14.04.26 - Wie viele Innenstädte in Deutschland, befindet sich auch die Alsfelder Innenstadt in einem tiefgreifenden Wandel. Leerstände, Onlinehandel und ein sich wandelndes Konsumverhalten stellen die stationären Händler und Gastronomen vor große Herausforderungen. Dennoch sehen Bürgermeister Stephan Paule und Wirtschaftsdezernent Uwe Eifert weiterhin Potenzial und Chancen in der historischen Altstadt.

Alsfelds Bürgermeister Stephan Paule.

Wirtschaftsdezernent Uwe Eifert.
"Es ist ein ständiges Kommen und Gehen", beschreibt Eifert die aktuelle Entwicklung in der historischen Altstadt. Man versuche, mit allen Mitteln Lösungen für die Zukunft zu entwickeln, um Leerständen entgegenzuwirken. Auch Paule betont, dass aktuell "viel Bewegung drin" sei und auch kontinuierlich investiert werde. Als Beispiele nennt er unter anderem den Umzug und die umfassende Neugestaltung eines Optikergeschäfts sowie mehrere Neueröffnungen in der Gastronomie. So sei etwa mit dem "Laternchen" in den Räumen der ehemaligen Buchhandlung Heinz ein neues Angebot entstanden, während sich bestehende Betriebe wie das "Bambus" oder der "Kartoffelsack" durch Investitionen weiterentwickelt hätten. Auch neue Konzepte wie eine Apfelweinkneipe in der Untergasse zeigten die Dynamik vor Ort.
Unterstützt wird diese Entwicklung durch verschiedene Förderprogramme wie "Lokale Ökonomie", "Ab in die Mitte" und "Zukunft Innenstadt". Mit Projekten wie einem Beach-Platz im Klostergarten oder einem geplanten Pop-up-Spielplatz an wechselnden Standorten in der Altstadt wolle man zusätzliche Anreize schaffen und die Aufenthaltsqualität steigern. "Wir haben eine große Summe an Projekten umgesetzt, um die Neubelebung der Innenstadt zu unterstützen", so Paule.

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Herausforderungen für stationären Handel
Gleichzeitig aber steht der stationäre Handel vor erheblichen Herausforderungen. "Wenn die Umsatzverlagerung ins Internet erfolgt, geht die Gewinnspanne zurück." Dies führe zu Schließungen oder mangelhafter Nachfolgebereitschaft - "das sieht man aber auch in Gießen oder Frankfurt". Paule sieht aber auch Sondereffekte nach der Corona-Zeit, "wo Alsfeld als touristische Stadt wieder aus dem Quark gekommen ist": 100.000 Übernachtungen im Jahr kann die Stadt nun verzeichnen, dazu kommen noch die Wohnmobilisten. "Das führt natürlich dazu, dass auch der Ausflugstourist in der Stadt unterwegs ist.
Typische Alsfelder Veranstaltungen wie der Schokoladenmarkt, das Kinderfestival "Leo" oder der Pfingstmarkt - ziehen außerdem weitere Besucher in die Stadt.
Verändertes Konsumverhalten
Doch das veränderte Konsumverhalten bleibt. "Es ist schwer, für den stationären Handel gegen den Onlinehandel zu konkurrieren", so Eifert. Dabei sieht er insbesondere die Notwendigkeit, neue Nischen zu finden, um im Wettbewerb mit dem Onlinehandel bestehen zu können. Paule ergänzt, dass es nicht nur der Internethandel ist, der konkurriert. "Es ist auch der Handel an der Peripherie", sagt er. "Große Umsätze werden da gemacht, wo viele Mengen umgesetzt werden." Und die Vollsortimenter haben eben nicht nur Lebensmittel, sondern einen breiten Besatz - wie Spielwaren, Bücher, Elektro. Und dann wird beim Wocheneinkauf der Wagen gefüllt und vollgemacht." Klassische Fachgeschäfte stehen hier also unter Druck, da viele Produkte inzwischen auch in Drogeriemärkten oder Discountern erhältlich sind.
Vor diesem Hintergrund stelle sich zunehmend die Frage, für welche Bedarfe die Innenstadt gezielt aufgesucht werde. Während etwa hochwertige Kleidung, Optik oder handwerkliche Dienstleistungen weiterhin gefragt seien, gehe es seltener darum, größere Einkäufe zu erledigen. Ein neues Gewerbe- und Einzelhandelskonzept solle deshalb dazu beitragen, großflächige Anbieter stärker an die Altstadt heranzuführen und so zusätzliche Besucherströme in den historischen Kern zu lenken.
Bestimmte Branchen haben es dabei besonders schwer. Dazu zählen nach Einschätzung von Eifert unter anderem Schreibwarenläden, die zunehmend durch Discounter konkurriert werden, sowie der Spielwarenhandel. Auch der Verkauf von Kinderschuhen sei aufgrund der hohen Anforderungen an Sortiment und Verfügbarkeit eine Herausforderung, die sich vor allem in kleineren Städten bemerkbar mache. Paule sieht darin jedoch auch eine Marktbereinigung: "Der freie Markt sucht sich optimale Lösungen. Nicht mehr zeitgemäße Strukturen fallen weg."
"Leerstände sind auch Chancen"
Um die Attraktivität der Innenstadt langfristig zu sichern, setzt die Stadt neben Veranstaltungen und Förderprogrammen auch auf bauliche Maßnahmen. Eifert verweist auf die Altstadtsanierung sowie verschiedene Beratungs- und Förderangebote für Eigentümer. Mit Formaten wie der "Leerstands-Lounge" bringe man Eigentümer regelmäßig zusammen, um neue Ideen für ungenutzte Flächen zu entwickeln. "Leerstände sind auch Chancen und Potenziale", betont Eifert. So seien etwa Zwischennutzungen im Rahmen eines "Raum-Datings" angestoßen worden.
Nicht zuletzt tragen auch Veranstaltungen zur Belebung bei. Formate wie der Feierabendmarkt, der wöchentlich zahlreiche Besucher anzieht, sowie bedeutendere Events wie der Schokoladenmarkt, das Kinderfestival oder der Pfingst- und Käsemarkt sorgten für zusätzliche Frequenz. Gemeinsam mit steigenden Übernachtungszahlen im Tourismus – zuletzt über 100.000 pro Jahr – entstehe so ein Alleinstellungsmerkmal, das Alsfeld auch im Wettbewerb mit anderen Städten positioniere. (lu/fw) +++ 