Vertreter regionaler Personaldienstleister führten über Stunden Gespräche mit Arbeitssuchenden. - Fotos: Kevin Hildebrand

BAD HERSFELD Über 350 Personen im Austausch

Große Stellenbörse der Arbeitsagentur und des Jobcenters

30.04.26 - Die Bundesagentur für Arbeit hat am Mittwoch gemeinsam mit dem Jobcenter des Landkreises Hersfeld-Rotenburg eine große Stellenbörse veranstaltet, bei der Arbeitssuchende in den direkten Austausch mit Personaldienstleistungsunternehmen aus der Region treten konnten.

Die Veranstalter zogen ein positives Feedback nach Abschluss der Börse – und verrieten, warum gut integrierte Fachkräfte aus dem Ausland auch für den gesamten Kreis Hersfeld-Rotenburg so wichtig sind.

Fünf Stunden Vorstellungsgespräche

13 Personaldienstleister aus der Region hatten Vertreter zu der Jobbörse geschickt – und die hatten richtig viel zu tun. Von neun bis 14 Uhr warteten über 350 eingeladene Teilnehmer der Arbeitsagentur und des Jobcenters aus dem Landkreis Hersfeld-Rotenburg auf ein Gespräch. Und im besten Fall verließen sie dieses mit einem Arbeitsvertrag in Aussicht.

Unter anderem dabei waren die Firmen Consultinggate, persona data, tempton, Manpower, ProTemp und auch die Job AG aus Fulda. Und in einem waren sich alle Unternehmen einig: der Großteil der anwesenden Bewerber war enorm motiviert, gut vorbereitet und hatte sich sogar extra für den Termin raus geputzt. Doch es gab auch Negativbeispiele.

Von der Festanstellung in die Arbeitslosigkeit

Im persönlichen Gespräch mit OSTHESSEN|NEWS bestätigte Viktor Sukkau von der Firma Consultinggate aus Bad Hersfeld, dass er und sein Kollege Michael Sippel über den ganzen Tag viele nette Gespräche geführt haben. Aber: "Es gibt auch viele Leute, die Gründe vorhalten, damit es nicht zu einer Einstellung kommt. Sei es eine Krankheit, ein anstehender Sprachkurs oder Zusagen von anderen Firmen. Aus Erfahrung können wir sagen, dass bei manchen Personen die Motivation einfach nicht sehr hoch ist", sagte Sukkau.

Doch dafür habe er auch mitunter Verständnis: "Hier saß eben jemand, der hat 25 Jahre im selben Betrieb gearbeitet und seinen Job unverschuldet verloren. Er dachte, er könne in Rente gehen, stattdessen muss er weiter arbeiten. Dass man nach all dieser Zeit im Angestelltenverhältnis, in dem man gutes Geld verdient hat, nicht so motiviert für Zeitarbeit ist, kann ich auch irgendwo verstehen." Laut ihm sei es sehr schwierig, geeignetes Personal zu finden, da auch die Kunden der Dienstleister heutzutage aufgrund der hohen Arbeitslosenzahlen mehr Auswahl haben – und somit stärker selektieren.

Moderne Lösungen bei der Sprachbarriere

Simon Hanke, der für PersonaMobile aus Fulda vor Ort war, bestätigte auch, dass das Thema Sprachbarriere bei solchen Jobbörsen eine Rolle spiele. Zur Einordnung: die über 350 eingeladenen Personen waren entweder Bürgergeldempfänger, oder sie wurden kurzfristig arbeitslos und erhielten ihre Einladung dann von der Agentur für Arbeit. Gerade im Bereich Bürgergeld seien viele Personen vertreten gewesen, die kaum oder nur schlecht deutsch sprachen.

"Man muss aber sagen, dass der Großteil der Arbeitssuchenden sehr motiviert und gut vorbereitet war. Und mittlerweile haben wir auch für das Thema Sprachbarriere eine Lösung. Viele Firmen haben Übersetzer, die einfach ins Ohr gesteckt werden und in Echtzeit übersetzen. Oder aber es sind weitere Personen vor Ort angestellt, die neben der deutschen Sprache auch ukrainisch oder russisch sprechen", erklärte er weiterhin.

Fachpersonal aus dem Ausland dringend benötigt

Im Gespräch mit O|N bestätigte Sebastian Schweitzer von der Agentur für Arbeit Bad Hersfeld, dass sich auf Seiten der Arbeitgeber viel in Sachen Integration getan habe. Und das sei wichtig, denn: "Wir können das Erwerbspotential in Deutschland und auch im Landkreis Hersfeld-Rotenburg nur halten, wenn wir ausländische Fachkräfte integrieren. Wir haben einfach nicht genug Personen mit deutschem Pass, die auf den Arbeitsmarkt strömen."

Laut ihm tauchen bei solchen Jobbörsen viele fähige Bewerber aus dem Ausland auf, die im direkten Gespräch eine Chance erhalten, die sie sonst wohl nicht bekommen würden. "Ein reiner Blick auf den Lebenslauf kann bei mangelnden Sprachkenntnissen schon ein K.O.-Kriterium. Deswegen ist der persönliche Kontakt hier so wichtig. Der komplette Hintergrund eines Menschen ist aus dem Lebenslauf allein oft eben nicht ersichtlich", erklärte Schweitzer.

Garantierte Arbeitsverträge direkt vor Ort

Der zog nach Abschluss der Stellenbörse ein positives Fazit. Zwar habe es – wie überall auch – vereinzelt Personen gegeben, die nicht wirklich Lust auf Arbeit oder eine Einstellung bei einer Zeitarbeitsfirma hatten. Aber er sagte: "Alles in allem waren die meisten Leute motiviert, einige haben mir eben berichtet, dass sie nach einem positiven Gespräch in den nächsten Tagen einen Arbeitsvertrag bekommen. Das ist ein gutes Gefühl und zeigt, dass das, was wir machen, nicht das Verkehrteste ist."

Und auch zum Thema Zeitarbeit klärte er mit einigen Vorurteilen auf: "Inzwischen hat sich dort viel getan. Es gibt einen Tarifvertrag, der Lohn wurde 2026 angehoben. Außerdem müssen Zeitarbeiter nach neun Monaten Beschäftigung dasselbe Gehalt bekommen wie ein festangestellter Facharbeiter. Außerdem kann die Zeitarbeit das Eintrittsticket für weitere Jobangebote sein." Der aktuelle Mindestlohn bei der Zeitarbeit liegt bei 14,96 Euro, außerdem gibt es tarifliche Zuschläge sowie Urlaubs- und Weihnachtsgeld. (Kevin Hildebrand)+++


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