20.05.26 - Christian Farnung war schon immer sehr aktiv, ob Wakeboarden, Inline-Skaten, Skifahren, Wandern oder Radfahren bis nach Italien. Er war sportlich, voller Energie und Lebensfreude. Wenn er sich bewegen konnte, war er glücklich - bis das plötzlich nicht mehr möglich war. Der 47-jährige Familienvater kämpft seit 20 Jahren gegen Multiple Sklerose (kurz MS), die chronisch-entzündliche Autoimmunerkrankung des zentralen Nervensystems. Seine Frau Mona hat nur einen Wunsch: "Ich möchte ihm ein möglichst normales Leben bieten." Dabei soll ein Spendenaufruf bei GoFundMe helfen.
2006 spürte der gebürtige Bronnzeller (Stadtteil von Fulda) ein Kribbeln in beiden Füßen, als wären sie eingeschlafen. Kurz darauf folgt die Diagnose MS. Für seine Ehepartnerin bedeutet diese nicht-tödliche Krankheit nur eins: "Solange er nicht daran stirbt, schaffen wir das." Und so half eine Cortison-Stoßtherapie gegen aufkommende Schübe. Bis 2018 geriet die Krankheit in Vergessenheit. "Beim gemeinsamen Hausbau in Hofbieber ging es dann wieder los. In den letzten Jahren haben sich die Symptome rund um Muskelkraftverlust, Lähmungen, Steifheit (Spastik) sowie Gangunsicherheiten verschlimmert", schildert die ebenfalls 47-Jährige im Gespräch mit OSTHESSEN|NEWS.

Seine Frau Mona hat nur einen Wunsch: "Ich möchte ihm ein möglichst normales Leben ...
Mittlerweile kann er nicht mehr frei laufen, stehen und vor allem kein herkömmliches Auto (mit Pedalen) fahren. Eine große Herausforderung für sein gesamtes Umfeld. Doch es gibt Hoffnung - allerdings eine kostspielige: Die Behandlung im Apex Neuro Center in Manchester, das auf Neuromodulation - gezielte Stimulation mit Strom - spezialisiert ist und vielversprechende Ergebnisse zeigt. Für die positiv gestimmte Ehefrau ist klar: Die Menschen können helfen. "Christian war erst dagegen, doch seit Sonntag läuft unser Spendenaufruf bei GoFundMe." Und soviel kann schon gesagt werden: Hunderte Menschen möchten Christian und seine Familie unterstützen.
"Ich möchte weiterhin mit Christian durchs Leben gehen"
Die gewünschte Behandlung in Manchester soll dabei helfen, die Spastiken wegzutrainieren, Muskeln wieder aufzubauen und Christian wieder ein Stück Normalität zurückzugeben. "Dadurch könnte die Kommunikation von Gehirn und Muskeln wiederhergestellt und Nervenbahnen neu gebildet werden", erklärt Mona. Das Spendenziel für Manchester: 9.000 Euro. "Wenn die Hälfte zusammenkommt, schaffen wir das schon irgendwie." Da hat sie die Rechnung wohl ohne die Hilfsbereitschaft der Menschen gemacht. Das Ziel für Manchester wurde noch am selben Abend erreicht!

Christian liebt es, unterwegs zu sein und mit Familie und Freunden etwas zu erleben. ...

Die gesamte Familie zeigt sich mehr als dankbar für die Unterstützung durch den Spendenaufruf. ...
Darauf folgte der Wunsch nach einem Mollii-Suit, einem Spezialanzug gegen Spastiken, der zusätzlich etwa 11.000 Euro kostet. "Am Montagabend haben wir über 20.000 Euro auf unserem Spendenkonto gesehen. Das ist wirklich überwältigend. Die Unterstützung überrollt uns total!"
Einer der engsten Freunde ist Marco Kirsch, einer der Eigentümer des Eiscafés Perilli in Gersfeld (O|N berichtete). Er erstellte einen bewegenden Post in seiner WhatsApp-Story. So ist Christian nämlich nicht nur einer seiner besten Freunde, sondern auch der Patenonkel seiner Tochter Mia. "Er gehört zu den Menschen, die uns und unserer Familie schon lange begleiten und die uns sehr am Herzen liegen." Damit macht auch Kirsch auf den Spendenaufruf aufmerksam und schrieb: "Ich möchte weiterhin mit Christian durchs Leben gehen - und dieses Mal meine ich das wirklich wortwörtlich." Abschließend wurde es emotional: "Lasst uns gemeinsam zeigen, dass Familie, Freundschaft und Zusammenhalt stärker sind als schwere Zeiten." Und eins ist klar: Das ist deutlich geworden!

