11.05.26 - Muttertagskonzerte der Musikschule sind immer eine Freude. Denn man weiß: Das Jugendsinfonieorchester (JSO) Fulda unter Martin Klüh spielt auf hohem Niveau, das Programm ist sorgfältig auf den Anlass abgestimmt, Eltern wie Aktive freuen sich auf den Auftritt – und der Fürstensaal bietet genau den richtigen Rahmen. Mit anderen Worten – Freude pur.

Erwartungsfroh – das Publikum im Fürstensaal.
Hervorragendes Programm
Das diesjährige Muttertagskonzert stand im Zeichen der "Lieblingsstücke". Die meisten Werke dürften vielen Zuhörer:innen vertraut gewesen sein. Wenn sich Melodien derart in Herz und Ohr einschreiben, spricht das für ihre besondere Qualität. Hinzu kommt ein weiterer Aspekt: Im JSO spielen Anfänger und Fortgeschrittene gemeinsam – Kinder und Jugendliche zwischen ca. zehn und 19 Jahren. Die Auswahl muss also klug getroffen werden, damit die einen nicht überfordert und die anderen nicht gelangweilt werden. Martin Klüh war es einmal mehr gelungen, ein exzellentes Programm zusammenzustellen. In guter JSO-Tradition führten die jungen Musiker:innen selbst in die Werke ein.

Fuldas erste Bürgerin, Stadtverordnetenvorsteherin Margarete Hartmann, im Gespräch ...

Margarete Hartmann und Frederik Schmitt
Aus dem Alten wächst das Neue
Den Auftakt machte das JSO mit dem Vorspiel zu Wagners Oper "Die Meistersinger". Es ist Wagners einzige komische Oper und zugleich die einzige ohne mythisches Sujet. Die Idee dazu trug Wagner viele Jahre mit sich herum, die Umsetzung war schließlich auch Geldnöten geschuldet. 1868 wurde das Werk uraufgeführt.
Das Vorspiel enthält – wie eine gute Ouvertüre – bereits nahezu alle zentralen Gedanken der Oper. Das überrascht nicht, denn Wagner schrieb es ungewöhnlicherweise noch vor der Ausarbeitung des Bühnenwerks. Anders gesagt: Die Oper entwickelt sich aus den musikalischen Ideen des Vorspiels. Wagner setzt im Vorspiel musikalisch um, was Hans Sachs später in der Oper formuliert: Man muss die Regeln kennen, um aus ihnen heraus etwas Eigenes zu schaffen. Ein Konzertbeginn, der sofort Begeisterung auslöste.

Oberbürgermeister a.D. und Ehrenbürger der Stadt Fulda – Dr. Alois Rhiel mit seiner ...

Natalya Oldenburg, die Leiterin der Musikschule, mit Oberbürgermeister Dr. Heiko ...

Der Fürstensaal war gut besucht.
Hoch im Norden
Gleich zwei Stücke des Finnen Jean Sibelius wurden gespielt. Zunächst erklang das Impromptu für Streichorchester in h-moll op. 5. Sibelius stand dem kontinental-europäischen Klang eher distanziert gegenüber, er wollte seine eigene Tonsprache. Er fand sie, und beschrieb sie einmal so: "Was ich zu bieten habe, ist klares, kaltes Wasser."
Ursprünglich hatte Sibelius das Impromptu für Klavier geschrieben, es aber kurz danach für Streicher bearbeitet. Die Wirkung verändert sich dadurch deutlich: Die Musik fließt freier, wirkt leichter, beinahe improvisiert. Sofort entstehen Bilder nordischer Weite, ruhiger Landschaften und klarer Luft.
Das Andante festivo, ein Werk von fast sakraler Feierlichkeit, schrieb Sibelius 1922. Anlass für die Komposition war das 25. Jubiläum eines finnischen Sägewerksbesitzers. Trotz des eher prosaischen Hintergrunds bleibt auch hier die Natur Sibelius' wichtigste Inspirationsquelle.

Gib mir ein a…

Volle Konzentration bei Wagners Vorspiel zu den "Meistersingern".

