenz ein und betont: "Besonders bemerkenswert ist dies vor dem Hintergrund, dass die SPD mit ihrem Spitzenpersonal aus dem Landratsamt angetreten ist und dennoch klare Verluste hinnehmen musste." Für die kommenden Jahre kündigt die CDU Gesprächsbereitschaft an: "Wir sind uns unserer Verantwortung bewusst und bereit, konstruktive Gespräche zu führen, um stabile Mehrheitsverhältnisse zu ermöglichen."
AfD legt deutlich zu

Peter Fricke (stellvertretender Kreisvorsitzender AfD) Archivfoto: O|N / Gerhard Manns
Während CDU und SPD um die Führungsrolle ringen, sorgt vor allem das Abschneiden der AfD für Aufmerksamkeit. Die Partei konnte ihr Ergebnis deutlich steigern und wird künftig eine größere Rolle im Kreistag spielen.
Der stellvertretende Kreisvorsitzende Peter Fricke zeigt sich zufrieden: "Dankbar unseren Wählern und erfreut über den großen Stimmenzuwachs haben wir das Ergebnis zur Kenntnis genommen." Gleichzeitig blickt er nach vorne: "Wir sind gespannt, wie sich die veränderte Sitzverteilung im Kreistag auf die künftigen Entscheidungen auswirken wird."
Auch zur Zusammenarbeit äußert sich die AfD: "Auch wenn im Vorfeld schon wieder Bedenken gegen eine Zusammenarbeit mit uns geäußert wurden, sind wir nicht nur zu sachlichen Diskussionen mit allen gewählten Vertretern bereit, sondern auch, Vorhaben mitzutragen, die den Kreis weiterbringen."
Absage an Parteiklüngel und Schuldzuweisungen

Jürgen Richter (Kreisvorsitzender Freie Wähler) Archivfoto: O|N / Constantin von Butler
Zufrieden zeigen sich auch die Freien Wähler, die Mandate hinzugewinnen konnten. Kreisvorsitzender Jürgen Richter betont: "Die Freien Wähler sind mit dem Ergebnis sehr zufrieden und konnten zwei Mandate hinzugewinnen."
Er richtet zugleich den Blick auf die politische Zusammenarbeit: "Wir stehen für gute Gespräche mit allen Fraktionen bereit, die lösungsorientiert arbeiten und auf jegliche Form von Parteiklüngel sowie Schuldzuweisungen verzichten." Angesichts der Herausforderungen im Landkreis fordert Richter ein gemeinsames Vorgehen: "Wir stehen vor enormen Herausforderungen, die ein starkes 'Wir' und gemeinsames Handeln erfordern."
Grüne bauen kommunale Präsenz aus

Die Grüne zeigt sich zufrieden Archivfoto: O|N / Constantin von Butler
Auch die Grünen sehen positive Entwicklungen - insbesondere auf kommunaler Ebene. Der Kreisvorstand erklärt: "Wir Grünen freuen uns, dass wir zukünftig in zwei weiteren Parlamenten - Rotenburg und Haunetal - vertreten sein werden."
Die Partei verweist zudem auf steigende Zustimmung: "Insgesamt konnten wir in fast allen Kommunen, in denen wir angetreten sind, unsere Stimmanteile steigern." Für die Arbeit im Kreistag kündigt sie klare inhaltliche Schwerpunkte an: "Wir werden uns weiter für eine gerechte und ökologische Politik einsetzen."
FDP: "Bundespolitischer Gegenwind spürbar"

Bernd Böhle (FDP-Fraktionsvorsitzender) Archivfoto: O|N
Die FDP hingegen musste Verluste hinnehmen. Fraktionsvorsitzender Bernd Böhle ordnet das Ergebnis ein: "Bei der Kreistagswahl hat die FDP - insbesondere vor dem Hintergrund des Erstarkens der AfD und des aktuellen bundespolitischen Gegenwinds - im Vergleich zu 2021 an Stimmen verloren und einen Sitz eingebüßt."
Dennoch zeigt sich die Partei kämpferisch: "Entsprechend sind wir künftig mit zwei Abgeordneten im Kreistag vertreten, werden uns aber weiterhin engagiert und konstruktiv einbringen." Hoffnung schöpft die FDP aus Ergebnissen auf kommunaler Ebene: "Das zeigt, dass wir vor Ort überzeugen."
Linke kehrt in den Kreistag zurück

Die Linke ist zurück im Kreistag Symbolfoto: Die Linke
Die Linke zeigt sich zufrieden mit ihrem Ergebnis und dem Wiedereinzug in den Kreistag. Aus dem Kreisvorstand heißt es: "Das sind die Früchte unserer Arbeit der letzten Monate. Wir haben viele junge Wähler und Wählerinnen in der Region angezogen."
Inhaltlich sieht die Partei klare Gründe für ihren Zuspruch: "Mit den naheliegenden Themen, die eine gescheite Lebensplanung zulassen würden. Gesundheitsversorgung, ÖPNV, Bildung und Ausbildung." Gleichzeitig will Die Linke ihr Engagement ausbauen: "Genau dafür wollen wir uns nicht nur im Kreistag, sondern auch darüber hinaus weiter engagieren."

Deutliche Gewinne und Verluste verändern die politische Balance im Landkreis Hersfeld-Rotenburg. ...Screenshot: O|N
Fest steht: Die Mehrheitsverhältnisse im Kreistag sind komplizierter geworden. Klare Bündnisse zeichnen sich noch nicht ab - stattdessen dürfte es auf intensive Verhandlungen hinauslaufen. Die kommenden Wochen werden zeigen, welche Konstellationen den Landkreis künftig prägen werden.
(Constantin von Butler) +++