
Mit einer intelligenten Nabelklemme soll man schon früh Informationen über das Wohlbefinden des Kindes erhalten können. - Foto: HS Fulda
FULDA
Fast 950.000 Euro Förderung
Wenn die Nabelklemme mitdenkt: KI-Projekt für Frühwarnsystem nach Geburt
01.04.26 - Eine Forschungsgruppe um den Kinderkardiologen Professor Dr. Jannos Siaplaouras von der Hochschule Fulda beteiligt sich an der Entwicklung einer intelligenten Nabelklemme für Neugeborene. Sie soll eine routinemäßige Überwachung der Vitalwerte möglich machen. Projektpartner ist das Kompetenzzentrum für Informationstechnologie an der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM) in Friedberg.
In der Regel erfolgt eine routinemäßige Überwachung der Vitalwerte nur bei erkrankten Neugeborenen. Da dies aber auch bei gesunden Babys sinnvoll ist, entwickelt die Hochschule Fulda gemeinsam mit dem Kompetenzzentrum für Informationstechnologie an der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM) in Friedberg ein KI-basiertes Frühwarnsystem mittels einer intelligenten – und zudem kabellosen – Nabelklemme. Diese ermöglicht ein kontinuierliches Monitoring und schlägt selbstständig Alarm, sollten die Werte nicht in Ordnung sein.
Innovation, deren Förderung sich lohnt
Das Projekt "InNa – Intelligente Nabelklemme" wird mit fast 950.000 Euro aus dem Programm "Distr@l" des Hessischen Digitalministeriums gefördert. Digitalministerin Professorin Dr. Kristina Sinemus hat sich vergangene Woche über das Projekt informiert und den Förderbescheid an den Kinderkardiologen Professor Dr. Jannos Siaplaouras und den Wirtschaftsinformatiker Professor Dr. Michael Guckert überreicht.
"Mit der Förderung unterstützen wir eine Innovation, die modernste KI-Technologie mit konkretem medizinischem Nutzen verbindet. Gerade vor dem Hintergrund wachsender Herausforderungen im Gesundheitswesen zeigt dieses Projekt beispielhaft, wie digitale Lösungen Fachkräfte entlasten und die Qualität der Betreuung nachhaltig verbessern können. Hessen setzt damit ein starkes Zeichen für zukunftsweisende Forschung und eine innovative Gesundheitsversorgung", sagte Digitalministerin Sinemus.
Intelligente Nabelklemme soll Aufschluss über das Wohlbefinden des Kindes geben
Nach der Geburt wird die Nabelschnur bislang mit einer Kunststoffklemme verschlossen. Ein Forschungsteam der Hochschule Fulda und der THM arbeitet jedoch an einer intelligenten Alternative: einer Nabelklemme mit integrierter Sensorik, die das Wohlbefinden von Neugeborenen überwachen kann.
Die Klemme misst unter anderem Zwerchfellbewegungen und den Puls der Aorta und schlägt bei Auffälligkeiten Alarm. Bislang erfolgt ein solches Monitoring meist nur bei erkrankten Säuglingen, obwohl es laut Experten ein wichtiger Bestandteil der Neonatologie ist. Zudem erschweren verkabelte Systeme aktuell oft den Umgang mit den Babys.
Ein erster Prototyp existiert bereits. Bis September 2027 soll eine alltagstaugliche, validierte Version entwickelt werden, die anschließend als Spin-off auf den Markt kommen könnte. Zusätzlich verfügt die Klemme über eine Ortungsfunktion: Verlässt das Baby einen festgelegten Bereich, wird Alarm ausgelöst – auch ein Schutz vor Verwechslungen.
Das Projekt vereint Expertise aus Künstlicher Intelligenz und Medizin. Beteiligt sind unter anderem Professor Dr. Michael Guckert (THM) und Professor Dr. Jannos Siaplaouras (Hochschule Fulda). Mit der intelligenten Nabelklemme könnte künftig ein wichtiger Schritt hin zu mehr Sicherheit und effizienterer Betreuung von Neugeborenen im Klinikalltag gelingen.
(pg/pm)+++