Schon Tradition beim JSO – die jungen Musiker führen selbst in die Werke ein ...
Das vollendete unvollendete Werk der Frühromantik
Aus Schuberts Sinfonie in h-Moll D759 – der sogenannten "Unvollendeten" – spielte das JSO den ersten Satz (Allegro moderato). Warum Schubert die Sinfonie nie beendete, ist bis heute nicht geklärt. An der Qualität der Musik kann es nicht gelegen haben: Für viele ist die Unvollendete eine der vollendetsten Sinfonien überhaupt.
Wer den Beginn des ersten Satzes mit dem düsteren, von Bässen getragenen Thema und dem sehnsuchtsvollen Einsatz der Oboen und Klarinetten einmal gehört hat, vergisst das nie wieder. Das Spiel mit Gegensätzen und Stimmungswechseln entfaltet eine enorme Sogwirkung.
Für die jungen Musiker:innen ist dieses Werk allerdings eine Herausforderung. Dirigent Martin Klüh nahm das Tempo etwas zurück – eindeutig mehr moderato als allegro. Eine kluge Entscheidung, denn dieser Satz ist technisch wie interpretatorisch alles andere als leicht. Die intensive Dynamik, das atmosphärische Flirren und vor allem der homogene Klang der Bässe und Celli zu Beginn müssen erst einmal gelingen.

Viel Blech – nötig bei Wagner.

Blick aufs Dirigentenpult.
Sehnsuchtsvoll und äußerst heiter
Sehr unterschiedlich waren die beiden Stücke, die zwei Solisten des JSO in den Mittelpunkt stellten. Ennio Morricone verbinden die meisten mit Filmmusik – vor allem mit dem Italo-Western. Was wäre "Spiel mir das Lied vom Tod" ohne seinen genialen Soundtrack? Morricone komponierte jedoch für viele weitere Filme, darunter auch Roland Joffes "The Mission" (1986). Das bekannteste Stück daraus ist "Gabriel’s Oboe", es erklingt in einer Schlüsselszene des Films. Pater Gabriel will sich durch die Musik mit den indigenen Guarani im südamerikanischen Dschungel anfreunden.
Solistin Pauline Fallier spielte das mit wunderbar klarem, sehnsuchtsvollem Ton bemerkenswert souverän. Kaum zu glauben, dass es erst ihr zweiter solistischer Auftritt war!
Dann folgte Eugenio Carlos Inchaustis Stück "Que se vengan los chicos" (Lass die Jungen kommen). Die Idee ist charmant: Ein Kind lädt andere Kinder zum Geburtstag ein, und gleich die ganze Welt mit dazu. Musikalisch taucht man hier in die lateinamerikanische Volksmusik mit ihren eingängigen Melodien und lebendigen Rhythmen ein.
Luis Plunien spielte das Saxophonsolo hervorragend. Für ihn war es zugleich seine Abschiedsvorstellung mit dem JSO, denn künftig wird er seine musikalische Laufbahn im Heeresmusikkorps der Bundeswehr fortsetzen. Begleitet wurde er vom herausragenden Schlagzeug-Ensemble mit Konrad Kaffanke, Johannes Wingenfeld, Lars Neuhaus und Hagen Pfaff.

Pauline Fallier spielt "Gabriel’s Oboe" von Ennio Morricone.

Das fantastische Schlagzeug-Ensemble.

Luis Plunien spielte das Saxophon-Solo in Inchaustis "Que se vengan los chicos". ...
Feurig zum Schluss
Mit dem Ungarischen Tanz Nr. 5 verabschiedete sich das JSO vom Publikum. Die Ungarischen Tänze zählen zu Brahms' bekanntesten Werken, der fünfte dürfte dabei die Pole-Position in der Beliebtheitsskala innehaben. Anders als oft angenommen sind die ungarischen Tänze keine Volksmusik, sondern kunstvoll bearbeitete volkstümliche Musik. Wie gut, dass die Musik so loderte und das JSO noch einmal alles gab, denn ausgerechnet hier versagte die Beleuchtung im Fürstensaal dann endgültig.
Natürlich ließ das Publikum das JSO nicht ohne Zugabe gehen. Gespielt wurde Ponchiellis "Dance of the Hours" aus der Oper "La Gioconda". In der Oper selbst ist das ein kurzes Ballett und Teil des Finales im vorletzten Akt. Es blieb weiter dunkel. Ob das nun der angespannten Haushaltslage geschuldet war oder ein unfreiwilliger Kommentar der Technik zu den neuen und umstrittenen Stühlen im Fürstensaal, blieb offen.

Konzentriert und engagiert.

Geschafft – Dirigent und Orchester freuen sich über die Standing Ovations des Publikums. ...

Einer geht noch – natürlich spielte das JSO auch eine Zugabe.
Mit Standing Ovations wurde das Orchester gefeiert, Dirigent Martin Klüh erhielt von seinen jungen Musikern ein Geschenk, und zum Abschluss erklang nochmals eine Passage aus dem Vorspiel zu den "Meistersingern". Was für ein wunderschöner Ausklang des Sonntags! (Jutta Hamberger) +++