29.04.26 - Die deutschen Hochschulen für Angewandte Wissenschaften (HAWs) nutzten auch 2026 ihre jährliche Strategietagung in Berlin dafür, mit Vertreterinnen und Vertretern aus der Bundespolitik über neue Förderprogramme für anwendungsorientierte Forschung und Transfer an HAWs zu diskutieren. Auch der Präsident der Hochschule in Fulda, Karim Khakzar, war in Berlin vor Ort.
Im Mittelpunkt standen die Ausgestaltung der im Koalitionsvertrag erwähnten Förderinstrumente für HAWs sowie deren finanzielle Ausstattung. Im Rahmen von Vorträgen, Workshops und Podiumsdiskussionen wurden durch die Hochschulleitungen konkrete Positionspapiere entwickelt und verabschiedet.
Gespräche mit Bundesforschungsministerin Dorothee Bär

Prof. Dr. Karim Khakzar (2. von rechts) nutzte das Gespräch mit Bundesministerin ...Foto: Hochschule Anhalt
Der Fuldaer Hochschulpräsident Prof. Dr. Karim Khakzar, Bundessprecher der deutschen HAWs in den Jahren 2016 bis 2022, war mit einem Vortrag und der Leitung eines Workshops maßgeblich daran beteiligt. "Die HAWs hatten zur Tagung Bundesforschungsministerin Bär, die wissenschaftspolitischen Sprecherinnen und Sprecher aller Fraktionen im Deutschen Bundestag sowie weitere Expertinnen und Experten aus dem Wissenschaftsbereich eingeladen", berichtete Khakzar.
Die Tagung bot somit die Möglichkeit, die Positionen der HAWs mit Bundesministerin Dorothee Bär zu diskutieren, die in ihren Grußworten an die Hochschulleitungen die Bedeutung der HAWs für die Sicherung der Zukunftsfähigkeit der deutschen Wirtschaft unterstrich und ihre Unterstützung unter anderem durch die Gründung einer Deutschen Anwendungsforschungsgemeinschaft in Aussicht stellte. Prof. Khakzar nutzte das Gespräch, um die Vorschläge der HAWs zu erläutern und insgesamt für eine bessere Förderung der HAWs zu werben.
Rolle der HAWs als Innovationsmotoren in ihren jeweiligen Regionen

Prof. Dr. Karim Khakzar, Präsident der Hochschule in Fulda Archivfoto: O|N/ Carina Jirsch
An Hochschulen für angewandte Wissenschaften (HAWs) studieren über eine Million Menschen, mehr als 21.000 Professorinnen und Professoren sind dort tätig. Dank ihrer starken regionalen Vernetzung und engen Zusammenarbeit mit kleinen und mittleren Unternehmen gelten sie als wichtige Innovationsmotoren. Dennoch sehen sie ihr Potenzial als nicht ausgeschöpft und fordern seit Jahren eine deutlich bessere Förderung von Forschung und Transfer.
Im Vergleich zu Universitäten, die jährlich mit rund vier Milliarden Euro gefördert werden, fehlt HAWs eine vergleichbare Fördereinrichtung. Eine geplante Agentur (DATI) wurde nicht umgesetzt, stattdessen soll laut Koalitionsvertrag 2025 eine neue Deutsche Anwendungsforschungsgemeinschaft (DAFG) entstehen. Diese soll bestehende Programme bündeln, auslaufende Förderungen ersetzen und neue Formate für Transferaktivitäten schaffen.
Hochschule Fulda profitierte bisher stark von den Förderprogrammen von Bund und Ländern

Archivfoto: O|N / Tizia Wegfahrt
Die Hochschule Fulda hat sich bisher sehr erfolgreich an Ausschreibungen von Bund und Ländern beteiligt. So wurde die Gründung eines regionalen Innovationszentrums für Gesundheit und Lebensqualität Fulda (RIGL Fulda) über fünf Jahre mit insgesamt rund zehn Millionen Euro gefördert. Auch ein wichtiges Projekt zur Gewinnung von Professorinnen und Professoren an der Hochschule Fulda mit dem Namen ProGEPP wurde mit insgesamt 7,4 Millionen Euro unterstützt. "Von beiden Förderlinien hat die Hochschule Fulda profitiert und erfolgreich Strukturen an der Hochschule und in der Region aufbauen können", fasst Khakzar zusammen.
"Die Gründung einer neuen DAFG gäbe der Hochschule Fulda die Perspektive, die wichtige und erfolgreiche Aufbauarbeit fortzusetzen und zu verstetigen und letztendlich auch die Innovationskraft der Region zu stärken", erklärte Hochschulpräsident Khakzar. Im Gespräch mit Bundesministerin Bär wies er außerdem auf die Dringlichkeit neuer Förderprogramme hin, die idealerweise eine nahtlose Fortsetzung etablierter Initiativen ermöglichen.
Gespräche mit Verteidigungsminister Pistorius über die Rolle von Hochschulen

Verteidigungsminister Boris Pistorius (CDU) Foto: wikimedia/Michael Lucan
Im Anschluss an die Tagung der HAWs gab es für einige Präsidentinnen und Präsidenten, darunter auch Hochschulpräsident Khakzar, die Gelegenheit zu einem Austausch mit dem Bundesminister der Verteidigung, Boris Pistorius, über die Möglichkeiten der Zusammenarbeit mit den Hochschulen. Die Hochschulleitungen berichteten über Erfahrungen mit der Durchführung von Dual-Use-Forschung – also sicherheitsrelevanter Forschung –, die Rolle der Geistes- und Sozialwissenschaften sowie Projekte zur Verteidigungsforschung. Der Austausch sollte den Auftakt für weitere Gespräche zum Beitrag der Hochschulen in der sicherheitsrelevanten Forschung bilden.
Verteidigungsminister Pistorius wünsche sich zukünftig mehr Engagement der Hochschulen, um Deutschland vor dem Hintergrund der globalpolitischen Herausforderungen besser auf die Zukunft vorzubereiten. Es bestand Einigkeit, dass die im Grundgesetz garantierte Freiheit von Forschung und Lehre keinesfalls in Frage gestellt werden dürfe. (pg/pm) +++