22.04.26 - Stadt und Ortsbeirat atmen auf: Der einsturzgefährdete Schandfleck mitten in Angenrod ist weg. Das im Besitz der Stadt Alsfeld befindliche große ehemalige Wirtschaftsgebäude des Hofgutes Angenrod wurde nach etlichen Jahren des Verfalls und von Bausicherungsmaßnahmen endlich abgerissen, wie Bürgermeister Stephan Paule, Ortsvorsteher Axel Möller und Isolde Kempus vom städtischen Fachbereich Bauen und Liegenschaften beim Pressetermin vor Ort mitteilten.
Wo gerade noch die letzten Arbeiten stattfinden, entsteht direkt in der Ortsmitte zunächst eine Grünfläche, von der die Lebensqualität im ganzen Dorf sicher profitieren wird.

Foto: Stadt Alsfeld
Entscheidung mit gemischten Gefühlen
"Zufrieden und von der Richtigkeit des Abrisses absolut überzeugt: Ja. Restlos glücklich: Nein" – so könnte man die Gemütslage von Paule, Möller und Kempus umschreiben. Isolde Kempus ist Architektin – ganz sicher gestaltet sie "lieber vorwärts, als rückwärts", und Aspekte des Denkmalschutzes sind ihr ohne jeden Zweifel sehr wichtig.

Letzte Arbeiten, dann ist der ehemalige Schandfleck Geschichte

Hier erhält Angenrod einen neuen Grünflächen-Mittelpunkt
Dennoch war sie sich mit dem Bürgermeister und dem Ortsvorsteher einig: "Schweren Herzens, jedoch völlig zu Recht wurden die historischen Gebäude abgebrochen, weil durch die zutage getretene Bausubstanz die Kosten einer wirtschaftlich vertretbaren Sanierung in jeder Hinsicht übertroffen worden wären." Guten Gewissens könne nun zum Abschluss der Arbeiten die Notwendigkeit des Rückbaus vollumfänglich bestätigt werden.

Luftbild Hofgut Angenrod um 1960: Der auf dem Luftbild noch vorhandene Scheunentrakt ...Quelle: Stadt Alsfeld

Historisches Foto "Hofgut Angenrod um 1930 – Gutshaus" Quelle: Stadt Alsfeld
Historisches Ensemble mit landwirtschaftlicher Prägung
Das in Rede stehende Gebäudeensemble war im 19. Jahrhundert mit drei Stallungsbauteilen entstanden: jeweils für Schweine, Geflügel und Pferde. Der einstige landwirtschaftliche Betrieb ging noch vor der Dorferneuerung mit Ländereien an die Stadt Alsfeld über, warf der Bürgermeister einen Blick zurück. Im ersten Zug der Dorferneuerung wurde das noch ältere, historisch wertvolle Wohnhaus 1985 mit Abgabe an die BSG (Bau- und Siedlungsgenossenschaft) grundsaniert. Hier befinden sich heute 11 Wohnungen.
Für die brachliegenden Stallungen wurde zunächst keine Abbruchgenehmigung erteilt, sie waren einem zunehmenden Verfall preisgegeben, bis diese Genehmigung zur erneuten Dorferneuerung nach erneuter Bewertung beim Kreis erwirkt werden konnte. "Hier spielen auch Gesichtspunkte einer wirtschaftlichen Zumutbarkeit eine viel größere Rolle als früher, schon bereits im Vorfeld einer anstehenden gesetzlichen Novellierung", so Paule.
Sandstein von 1833 bleibt erhalten
Als Besonderheit wurde auf einen denkmalschutzrelevanten Portal-Sandstein mit der Inschrift "1833" hingewiesen, der als Sturz über einer Tür im Gebäudeteil A eingebaut war. Bereits im Einbau wies er einen fotografisch dokumentierten Bruch auf, der laut Isolde Kempus vermutlich auf eine Zweitverwendung schließen ließ. Er wurde gesichert und soll im Ort belassen werden.
Investor für Nachnutzung abgesprungen
Bürgermeister Paule erläuterte, dass es für eine Förderung des Landes im Rahmen des Programms IKEK unter Beteiligung der Dorfbewohner immer auch um eine angedachte städtebauliche Nutzung gegangen sei. So sei eine Tagespflege-Nutzung des ehemaligen Gebäudes in Erwägung gezogen worden, aber nach dem Absprung eines vorhandenen Interessenten sei bisher kein neuer Investor aufgetreten.
Mit der Bauaufsicht des Vogelsbergkreises und den Denkmalschutzbehörden wurden der Rückbau des Kulturdenkmals und das Nachnutzungskonzept abgestimmt, dann ging es recht flott voran: der Erteilung der baurechtlichen Abrissgenehmigung vor einem guten Jahr folgte die Zustimmung der Dorfentwicklung Ende Juni 2025 und die tatsächlichen Arbeiten innerhalb der letzten Wochen. "Die Fläche steht nun für eine Belebung des Ortskernes zur Verfügung", so Paule.
Dementsprechend zufrieden zeigte sich auch Ortsvorsteher Axel Möller: "Den Abriss des Hofgutes betrachtet man mit einem weinenden und einem lachenden Auge. Weinend, weil das Gebäude so lange dort stand, aber auch wegen der Erkenntnis, dass es einfach aufgrund der Einsturzgefährdung weg MUSSTE. Die Entscheidung des vollständigen Abrisses inklusive der Grundmauern war aus Sicht des Ortsbeirates also absolut richtig. Wir machen nun aus der Grünfläche das Beste und haben seitens des Ortsbeirates und der Vereine zugesagt, die Fläche künftig auch zu pflegen."
(goa) +++