Schon jetzt ist klar: Mit Hoffnung, Unterstützung und Liebe kann die Familie Farnung ...
Spendenziel am Mittwochmorgen erreicht!
Die gesamte Familie zeigt sich mehr als dankbar, dennoch steht Christian tagtäglich vor weiteren Problemen. So auch das Autofahren und der allgemeine Weg zur Arbeit. Als Mitarbeiter der Anästhesie-Pflege des Klinikums Fulda ist er nicht mehr in der aktiven Patientenversorgung tätig, ist aber in die Betreuung der Auszubildenden und die Schulung aktiv involviert. Dass er als Mensch auch das Klinikum geprägt hat, zeigt sich im Engagement der Einrichtung - beispielsweise in der Arbeitsplatzgestaltung und dem Wunsch, es ihm so angenehm wie möglich zu machen. "Für ihn ist es sehr wichtig, auch im Beruf aktiv zu bleiben", so Mona Farnung. Aus diesem Grund liege ihr Antrag für einen Fahrdienst aktuell in der zugehörigen Warteschlange. Auch der Antrag, das Auto auf Handgas mit passender Rollstuhlvorrichtung umzubauen, wurde gestellt. Aktuell helfen Familie und Freunde - darunter selbstverständlich auch Marco Kirsch - ihn zur Arbeit zu bringen, um ihm so viel Normalität wie möglich zu geben. Erste Schritte zum selbstständigen Fahren wie die Führerscheinanpassung laufen derzeit.
Eine weitere Herausforderung ist ausgerechnet sein Zuhause: "In seinem Rollstuhl kann er die Treppen in unserem Haus nicht mehr einfach nach oben kommen. Seit etwa zwei Jahren ist es für ihn ein schwerer und anstrengender Weg in unser Schlafzimmer", so die 47-Jährige mit tränenerstickter Stimme. Die beiden Kinder - Magnus (14) und Matilda (11) - helfen ihrem Vater zwar, wo es geht, aber langfristig ergibt sich für das Treppenproblem nur eine Lösung: ein Treppenlift. So lag das neue Spendenziel bei 35.000 Euro.
Am Mittwochmorgen wurde kurz nach Veröffentlichung dieses Artikels das Spendenziel von 35.000 Euro erreicht. Selbstverständlich fallen weiterhin medizinische Kosten für die Familie an.

Für die positive Ehefrau ist klar: Die Menschen können helfen. "Christian war erst ...
Und wie geht es jetzt weiter für den Familienvater? "Wir haben Videos und den nötigen Papierkram nach Manchester geschickt und haben am 27. Mai einen Telefontermin, um alles final abzustimmen", freut sich seine Ehefrau. Für sie ist es eine große Erleichterung, aktiv zu werden - und so bleibt auch die Hoffnung auf Besserung. "Es ist furchtbar zu sehen, wie er in seinem eigenen Körper gefangen ist. Deshalb wünsche ich mir, dass der Alltag bald wieder angenehmer und leichter für ihn erlebbar wird. Mein Mann ist der Meinung, sein Schritt nach Manchester könnte auch für viele andere eine Hoffnung sein." Bereits jetzt spricht die Familie einen unbeschreiblich großen Dank an alle Spender aus und fühlt sich von dieser Unterstützung völlig überwältigt.
In Zukunft wird sich zeigen, ob Christian bald wieder stehen und mit Walkingstöcken laufen kann. "Das wäre ein riesiger Gewinn", hofft Mona positiv gestimmt. Doch schon jetzt ist klar: Mit Hoffnung, Unterstützung und Liebe kann die Familie Farnung jedes Hindernis überwinden. (Mia Schmitt) +++ 