Mit ihrer Jubiläumstour zum 30-jährigen Bestehen hat die Tanzshow "Lord of the Dance" am Sonntagabend die nahezu voll besetzte Esperantohalle in Fulda begeistert. - Fotos: Marvin Hucke

FULDA Elektrisierte Domstadt

Lord of the Dance": Mystik, Donnerschläge und irisches Feuerinferno

11.05.26 - Donnernde Trommelschläge, perfekt synchronisierte Schrittfolgen und eine Bühne voller Licht, Nebel und mystischer Bilder: Mit ihrer Jubiläumstour zum 30-jährigen Bestehen hat die Tanzshow "Lord of the Dance" am Sonntagabend die nahezu voll besetzte Esperantohalle in Fulda begeistert. Bereits vor Beginn wurden die Zuschauer per Durchsage gebeten, ihre Handys wegzupacken und "einfach mal die Show zu genießen" – ohne Worte! Angesichts der ätherischen Extravaganz, die sich an diesem Abend in der Esperantohalle offenbarte, fiel es sichtlich schwer, den Blick auch nur für einen kurzen Augenblick von der Bühne auf das mobile Endgerät abzuwenden.

Vom Traum zur Weltsensation

Noch bevor die eigentliche Performance begann, lief auf der Leinwand ein Trailer über den Schöpfer der Show, Michael Flatley. Darin erinnerte er sich an seine Kindheit und seine Vision: "When I was a boy I used to get in trouble for my dreams." Sein Traum sei es gewesen, "my own dance show" zu erschaffen. Schließlich flimmerte die finale Botschaft in feuernen Lettern über die Leinwand: "NOTHING IS IMPOSSIBLE!"

Die Geschichte hinter der Show ist mittlerweile legendär. Aus einer kurzen, aber umso spektakuläreren Einlage beim Eurovision Song Contest 1994 entwickelte Flatley eine der erfolgreichsten Tanzproduktionen der Welt. Mehr als 60 Millionen Menschen in über 60 Ländern haben "Lord of the Dance" inzwischen gesehen.

Düsterer Auftakt voller Mystik

Die Jubiläumstour begann in Fulda mit einer düsteren, fast filmreifen Inszenierung. Ein Gewittersturm tobte über die Leinwand, während Tänzer zusammengesunken auf dem Boden schliefen. Tiefbrünstige Trommeln und geheimnisvolle Flötentöne erfüllten die Halle und erzeugten eine beinahe kultische Atmosphäre.

Plötzlich tauchten Gestalten mit leuchtenden Kugeln aus der Dunkelheit auf. In der Bühnenmitte erschien eine goldschimmernde Tänzerin, die Flöte spielte, während im Hintergrund tiefe Mönchsgesänge erklangen. Langsam erhoben sich die am Boden kauernden Figuren – ein Moment, der eher an Fantasy-Kino als an klassische Tanzshows erinnerte.

Dann folgte ein abrupter Szenenwechsel: Mittelalterliche Festmusik setzte ein, die Bühne wurde heller und die Stimmung schlug schlagartig ins Feierliche um.

Das berühmte "Klacken" geht durch die Halle

Kurz darauf begann das, worauf viele Zuschauer sehnlichst gewartet hatten: die typischen, irischen Stepptanz-Sequenzen. Ein einzelner Tänzer eröffnete die erste große "Klack-Performance", ehe Tänzerinnen und Tänzer in farbenfrohen Gewändern auf die Bühne stürmten.

Perfekt synchron hämmerten ihre Schritte auf den Bühnenboden. Das markante Klacken hallte durch die gesamte Esperantohalle und sorgte bereits früh für den ersten großen Zwischenapplaus. Gerade die enorme Präzision und Geschwindigkeit der Choreografien beeindruckte viele Besucher sichtbar.

Die Musik wechselte dabei immer wieder zwischen klassisch-keltischen Elementen und modernen elektronischen Sounds. Genau diese Mischung macht den besonderen Stil von "Lord of the Dance" seit Jahrzehnten aus.

Zwischen Romantik und Fantasy-Welten

Immer wieder veränderte die Show ihre Atmosphäre vollständig. Auf die energiegeladenen Tanzszenen folgte plötzlich ein ruhiger, romantischer Abschnitt. Eine Sängerin erschien auf einem erhöhten Bühnenpodest, funkelnd in einem silbernen Paillettenkleid. Begleitet von herzschlagartigen Trommeln führte ein Tänzer sie langsam hinunter auf die Bühne, während auf der Leinwand astrales Sternenfunkeln zu sehen war.

Kurz darauf wurde die Inszenierung erneut mystischer… Sängerinnen bewegten sich wie Puppen, die langsam "aufgezogen" und zum Leben erweckt werden. Tänzerinnen in mittelalterlich inspirierten Kostümen brachten schließlich den Frühling auf die Bühne, während auf den Leinwänden die japanischen Kirschblüten im Wind tanzten.

Besonders eindrucksvoll wirkte die enorme visuelle Dynamik der Produktion: Ständig wechselten Lichtstimmungen, Musikrichtungen und Kulissen – mal märchenhaft, mal bedrohlich, mal beinahe futuristisch.

Feuerkulissen und donnernde Trommeln

Zu den spektakulärsten Szenen gehörte eine düstere Sequenz mit Feuerkulissen und schwarz maskierten Tänzern. Begleitet von gewaltigen Trommelschlägen marschierten die Totenkopf-Krieger beinahe militärisch über die Bühne, während im Hintergrund ein Waldinferno wütete.

Die extrem schnellen, aggressiven Stepptanz-Passagen verliehen der Szene enorme Wucht. Immer wieder wechselte die Show zwischen epischer Fantasy-Atmosphäre und moderner Showästhetik.

Später sorgte eine Tänzerin im roten Latexkleid mit lasziven Bewegungen und Elementen aus Bauchtanz und modernem Tanzstil für einen völlig anderen Akzent.

Mitklatschen ausdrücklich erwünscht

Im weiteren Verlauf der Show bewegte sich die Stimmung weg vom Mystischen und wurde insgesamt deutlich ausgelassener.

Immer mehr Zuschauer klatschten rhythmisch mit, die Atmosphäre wurde lockerer und beinahe festivalartig. OSTHESSEN|NEWS resümiert: Die Verbindung aus traditionellem, irischen Tanz, moderner Bühnentechnik und aufwendiger Fantasy-Inszenierung funktioniert auch nach drei Jahrzehnten noch erstaunlich gut und "Lord of the Dance" zählt völlig zurecht zu den erfolgreichsten Tanzshows aller Zeiten. (Marvin Hucke) +++


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